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Ukraine-Besuch : Baerbock: Abhängigkeit von russischer Energie „für immer“ auf Null reduzieren

  • Aktualisiert am

Außenministerin Annalena Baerbock trifft den Ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj am Dienstag in Kiew. Bild: dpa

Als erstes deutsches Regierungsmitglied ist Außenministerin Baerbock nach Kiew gereist. Sie verspricht Hilfe bei der Aufklärung russischer Kriegsverbrechen und kündigt die Wiedereröffnung der deutschen Botschaft an.

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          Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) hat bei ihrem Besuch in Kiew erklärt, dass Deutschland künftig komplett ohne Energie des „Aggressors“ Russland auskommen wolle. „Deshalb reduzieren wir mit aller Konsequenz unsere Abhängigkeit von russischer Energie auf Null – und zwar für immer“, sagte sie am Dienstag in Kiew bei einer Pressekonferenz mit ihrem Kollegen Dmytro Kuleba. Zudem kündigte sie an, dass die deutsche Botschaft in Kiew mit einer Minimalbesetzung wieder eröffnet werden soll. Die Botschaft war Mitte Februar geschlossen worden und soll noch heute in eingeschränktem Betrieb ihre Arbeit wieder aufnehmen, wie die deutsche Außenministerin mitteilte.

          Baerbock war als erstes deutsches Regierungsmitglied in die Ukraine gereist. Die Grünen-Politikerin begab sich zunächst in den Kiewer Vorort Butscha, wo russische Soldaten Gräueltaten an der Zivilbevölkerung begangen haben sollen. Baerbock zeigte sich erschüttert über die Berichte von Augenzeugen und sicherte der Ukraine Unterstützung bei der Aufklärung der Kriegsverbrechen während des russischen Angriffskrieges zu. Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden. „Das werden wir als internationale Gemeinschaft tun. Das ist das Versprechen, was wir hier in Butscha geben können und geben müssen“, betonte sie. „Das sind wir den Opfern schuldig“, sagte Baerbock, „und diese Opfer, auch das spürt man hier so eindringlich, diese Opfer könnten wir sein.“

          In Butscha waren nach dem Abzug der russischen Truppen mehr als 400 Leichen gefunden worden – teils mit auf den Rücken gefesselten Händen. Baerbock war von einem Mitarbeiter der deutschen Botschaft an dessen Haus in Butscha empfangen worden. Die Ministerin wurde von der ukrainischen Generalstaatsanwältin Iryna Wenediktowa begleitet.

          Nachdem Baerbock in einer Kirche eine Kerze entzündet hatte, sagte sie, man glaube, in einer ganz normalen Kirche zu sein. Zugleich sei dies ein Ort, an dem „die schlimmsten Verbrechen, die man sich nur vorstellen kann, nicht nur sichtbar geworden sind, sondern passiert sind“. Der größte Wunsch der Menschen sei es, der Welt deutlich zu machen, welche Verbrechen passiert seien und wie groß der Schmerz sei.

          Diesen Schmerz könne niemand nehmen, „aber wir können für Gerechtigkeit sorgen“, sagte Baerbock. Man könne einen „kleinen Beitrag dadurch leisten, dass wir diese Aufklärung von Kriegsverbrechen, von Verbrechen gegen die Menschlichkeit unterstützen, als internationale Gemeinschaft Beweise sammeln, dafür sorgen, dass die Täter zur Rechenschaft gezogen werden. Das sind wir den Opfern schuldig.“ Niemand dürfe glauben, „Verbrechen ohne Konsequenzen begehen zu können.“

          Baerbock, die von schwer bewaffnetem Sicherheitspersonal geschützt wurde und eine Splitterschutzwest trug, sagte weiter, man sehe Spielplätze, Supermärkte, Menschen, die zur Arbeit gingen. „Und dann sieht man die schlimmsten Spuren von Verbrechen genau daneben.“ Eine Bombe sei direkt in den Supermarkt eingeschlagen. In der Kirche zeigten Bilder Menschen, die nur das getan hätten, was jeder Mensch tue, sagte Baerbock: Aufstehen, einkaufen gehen, und die dabei kaltblütig ermordet worden seien. Am Nachmittag war unter anderem ein Gespräch Baerbocks mit ihrem ukrainischen Amtskollegen Dmytro Kuleba geplant.

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