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+++ Bagdad Briefing +++ : Isis ruft islamischen Staat aus

  • -Aktualisiert am

Demonstration von Unterstützern Isis’ und Al Qaidas (Mitte juni in Mossul): Das Ziel eines selbst verwalteten Sunnitenstaates längst mehr als eine reine Träumerei religiöser Fanatiker Bild: AP

Mit der Ausrufung eines Kalifats stellt die Terrorgruppe Isis die Machtfrage im dschihadistischen Lager. Al-Qaida-Chef Ayman al Zawahiri steht unter Druck.

          Die Erklärung lässt keine Zweifel offen, wer der neue Führer der bewaffneten islamistischen Internationale sein soll: Isis-Chef Abu Bakr al Baghdadi. „Er ist der Imam und Kalif für Muslime überall“, teilte ein Sprecher der Terrorgruppe Islamischer Staat im Irak und (Groß-)Syrien (Isis) am Sonntagabend über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Und kappte gleich noch die Hälfte des umständlichen Namens, der seit drei Wochen für Angst und Schrecken in der arabischen Welt sorgt: „‚Irak und (Groß-)Syrien‘ im Namen werden mit sofortiger Wirkung aus allen offiziellen Verlautbarungen und Kommuniqués gestrichen, und der offizielle Namen lautet mit dem Datum dieser Erklärung ‚Islamischer Staat‘.“

          Dieses undatierte Bild des Isis-Oberkommandierenden Abu Bakr al Baghdadi veröffentlichte zuletzt das amerikanische Außenministerium

          Die Verkündung eines eigenen Kalifats ist ein Paukenschlag, der einem dreiwöchigen Siegeszug durch den Irak folgt, und die Machtfrage mit Al Qaida aufwirft – sowie mit den arabischen Regimen. Charles Lister vom Brookings Doha Center bezeichnet den Beschluss als „wichtigste Entwicklung im internationalen Dschihadismus seit 9/11“.

          Anders als das Terrornetz Ayman al Zawahiris, dessen Zentren inzwischen allenfalls an der Peripherie des Nahostkonflikts liegen, nicht aber inmitten der aktuellen Auseinandersetzungen, ist es Isis-Chef Baghdadi gelungen, ein Territorium von der Größe Jordaniens einzunehmen. Im Norden und Westens Iraks sowie im Osten Syriens stellt seine Organisation den entscheidenden Ordnungsfaktor dar.

          Die jüngsten finanziellen, materiellen und territorialen Erfolge verbieten es, sein Ziel eines selbst verwalteten Sunnitenstaates als reine Träumerei religiöser Fanatiker abzutun. Die Ablegung der territorialen Begrenzung auf Irak und das historische Großsyrien in der Levante ist eine Kampfangsage: Auch im Libanon sind in der vergangenen Woche Isis-Zellen verhaftet worden; viele ihrer Kämpfer stammen aus Saudi-Arabien. Fünf Jahre brauchte das Königreich nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001, Al Qaida im eigenen Land zu besiegen. Doch der Syrien-Krieg hat neue Dschihadisten zum Kampf gegen die Ungläubigen inspiriert – und da zählt das wahabitische Königshaus, das mit den Vereinigten Staaten kooperiert, nach der Isis-Ideologie dazu.

          Nicht nur für Europa stellen islamistische Rückkehrer aus Syrien und dem Irak deshalb eine Bedrohung dar. Viel größer ist sie für die autoritären Monarchien am Golf. Der Anspruch, das 1924 aufgelöste islamische Kalifat wiederherzustellen, elektrisiert Baghdadis Gefolgsleute. Nach seinen Wünschen soll es von Ägypten bis zum Persischen Golf reichen. Dass seine Männer durchaus in der Lage sind, staatsähnliche Funktionen zu übernehmen, haben sie im vergangenen Jahr bewiesen: In der syrischen Provinzhauptstadt Raqqa stellt Isis seit einem Jahr die Stadtverwaltung für eine Million Menschen, viele von ihnen Binnenflüchtlinge. Und nicht nur irakisch-syrische Grenzposten sind in ihrer Hand, sondern auch Übergänge zur Türkei und zu Jordanien. An der Grenze zwischen Saudi-Arabien und dem Irak blieb es bislang ruhig.

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