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Bahrein nähert sich Israel : Nicht ohne Zustimmung aus Riad

Gefaltete Hände: Donald Trump spricht am Freitag im Oval Office über das angekündigte Abkommen zwischen Israel und Bahrein. Bild: AP

Im Hintergrund hat Bahrein lange Zeit Beziehungen zu Israel gehabt. Nun folgt das kleine Königreich den Vereinigten Arabischen Emiraten und nähert sich Jerusalem weiter an. Nicht zuletzt der gemeinsame Gegner in Teheran führt die Länder zusammen.

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          Bahrein galt lange als jener Kandidat am Golf, der als erstes diplomatische Beziehungen zu Israel aufnehmen würde. Nun folgt das kleine Königreich den Vereinigten Arabischen Emirate binnen weniger Wochen und nähert sich Jerusalem weiter an, ebenfalls vor der Wahl in Amerika. Bezeichnenderweise war es wieder Präsident Donald Trump, der die Normalisierung am Freitagabend verkündete und die in Manama und Jerusalem mittlerweile bestätigt wurde.

          Jochen Stahnke

          Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.

          Bahrein verfolgt keine wahrhaftig eigenständige Außenpolitik, die das Herrscherhaus gewissermaßen von seinem großen Nachbarn und Patron Saudi-Arabien bestimmt bekommt. Deshalb kann dieses zweite anstehende Normalisierungsabkommen zwischen Jerusalem und einem Golfstaat als eine weitere Annäherung Riads an Israel gesehen werden, ohne dessen Zustimmung Bahrein sich zu einem solchen Schritt wohl kaum entschlossen hätte.

          Zwischenzeitlich eine jüdische Botschafterin in Washington

          Auch Bahrein hat im Hintergrund lange Zeit Beziehungen zu Israel gehabt. Anfang der neunziger Jahre schon konnte ein israelischer Minister nach Manama reisen, dem über die Jahre einige folgten, und auch in religiösen Fragen war die Distanz zum Judentum geringer als in Nachbarstaaten. Bahrein hatte zwischenzeitlich sogar eine jüdische Botschafterin in Washington, öfter inter-religiöse Veranstaltungen organisiert und immer wieder signalisiert, dass eine Normalisierung denkbar sei.

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          Schon Barack Obama soll eine Normalisierung der Beziehungen zu Israel gewünscht haben, aber seine aus golfarabischer Sicht zu konziliante Iran-Politik mag seinen Ansatz zunichte gemacht haben. Nicht zuletzt der gemeinsame Gegner in Teheran führt Israel, Bahrein und die Emirate zusammen. Trumps Iranpolitik entspricht eher ihren Erwartungen, und der amerikanische Präsident erhält im Gegenzug eine Normalisierung, über deren genauen Inhalt noch wenig bekannt ist, auch wenn schon am Dienstag im Weißen Haus ein Abkommen unterzeichnet wird. Der Zeitpunkt fügt sich in Trumps Wahlkalender.

          Inwiefern der amerikanische Druck auf Manama und Abu Dhabi die Entscheidung zu diesem Zeitpunkt befördert hat und was Bahrein (oder Saudi-Arabien) bekommen, wird die Zeit zeigen – vielleicht ist Bahreins Ja die Kompensation dafür, dass Riad weiterhin nein zu Trumps Bitten sagt, Israel anzuerkennen. Bei den Emiraten waren es hochmoderne Waffensysteme, die Amerika in der Region nicht mehr nur an Israel zu verkaufen bereit ist.

          Fortschritte in der Palästinafrage könnten auch für Riad jedenfalls kaum das zentrale Element sein, auch wenn Bahreins König pflichtschuldig darauf hinwies, dass man einer gerechten Lösung mit den Palästinensern verpflichtet sei. Die neuerliche Normalisierung zwischen Israel und einem Golfstaat beweist eher, wie gleichgültig die palästinensische Sache den meisten Golfstaaten ist, die sich auf die Zeit nach dem langsamen amerikanischen Rückzug in der Region wappnen. So kann Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu von „Frieden für Frieden“ ohne Zugeständnisse in den palästinensischen Gebieten sprechen. Und einen weiteren tatsächlich großen Durchbruch erzielen. Strategisch bleibt die Palästinafrage nur für Israel selbst, nicht für Bahrein oder die Emirate.

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