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Wahlerfolg von Autonomisten : Für die Wiedergeburt Korsikas

Freudestrahlend: Der Führer der Unabhängigkeitsbewegung „Für Korsika“ Gilles Simeoni (rechts) feiert den Wahlsieg. Bild: AFP

Auf der Mittelmeerinsel Korsika regiert nun die Autonomiebewegung. Bei den französischen Regionalwahlen haben die korsischen Nationalisten erstmals die absolute Mehrheit errungen - und verlangen nach mehr Autonomie.

          3 Min.

          Gilles Simeoni begrüßt seine Anhänger grundsätzlich in korsischer Sprache. Der 48 Jahre alte Chef der Bewegung „Pè a Corsica“ (Für Korsika) ist der neue Freiheitsheld auf der malerischen Mittelmeerinsel. Bei den Regionalwahlen erhielt Simeoni als Spitzenkandidat der Autonomiebewegung 35,34 Prozent der Stimmen. Künftig sind die Autonomisten damit stärkste Kraft im korsischen Regionalparlament – zum ersten Mal in der Inselgeschichte. Mit 24 Sitzen von 51 haben sie nur knapp die absolute Mehrheit verfehlt. Die Wahlbeteiligung überstieg auf Korsika bei weitem den nationalen Durchschnitt: 67,03 Prozent der wahlberechtigten Inselbewohner gaben ihre Stimme ab. Simeonis Vater Edmond hatte noch mit Waffengewalt für „die Wiedergeburt Korsikas“ gekämpft. Sohn Gilles will nun mit politischen Mitteln das Werk seines Vaters fortführen.

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Im Wahlkampf hatte Simeoni das französische „Kolonialsystem“ angeprangert, das korsische Interessen missachte und zu Korruption und Klientelismus auf der Insel geführt habe. Simeoni versprach, dass sich die Insel fortan nicht mehr den Interessen von Paris unterwerfen werde. Korsika habe eine „wahre Demokratie“ verdient, die dem korsischen Volk zugute komme und nicht Immobilienspekulanten und Geschäftemachern vom französischen Festland. Ein Gesetzesprojekt über die Bevorzugung dauerhaft auf Korsika Ansässiger bei Immobilien- und Grundbesitzkäufen wird bislang in Paris blockiert. Simeoni will durchsetzen, dass das Gesetz verabschiedet wird.

          Schulterschluss mit Radikalen brachte den Erfolg

          Der sportliche Korse, der bislang die Stadt Bastia im Norden der Insel als Bürgermeister führte, hat sich mit dem Chef der Unabhängigkeitsbewegung „Corsica Libera“, Jean-Guy Talamoni, verbündet. Talamoni verteidigt eine noch radikalere Abkehr von Frankreich, sein Fernziel ist die Unabhängigkeit Korsikas. Simeoni und Talamoni eint dabei das Erbe der Unabhängigkeitsbewegung. Deren Geburtsstunde schlug am 21. August 1975, als Edmond Simeoni zusammen mit einer Gruppe bewaffneter Männer das Weingut des französischen Winzers Henri Depeille besetzte. Depeille war in mehrere Korruptionsskandale verwickelt. Die Regierung in Paris jedoch schlug sich sofort auf die Seite des Winzers und entsandte mehrere Hundertschaften Polizei. Das „Drama von Aléria“ endete mit zwei Toten und vielen Verletzten. Simeoni wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt. Aus Protest entstand der FLNC, die korsische Befreiungsfront, die den bewaffneten Kampf gegen die „französischen Besatzer“ aufnahm. Am 25. Juni 2014 gab die inzwischen in mehrere Gruppen gespaltene Organisation bekannt, dass sie die Waffen niederlegen wird. Diese Entscheidung hat den Wahlerfolg der Autonomiebewegung möglich gemacht.

          Gilles Simeoni hat angekündigt, umgehend Verhandlungen mit der Regierung in Paris über eine Generalamnestie für alle „politischen Häftlinge“ durchzusetzen. Zusammen mit Talamoni will er erreichen, dass allen Korsen, die mit Gewalt gegen die französische Herrschaft gekämpft hatten, die Haftstrafe erlassen wird. Simeoni hatte als Rechtsanwalt Yvan Colonna verteidigt. Colonna ist inzwischen zu lebenslanger Haft verurteilt, weil er am 6. Februar 1998 den französischen Präfekten Claude Erignac in Ajaccio erschoss. Zu den weiteren Plänen Simeonis zählt es, das sogenannte Miot-Dekret zu verlängern, das alle Korsen bislang von der Erbschaftsteuer befreit. Zudem wollen die Autonomisten mehr Mittel für die Förderung der korsischen Sprache in Paris einfordern.

          Simeoni verlangt zudem eine Verfassungsänderung. Korsika soll künftig in der französischen Verfassung erwähnt werden, um den Autonomiestatus der Insel vergrößern und eine eigene Gesetzgebung durchsetzen zu können. Die Regierung steht dabei unter Druck, wenn sie wie geplant zu Anfang 2018 die zwei korsischen Départements abschaffen will. Korsika soll dann nur noch über den Regionalrat verwaltet werden. Zum Wirtschaftsprogramm der Autonomiebewegung gehört die Stärkung der korsischen Landwirtschaft und Fischerei und eine gezielte Förderung eines „grünen“ Tourismus. Zudem plädiert Simeoni für verstärkte Investitionen in erneuerbare Energien. Die neuen Inselherrn können dabei auf schon beschlossene Finanzmittel zurückgreifen, darunter einen staatlichen Investitionsplan über 540 Millionen Euro, einen regionaler Plan über 200 Millionen Euro sowie einen auf acht Jahre angelegten Energieplan mit einem Gesamtumfang von drei Milliarden Euro. Die rechtsbürgerliche Opposition im Regionalrat hat bereits angekündigt, „konstruktiv“ mit der Autonomiebewegung zusammen arbeiten zu wollen.

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