https://www.faz.net/-gpf-8b742

Festnahme in Australien : Kinder des Terrors

Festnahme nach einer Razzia in der Nähe von Sydney Bild: Reuters

Er ist gerade einmal 15 Jahre alt und steht unter dem Verdacht, einen Terroranschlag geplant zu haben. In Australien ist nun ein Teenager festgenommen worden – die Sorgen der Bevölkerung nehmen weiter zu.

          3 Min.

          Das erste Mal, als die Polizei die Wohnung des Teenagers in einem Vorort von Sydney gestürmt hatte, beschlagnahmte sie Dokumente, Laptops und eine Playstation. Bei der zweiten Razzia wurde der Jugendliche vorübergehend festgenommen und wegen des unerlaubten Besitzes einer Schusswaffe angeklagt. Beim dritten Mal, am Donnerstag, wurde der nun 15 Jahre alte Junge nicht nur abermals festgenommen, sondern auch gleich der Planung eines Terroranschlags angeklagt. Er ist die bisher jüngste Person unter Terroranklage in Australien. Auch anderswo hat es schon Anklagen gegen Minderjährige mit Terrorhintergrund gegeben, etwa in Großbritannien, aber auch da hatte es eine Verbindung nach Australien gegeben.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Grundlage der Anklage sollen Dokumente sein, die im Dezember vor einem Jahr gefunden worden waren. In den handschriftlichen Notizen wurde Berichten des Senders ABC zufolge offenbar das nationale Hauptquartier der Polizei in Parramatta im Bundestaat New South Wales genannt. Wie schon frühere Anschläge in Australien, dürfte auch dieser Plan von der Ideologie des „Islamischen Staats“ beeinflusst gewesen sein. Eine direkte „Direktive“ des IS hat es laut Polizei aber nicht gegeben. Vor dem Polizeigebäude war im Oktober ein ziviler Mitarbeiter der Polizei erschossen worden. Der Täter war auch in diesem Fall erst 15 Jahre alt. Er wurde im Feuergefecht von Polizisten getötet. Auch andere Angriffe und Anschlagspläne in Australien waren schon von Jugendlichen und jungen Erwachsenen verübt oder geplant worden.

          Zunehmende Sorge unter Australiern

          Der nun Festgenommene soll einer Gruppe von bis zu 20 Islamisten angehören, die auch mit dem Attentäter von Parramatta in Kontakt standen. Eine direkte Verbindung zwischen den beiden 15 Jahre alten Jungen gibt es laut Polizei allerdings nicht. Doch das außergewöhnlich niedrige Alter einer wachsenden Zahl von Personen, die in Australien unter Terrorverdacht stehen, erfüllt die Australier zunehmend mit Sorge. „Es ist sehr beunruhigend, dass wir in diesem Umfeld weiter mit Kindern im Teenageralter zu tun haben“, sagte Catherine Burn von der Polizei in New South Wales.

          Tatsächlich werden die Verdächtigen offenbar immer jünger. So berichtete ABC kürzlich, dass in Gerichtsakten auch der Name eines 12 Jahre alten Australiers genannt wird, der zu dem Kreis der Extremisten gehören und Verbindungen zu dem Attentäter von Parramatta gehabt haben soll. Wie der Jugendliche, der am Donnerstag festgenommen wurde, zum Extremisten wurde, ist der Polizei zufolge derzeit allerdings noch völlig unklar. Er soll wie einige andere Terrorverdächtige so weit radikalisiert worden sein, dass über mögliche Gewalttaten nicht mehr nur geredet wurde, sagte ein Polizeivertreter der ABC.

          Dem Sender zufolge geht der Junge auf eine Highschool im Westen von Sydney, einer Gegend, in der viele Einwanderer leben. Wegen ihm sollen die Schulbehörden schon einmal die Polizei kontaktiert haben, weil er offenbar auch einige seiner Mitschüler mit seiner Ideologie beeinflusste. Da der Junge minderjährig ist, darf sein Namen nicht veröffentlicht werden. Welche Rolle er bei dem offenbar vereitelten Anschlag gespielt hätte, ist nicht bekannt. Außer ihm wurde am Donnerstag auch ein 20 Jahre alter Mann festgenommen und angeklagt. Drei weitere Männer Anfang zwanzig, gegen die ebenfalls Anklage erhoben wurde, saßen schon seit längerem in Untersuchungshaft.

          Muslime beklagen islamfeindliche Stimmung

          Die Polizeivertreterin Catherine Burn sagte, es sei nicht nur ein Grund zur Sorge für die Sicherheitskräfte, sondern auch für die Allgemeinheit, dass ein nur 15 Jahre alter Junge einer Tat angeklagt sei, auf die eine Maximalstrafe von lebenslanger Haft stehe. Schon seit mehr als einem Jahr herrscht in Australien eine erhöhte Aufmerksamkeit der Sicherheitsbehörden gegenüber möglichen Terrorakten. Damals hatten Hunderte Polizeibeamte Razzien in Vororten von Sydney und Melbourne durchgeführt. Wie es hieß, sollte damit ein Plan vereitelt werden, einen wahllos ausgewählten nichtmuslimischen Passanten im Stil des IS auf offener Straße zu enthaupten.

          Den Ermittlern zufolge stand eine Attacke damals unmittelbar bevor. Der mittlerweile abgesetzte Premierminister Tony Abbott hatte von vermehrtem „Terror-Geschwätz“ gesprochen. Unter seiner Ägide wurden strenge Anti-Terror-Gesetze verabschiedet. Sie waren auch eine Reaktion auf eine Geiselnahme in einem Café in Sydney, bei der der islamistische Täter zwei Geiseln getötet hatte. Gleichzeitig beklagen Muslime in Australien heute eine zunehmend islamfeindliche Stimmung. In den vergangenen Tagen hatte auch Tony Abbott noch einmal mit einer Äußerung Aufsehen erregt. Der Westen solle bereit sein, „die klare Überlegenheit unserer Kultur über eine zu erklären, die das Töten von Menschen im Namen Gottes rechtfertigt“, schrieb er in einem Zeitungsartikel. Die Opposition kritisierte daraufhin die „aufrührerische Rhetorik“ des früheren Premierministers.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.