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Nach Djokovic-Ausweisung : Serbiens Präsident Vučić kündigt „Antwort“ an Australien an

Serbiens Präsident Aleksandar Vučić am 16. Januar in Belgrad. Bild: AP

Nach der Ausweisung des Tennisspielers Novak Djokovic hat Serbiens Staatspräsident den australischen Regierungschef Scott Morrison scharf angegriffen. Vučić stellt den Fall als eine Art Weltverschwörung dar.

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          In einem am Wochenende über Instagram verbreiteten vierminütigen Video hat Serbiens Staatspräsident Aleksandar Vučić den australischen Regierungschef Scott Morrison scharf angegriffen und eine serbische Antwort auf die Ausweisung des Tennisspielers Novak Djokovic angekündigt. Zugleich stellte er den Fall als eine Art Weltverschwörung gegen Serbien und das serbische Volk dar.

          Michael Martens
          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          „Aber das, was sie uns als Volk niemals wegnehmen konnten, das sind unsere Herzen, unser Stolz, unsere Würde“, kommentierte Vučić die angeblichen Angriffe. Der Druck auf Djokovic, „auf einen serbischen Staatsbürger, einen Serben, einen Bürger dieses Landes“ habe ein derartiges Ausmaß erreicht, dass es unmöglich sei, nicht darauf zu antworten.

          Serbien müsse sich oft Lektionen über die Rechtsstaatlichkeit anhören, sagte der serbische Präsident in dem in einer verschneiten Winterlandschaft aufgenommenen Video. Er fragte sinngemäß, was wohl geschehen wäre, wenn in Serbien ein Minister die Entscheidung eines Gerichts aufgehoben hätte und warf Australien vor, kein Rechtsstaat zu sein, „denn die gesamte Macht ist in den Händen der Exekutive.“

          Die Serben „werden für Novak Djokovic kämpfen“

          Noch wichtiger sei jedoch die „moralische Frage“ der Angelegenheit, so Vučić. Wenn man habe verhindern wollen, dass Djokovic ein weiteres Mal das Tennisturnier in Melbourne gewinnt, „warum haben Sie ihn dann nicht gleich zurückgeschickt?“. Bei diesem Satz ist grammatisch nicht eindeutig klar, ob sich das „sie“ auf den australischen Ministerpräsidenten, den australischen Staat oder die australische Regierung bezieht, doch aus dem Kontext lässt sich schließen, dass Australiens Scott Morrison gemeint ist.

          Vučić sagt nämlich weiter: „Warum misshandeln Sie nicht nur ihn, sondern seine Familie und eine ganze freiheitliche und stolze Nation? Brauchen Sie das, um irgendwelche Wahlen zu gewinnen? (…) Ich sage die Wahrheit, und auch Sie wissen, dass ich die Wahrheit sage“, so Vučić. Die Serben „werden für Novak Djokovic kämpfen“, kündigte der Präsident an.

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          Offenbar an Journalisten aus aller Welt gewandt, die sich in den vergangenen Tagen kritisch mit den Tricksereien und mindestens dubiosen Dokumenten befasst hatten, die der Sportler und dessen Team bei seiner Einreise nach Australien vorgelegt hatte, um auch ungeimpft an dem Tennisturnier teilnehmen zu können, sagte Vučić, diese „könnten auch Hunderttausende schlimmstmögliche Texte über ihn schreiben“, all das werde nichts daran ändern, dass Djokovic „der größte Tennisspieler aller Zeiten“ bleibe.

          Serbiens mächtigster Politiker drückte seinen Respekt vor dem australischen Volk aus, kündigte aber auch an, nun offenbar wieder an Morrison oder die Regierung Australiens gewandt: „Serbien wird Ihnen zu antworten wissen, sich dabei viel besser verhaltend, als Sie sich gegenüber Novak Djokovic verhalten haben.“ Worin die serbische Antwort bestehen werde, sagte Vučić nicht. Er schloss mit den Worten: „Es lebe Serbien! Novak, wir sind mit dir!“

          Auch Milorad Dodik, der Präsident der Serben in Bosnien-Hercegovina, schloss sich den Vorwürfen an. Djoković sei für viele Menschen auf der ganzen Welt und ganz besonders für die bosnischen Serben „viel mehr als ein Sportler“. Die Serben seien „unendlich stolz“ auf Djokovics Verhalten und überzeugt „dass nur ein Serbe soweit gehen konnte“, so Dodik in einem offenen Brief an den Sportler. „Du hast wieder einmal gezeigt, dass Du zu den besten Söhnen gehörst, die dieses Volk über die Jahrhunderte hervorgebracht hat.“

          Für die Serben in Bosnien gebe es keinen Zweifel daran, dass einen guter Teil der Angriffe, die Djokovic über sich habe ergehen lassen müssen, deshalb geschehen sei „weil Du Serbe bist“. Durch die Ausweisung Djokovics aus Australien hätten nicht nur die Australier und der Tennissport, sondern „alle wahrheitsliebenden Menschen auf der Welt“ verloren.

          In Serbien erwartet den Tennisspieler unterdessen ein Heldenempfang. „Ich habe Novak gesagt, dass ich es kaum erwarten kann, dass er nach Serbien zurückkommt, in sein Land, wo er immer willkommen ist“, sagte Vučić nach einem Telefongespräch mit dem Sportler.

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