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Autonome solidarisieren sich : Griechische Krawalle weiten sich auf Europa aus

  • Aktualisiert am

Vor der Polytechnischen Universität in Athen in der Nacht zum Donnerstag Bild: dpa

Nach tagelangen gewalttätigen Protesten in Griechenland ist es am Donnerstagmorgen in Athen den sechsten Tag in Folge zu heftigen Zusammenstößen zwischen Jugendlichen und der Polizei gekommen. Am Mittwochabend hatten sich die Krawalle bereits auf Madrid, Barcelona, Kopenhagen, Rom und Bologna ausgeweitet.

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          Nach tagelangen gewalttätigen Protesten in Griechenland ist es am Mittwochabend auch in anderen europäischen Städten bei Solidaritätskundgebungen zu Ausschreitungen gekommen. In Madrid, Barcelona, Kopenhagen, Rom und Bologna wurden mehrere Demonstranten festgenommen.

          In Madrid wurden in der Nacht neun Randalierer festgenommen, die im Zentrum der spanischen Hauptstadt gegen die Erschießung des jungen Griechen demonstriert und die Scheiben eines Polizeireviers eingeschlagen hatten. Mehrere Beamte wurden nach Angaben der Behörden bei dem Angriff verletzt. In Barcelona kamen etwa 300 junge Leute zu einer nicht angemeldeten Demonstration zusammen. Sie setzten Mülleimer in Brand und beschädigten Bankautomaten. Die Polizei löste die Kundgebung auf. Die Beamten nahmen zwei Gewalttäter fest, darunter eine junge Griechin.

          Zu Ausschreitungen kam es nach Berichten der italienischen Nachrichtenagentur Ansa am Abend auch in Rom und Bologna. In der italienischen Hauptstadt seien Soldaten nach einer Kundgebung vor der griechischen Botschaft von Demonstranten mit Steinen attackiert worden. Dabei wurde ein Soldat verletzt. Bei gewaltsamen Zusammenstößen zwischen der Polizei und Demonstranten vor dem griechischen Generalkonsulat in Bologna wurden den Berichten zufolge fünf Polizisten verletzt.

          Auch in der dänischen Hauptstadt löste die Polizei am Abend eine nicht genehmigte Kundgebung auf. Die knapp 200 Demonstranten erklärten in Sprechchören ihre Sympathie für die protestierenden Jugendlichen in Griechenland, einige warfen Flaschen und Farbbeutel. Mindestens 25 Demonstranten wurden festgenommen.

          Wieder Zusammenstöße von Demonstranten und Polizei in Athen

          In der griechischen Hauptstadt Athen kam es am Donnerstagmorgen den sechsten Tag in Folge zu Zusammenstößen zwischen Jugendlichen und der Polizei. Im Stadtviertel Exarchia, in dem sich auch die Polytechnische Universität befindet, warfen mehrere Dutzend junger Menschen Steine auf Ordnungskräfte, wie die Polizei mitteilte. Die Beamten gingen demnach mit Tränengas gegen die Demonstranten vor. Drei Menschen wurden festgenommen.

          Die Polytechnische Universität sowie 15 weitere Hochschuleinrichtungen und rund hundert Schulen in Athen und Thessaloniki sind nach Angaben der Polizei seit Beginn der Woche von Schülern und Studierenden besetzt. In Thessaloniki im Norden des Landes kam es zudem zu Plünderungen in den Bildungseinrichtungen, wie Professoren und Lehrer berichteten. Nach griechischem Recht darf die Polizei innerhalb der Schul- und Universitätsgebäude nicht aktiv werden.

          Am Vortag hatte sich die Lage in Griechenland zunächst leicht entspannt. Zwar kam es am Mittwoch auch am Rande eines seit längerem geplanten Generalstreiks im Zentrum Athens wieder zu gewalttätigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei. Das Ausmaß war jedoch geringer als in den Tagen zuvor.

          Ein Querschläger?

          Auslöser für die seit Tagen wütenden Unruhen in Griechenland ist der Tod eines 15-Jährigen am vergangenen Samstag durch den Schuss eines Polizisten. Griechenland erlebt seitdem die heftigsten Unruhen seit der Rückkehr zur Demokratie im Jahr 1974. Nach Angaben seines Rechtsanwalts wird der Polizist jedoch durch die ballistische Untersuchung der tödlichen Kugel entlastet. So komme der noch nicht veröffentlichte Bericht zu dem Schluss, dass es sich um einen Querschläger gehandelt habe, sagte der Anwalt griechischen Medien. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür zunächst nicht.

          Der 37 Jahre alte Polizist hatte mehrmals beteuert, lediglich drei Warnschüsse abgefeuert zu haben; das Opfer sei von einem Querschläger getroffen worden. Er hofft nun, nicht wegen Totschlags oder gar Mordes belangt zu werden. Einem 31 Jahre alten Polizeikollegen wird Beihilfe zum Totschlag vorgeworfen. Auch er bleibt in Untersuchungshaft.

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