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Balkan : Ausladungen für Kosovo-Albaner

Im Kosovo werden derzeit Ausladungen verteilt. Ausgesprochen werden sie von der UN-Verwaltung Unmik, Adressaten sind Angehörige der kosovarischen Übergangsinstitutionen.

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          Im Kosovo werden derzeit Ausladungen verteilt. Ausgesprochen werden sie von der UN-Verwaltung Unmik, Adressaten sind Angehörige der kosovarischen Übergangsinstitutionen. Eigentlich hatten Ausladende und Ausgeladene in wenigen Tagen zu mehreren gemeinsamen Reisen aufbrechen wollen: Mitglieder des Präsidentenapparates, des Parlaments und der Regierung des mehrheitlich von Albanern bewohnten UN-Protektorats sollten in Unmik-Delegationen an mehreren für die Zukunft des Kosovos wichtigen Tagungen teilnehmen. Zwei Reisen sollten nach Brüssel führen (zur Nato und zu einer Konferenz des Balkan-Stabilitätspaktes), eine andere zu einer internationalen Konferenz im mazedonischen Ohrid.

          Michael Martens
          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Doch dazu wird es wohl nicht kommen. Er habe sich mit Nato-Generalsekretär Robertson, dem EU-Außenpolitikbeauftragten Solana und anderen Vertretern der Staatengemeinschaft beraten und halte es nicht mehr für angebracht, daß die betreffenden Personen bei den Treffen in den Delegationen der Unmik repräsentiert seien, ließ Michael Steiner in einer Erklärung wissen, die am Freitag von albanischen Zeitungen in Prishtina verbreitet wurde. Der diplomatische Stubenarrest für die Kosovaren ist die Reaktion des scheidenden deutschen Unmik-Chefs auf eine Sitzung des Kosovo-Parlaments vom Donnerstag, bei der es wieder einmal zu Tumulten gekommen war. Gegen den Protest der serbischen Minderheit hatte die albanische Mehrheit der Parlamentsabgeordneten am Donnerstag eine Resolution zur Anerkennung des "Befreiungskrieges für Freiheit und Unabhängigkeit" von Serbien verabschiedet. Darin wird der "gerechte" Kampf der offiziell aufgelösten albanischen "Nationalen Befreiungsarmee" (UCK) hervorgehoben. Von den Verbrechen, die von der UCK in ihrem Verteidigungskampf gegen die Aggression der Truppen des Belgrader Gewaltherrschers Milosevic nicht nur an Serben, sondern auch an Albanern verübt wurden, steht darin nichts.

          Am jüngsten Zusammenstoß zwischen der Unmik und dem von den Kosovo-Albanern dominierten Parlament werden gleich zwei unheilvolle Entwicklungen in der Provinz deutlich: der sich verschärfenden Konflikt zwischen Steiner und einigen einheimischen Politikern - den sein Nachfolger erben wird - und die unbefriedigende Arbeit des Parlaments in Prishtina. Von dem behauptet Veton Surroi, der einflußreiche Herausgeber der in Prishtina erscheinenden Tageszeitung "Koha Ditore", es sei "das faulste Europas und vielleicht der ganzen Welt: Sie treffen sich einmal in der Woche, und der Parlamentspräsident sieht auf die Uhr, damit er die Sitzung vor dem Mittagessen beenden kann". Produktiv sind die Parlamentarier dagegen, wenn sie sich nicht mit der politischen Tagesarbeit befassen müssen, sondern über hochtrabende Resolutionen beraten können.

          In der Bilanz der "Internationalen" im Kosovo wird das aus freien Wahlen hervorgegangene Parlament, das sich im November 2001 konstituierte, meist als ein großer Erfolg des Aufbauwerks im Kosovo bezeichnet. Die Art, in der das Haus arbeitet, schmälert den Erfolg aber erheblich. Steiner betont oft, die feindlichen Äußerungen der Politiker gegen ihn und die Unmik seien nicht mit der Einstellung der einfachen Bevölkerung zu verwechseln. Doch der rüder werdende Ton an der Spitze sickert durchaus nach unten durch. Korruptionsfälle innerhalb der Unmik, auch wenn sie entschieden verfolgt wurden, tragen zusätzlich dazu bei, den Ruf der UN-Verwalter zu beeinträchtigen.

          Die Serben mißtrauen der Unmik ohnehin, zumal seit auch öffentlich bekannt wurde, daß Steiner mit einer Albanerin liiert ist. Die Albaner sehen keine Entwicklung, die sie zur ersehnten Unabhängigkeit von Serbien führt - die sie de facto schon längst haben. Geschadet hat der Unmik auch die Rolle der UN vor dem Krieg im Irak. Ein hoher Unmik-Mitarbeiter sagt dazu: Wenn die Amerikaner, die als eigentliche Befreier gelten, ihre Angelegenheiten mit Gewalt lösten und die UN ignorierten, werde das sehr genau beobachtet. Die Albaner, die sich in allem an den Amerikanern orientierten, nähmen sich dieses Verhalten zum Vorbild.

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