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Migranten in Bosnien : Mit ein wenig Gewalt

Großer Andrang: Migranten harren im vollkommen überfüllten Ausweichlager Vučjak in Bosnien aus. Bild: Reuters

Im Bosnienkrieg tobten um die „Muslimenklave Bihać“ heftige Kämpfe. Heute ist die Stadt ein Kulminationspunkt der Migrationskrise. Die Balkanroute entpuppt sich immer mehr als Sackgasse.

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          Am Montag kündigte Šuhret Fazlić das Ende an. Seine Gemeinde werde nicht länger für das Ausweichlager Vučjak zahlen, sagte der Bürgermeister der im Nordwesten Bosniens gelegenen Stadt Bihać. Seit das Lager eingerichtet wurde, habe die Stadt Bihać über ihre kommunalen Unternehmen dort Dienstleistungen bereitgestellt, einschließlich der Lieferung von 20.000 Litern Wasser am Tag, doch damit sei nun Schluss, so der Bürgermeister: Er habe den betroffenen Unternehmen schriftlich mitgeteilt, dass die Stadt ihre Zahlungen einstellen werde. Bihać habe schlicht kein Geld mehr, wurde Fazlić von der kroatischen Zeitung „Jutarnji List“ und anderen Medien zitiert.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

          Wenn es dabei bleibt und niemand sonst einspringt, könnte sich in Vučjak ein Elend ausbreiten, das selbst die Zustände in einigen Lagern auf den griechischen Ägäis-Inseln unterbietet. Vučjak ist ein improvisiertes, mit angeblich 2500 oder noch mehr Migranten vollkommen überfülltes Lager an der Balkanroute. Schon jetzt übertreibt nicht, wer die Lage dort dramatisch nennt. Das Lager befindet sich einige Kilometer außerhalb von Bihać auf dem Gelände einer ehemaligen Mülldeponie. Es wurde im vergangenen Jahr von der Stadtverwaltung eiligst aus dem Boden gestampft, doch von Beginn an mangelte es dort an der nötigsten Infrastruktur. Es gibt kein fließendes Wasser und kaum Strom, die sanitären Anlagen sind schmutzig, die jungen Männer in dem Lager müssen ihre Matratzen auf den nackten Boden in unbeheizten Zelten legen. Ärzte berichten, die Krätze sei unter den Insassen keine Seltenheit. Und nun soll es noch schlimmer werden.

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