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Flüchtlingspolitik Australien : Abschreckung auf hoher See

„Die Einrichtungen sind nicht adäquat und unhygienisch“

Nicole Judge, eine Mitarbeiterin der Heilsarmee, die eine Zeitlang auf Manus gearbeitet hatte, berichtete davon, dass die Wächter die Lagerinsassen geschlagen hätten. Ärztliche Versorgung und Nahrungsmittel würden den Flüchtlingen regelmäßig verweigert und reichten nicht aus. Die Asylsuchenden verfügten über kaum Kleidung und Hygieneartikel. „Die Einrichtungen sind nicht adäquat und unhygienisch“, berichtete die Augenzeugin.

In dem überfüllten Lager sei es zudem oft unerträglich heiß. Es komme zu Überschwemmungen, berichtete Judge. In den Lebensmitteln fänden sich Würmer, und im gesamten Camp mangele es an Trinkwasser. Viele Flüchtlinge hätten psychische Probleme, es komme immer wieder zu Selbstverletzungen und Suizidversuchen. Zudem gebe es eine fortwährende Bedrohung durch Angehörige der örtlichen Bevölkerung, von denen einige versucht hätten, mit Macheten bewaffnet das Lager zu stürmen.

Was Judge berichtete, deckt sich mit den Erfahrungen anderer Augenzeugen. Immer wieder werden Fälle sexueller Belästigung bekannt. Derzeit untersuchen die australischen Behörden 44 Fälle von sexuellem Missbrauch allein zwischen Januar 2013 und Juli 2014. Die Ermittlungen wurden aufgenommen, nachdem die australische Menschenrechtskommission in einem Bericht die seelischen und körperlichen Schäden geschildert hatte, mit denen die auf der Insel Nauru internierten Kinder leben müssten. Ein Drittel der Kinder benötigt demnach psychiatrische Behandlung.

Eine psychische Belastung ist auch die Ungewissheit darüber, wie lange die Flüchtlinge noch in den Lagern bleiben müssen und wohin sie anschließend geschickt werden. Die Botschaft der australischen Regierung ist eindeutig: Niemals werden sich die Flüchtlinge in Australien niederlassen. Das gilt nach dem Willen Canberras auch für jene, die sich in einem ordentlichen Verfahren als Flüchtlinge anerkennen lassen und damit laut internationaler Abkommen eigentlich Anspruch auf Asyl hätten.

Die Regierung in Canberra sucht deshalb nach Ländern, die bereit sind, die Flüchtlinge aufzunehmen - gegen Bezahlung. Papua-Neuguinea hat sich bereit erklärt, einen Teil der auf Manus internierten Flüchtlinge aufzunehmen. Allerdings sträuben sich viele der Einwohner Papua-Neuguineas dagegen, weil das Land arm ist und es wenig Arbeit gibt. Außerdem fürchten die Bewohner um ihre Sicherheit.

Australien begeht „Verbrechen gegen Menschlichkeit“

In den vergangenen Wochen haben nun ein paar der Internierten vorläufige Visa für Papua-Neuguinea bekommen und sind in eine unbewachte Flüchtlingssiedlung auf Manus umgezogen. Zudem sollen einige der 800 in dem Lager auf Nauru untergebrachten Männer, Frauen und Kinder in Kambodscha angesiedelt werden.

Die australische Regierung hat dazu kürzlich ein Abkommen mit Phnom Penh geschlossen und zahlt dem Regime für die Aufnahme der Flüchtlinge 40 Millionen Dollar. Die Umsiedlung, die auf „freiwilliger Basis“ geschehen soll, ist wegen der in Kambodscha herrschenden Armut, der grassierenden Korruption und der fehlenden Achtung der Menschenrechte allerdings besonders umstritten. Bisher soll keiner der internierten Migranten Interesse an einer Ausreise nach Kambodscha bekundet haben.

Vielen der Menschen, die seit Monaten auf Manus eingesperrt leben, bleibt deshalb vorerst nur das Lager oder die Rückkehr in ihre Heimatländer, in denen ihnen zum Teil Verfolgung und Gefahr drohen. Der Menschenrechtsanwalt Julian Burnside bezeichnet Australiens Behandlung von Asylsuchenden deshalb als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. Fachleute weisen darauf hin, dass zwar keine Flüchtlingsboote mehr in Australien ankämen, aber trotzdem noch viele Flüchtlinge versuchen, dorthin zu gelangen. Noch immer ertrinken in dieser Weltregion Migranten im Meer. Aber nun eben nicht mehr direkt vor Australiens Küste.

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