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Ayaan Hirsi Ali : Ik ga weg

  • -Aktualisiert am

Emotionaler Auftritt: Ayaan Hirsi Ali Bild: dpa/dpaweb

„Ik ga door“ - Ich mache weiter. Knapp anderthalb Jahre ist die Kampfansage der bekanntesten Politikerin der Niederlande Ayaan Hirsi Ali gegen Islamisten, die ihren Tod suchten, her. Jetzt sagte sie: „Ik ga weg“ - Ich gehe weg: nach Amerika.

          5 Min.

          Der kurze Satz blieb im kollektiven Gedächtnis der Holländer. „Ik ga door“ - Ich mache weiter. Knapp anderthalb Jahre ist es her, daß der Pressesaal vom Haager Abgeordnetenhaus so überfüllt war, und auch damals war es Ayaan Hirsi Ali, die den Reporterpulk angelockt hatte. Sie werde sich nicht von den Islamisten aus der Bahn werfen lassen, die ihren Tod suchten, versicherte die Abgeordnete im Januar 2005 mit ihrer leisen, brüchigen Stimme, die so sehr im Kontrast steht zu den markigen Sätzen, mit denen sie auch damals nach der Ermordung ihres Freundes Theo van Gogh aufwartete.

          Andreas Ross
          Verantwortlicher Redakteur für Nachrichten und Politik Online.

          Am Dienstag hat sie am gleichen Ort jenen anderen Satz sagen müssen, der schon lange in der Luft lag und trotzdem ungestüm über Holland hineinbrach: „Ik ga weg“ - Ich gehe weg. Die bekannteste Politikerin der Niederlande verläßt das Land in Richtung Amerika, und sie tut das unter Umständen, die als neue Station ihres Leidenswegs in die Geschichte der gebürtigen Muslimin und Somalierin eingehen werden. 1992 war sie nach Holland gekommen, mit einem Zug vom Frankfurter Flughafen, angeblich auf der Flucht vor einer Zwangsheirat, die sie nach Kanada führen sollte. Sie erhielt einen Flüchtlingsstatus. 1997 wurde sie Niederländerin und begann rasch, sich als Vorkämpferin für die Menschenrechte vor allem muslimischer Frauen von Podium zu Podium zu hangeln.

          „Geschichte des Stolperns und Aufstehens“

          Zuerst trat sie als Mitarbeiterin einer sozialdemokratischen Stiftung auf, von 2003 an als Abgeordnete der rechtsliberalen Volkspartei für Freiheit und Demokratie (VVD) - immer aber als „Insiderin“ aus der muslimischen Gemeinde, der kaum einer das Recht zu Attacken auf den Islam konservativer Prägung absprechen mochte. Besonders weit ging die abtrünnige Muslimin nach Meinung vieler ihrer früheren Glaubensgenossen mit dem Kurzfilm „Submission“, den Theo van Gogh nach ihrem Drehbuch gefilmt hatte. „Submission“ provozierte mit Bildern nackter, aber verschleierter Frauenkörper, auf die Koranzitate projiziert wurden. Nun aber steht sie selbst am Pranger. In Kürze dürfte ihr der niederländische Paß abgenommen werden, denn sie hat gelogen, als sie um Asyl ersuchte, und sie hat gelogen, als sie die niederländische Staatsangehörigkeit beantragte.

          Allerdings hat sie daraus nie ein Hehl gemacht, denn ihre Biografie, eine „Geschichte des Stolperns und Aufstehens“, wie die junge Frau es sagt, beginnt mit ihrer Geburt in Somalia im Jahr 1969 - nicht, wie sie offiziell behauptete, schon 1967. Das ist nachzulesen in mehreren Büchern, Artikeln und Interviews, die im Laufe eines guten Jahrzehnts veröffentlicht wurden. Und auch, daß sie „Ayaan, die Tochter von Hirsi, des Sohns eines Mannes namens Magan“ ist, steht in einem frühen Werk der Politikerin geschrieben. Mithin heißt sie Ayaan Hirsi Magan. Jene Ayaan Hirsi Ali, der ein niederländischer Paß ausgestellt wurde, gibt es gar nicht.

          Die beiden stursten Politiker des Landes

          Ohne Zutun hat sich die Politikerin verheddert im internen Wahlkampf der VVD um deren politische Führung. Die will unbedingt Ausländerministerin Rita Verdonk übernehmen. In der vorigen Woche machte ein Fernsehsender mit den altbekannten biografischen Daten über Ayaan Hirsi Magan Furore - und reicherte sie an durch die Behauptung, sie habe vor ihrer angeblichen Flucht aus Somalia im kenianischen Exil ein komfortables Leben geführt. Daraufhin sagte Frau Verdonk im Fernsehen einen jener kurzen Sätze, in die sie das vermutete Volksempfinden zu komprimieren pflegt: „Ich halte nichts von Lügen.“ Am Freitag freilich setzte sie noch hinzu: „Aber Ayaan hat nichts zu befürchten.“ Immerhin sind beide Politikerinnen in derselben Partei, und trotz allseits bekannter Differenzen zwischen den beiden vielleicht stursten Politikern des Landes hatte Ayaan Hirsi Magan noch vor kurzem einer Zeitung anvertraut, sie sei „verrückt nach Rita“.

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