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+++ Bagdad Briefing +++ : „Wir werden die Guerrilla mobilisieren“

  • -Aktualisiert am

Rauch über Kobane: Trotz der Luftangriffe der amerikanisch-arabischen Antiterrorallianz droht der Fall der kurdischen Enklave Bild: AFP

Irakisch-kurdische Kämpfer dürfen weiterhin nicht über türkisches Territorium gehen, um die bedrängten Verteidiger Kobanes zu unterstützen. PKK-Führer Bayik droht, die Freischärler könnten ihre Waffen gegen die türkische Armee erheben.

          „Sehr hilfreich“ seien die jüngsten Angriffe der amerikanisch-arabischen Antiterrorallianz gewesen, sagte ein Sprecher der Verteidiger Kobanes am Sonntag. Nach mehr als drei Wochen Belagerung war es Einheiten der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) am Wochenende gelungen, den Vormarsch des „Islamischen Staats“ zu verlangsamen. Der Fall der syrischen Grenzstadt, der nach der Eroberung eines Kommandozentrums durch den IS am Freitag drohte, wurde damit vorerst verhindert.

          Doch eine Rettung Kobanes, in der sich weiter rund 12.000 Zivilisten aufhalten, die meisten von ihnen Angehörige der YPG-Kämpfer, ist damit noch lange nicht garantiert. Abermals stellte die amerikanische Regierung am Wochenende klar, dass sie nicht bereit sei, eine Flugverbotszone über Syrien einzurichten – dem Dilemma, entweder mit Syriens Machthaber Baschar al Assad oder der oppositionellen Freien Syrischen Armee (FSA) zusammenzuarbeiten, will Barack Obama sich nicht aussetzen.

          Kein freies Geleit für kurdische Kämpfer

          Zugleich schrecken die Nato-Staaten davor zurück, die türkische Regierung dazu zu drängen, kurdischen Kämpfern freies Geleit durch den Süden des Landes zu gewähren. Auf diese Weise könnten die seit bald einem Monat eingeschlossenen Verteidiger Kobanes mit Munition und panzerbrechenden Waffen ausgestattet werden. Das hatten die politischen Führer der syrischen Kurden um den Kovorsitzenden der Partei der Demokratischen Einheit (PYD), Salih Muslim, immer wieder gefordert.

          Unterstützung für ein solches Szenario zugesagt hat selbst der irakisch-kurdische Präsident Massud Barzani. Seitdem YPG-Einheiten und die türkisch-kurdischen Volksverteidigungseinheiten (HPG) der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) im August im Sindschar-Gebirge intervenierten, weil Barzanis Peschmerga dem Ansturm des „Islamischen Staats“ nicht mehr gewachsen waren, ist Entspannung angesagt: Die historische Feindschaft zwischen Barzanis Demokratischer Partei Kurdistans (KDP) und der PKK könnte sich einem Ende nähern.

          Peschmerga-Spezialeinheiten stehen schon bereit, auf Seiten der syrischen und türkischen Verteidiger Kobanes einzugreifen. Alles, was es dazu brauchte, wäre eine Billigung aus Ankara, sie die Grenze in die Türkei nördlich von Qamischli überqueren – und rund hundert Kilometer westlich wieder nach Syrien einsickern zu lassen. Nicht weiter vergeblich auf amerikanische Hilfe warten müssten die Kurden dann, sondern könnten ihre eigenen Kräfte nutzen.

          Cemil Bayik (Achivbild) zählte zu einem der 24 Gründer der PKK

          Das aber scheint angesichts der Weigerung Recep Tayyip Erdogans, zugunsten Kobanes seine antikurdische und proislamistische Politik zu ändern, mehr als unwahrscheinlich. Wirklichkeit werden könnte stattdessen ein anderes Szenario, dass PKK-Führer Cemil Bayik der „New York Times“ ) schilderte: „Wir werden die Guerrilla mobilisieren“, sagte er im Hauptquartier der türkisch-kurdischen Freischärler im nordirakischen Qandil-Gebirge. Die auf 5000 Mann geschätzten, seit Beginn der Friedensgespräche mit Ankara im März 2013 im Irak ausharrenden Kämpfer würden dann freilich nicht von Qandil bis Kobane marschieren, sondern ihre Waffen gegen die türkische Armee erheben.

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