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Rüstungsindustrie : Australien wird zweitgrößter Waffenimporteur der Welt

Scott Morrison ist seit August 2018 Premierminister Australiens. Bild: AFP

Milliardenschwere Großaufträge haben das Land fast an die Spitze der Rüstungsimporteure geführt. Die Aufrüstung ist eine Reaktion auf Chinas Aufstieg. Auch deutsche Unternehmen profitieren.

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          Der Fünfte Kontinent liegt weit weg von den Krisenherden der Welt. Dennoch ist Australien im vergangenen Jahr einem Bericht zufolge zum zweitgrößten Importeur von Rüstungsgütern aufgestiegen. Wie der australische Nachrichtensender ABC am Montag berichtete, findet sich „Down Under“ in der Tabelle der größten Waffenkäufer mittlerweile direkt hinter dem erstplatzierten Saudi Arabien wieder. Noch vor einem Jahr hatte Australien auf der gleichen Liste den vierten Platz belegt. Doch seitdem seien auch Großbestellungen von amerikanischen Kampfflugzeugen und  französischen U-Booten dazugekommen. In der Tabelle liegt Australien damit nun vor Ländern wie China und Indien, die seit einigen Jahren mit Nachdruck ihr Militär modernisieren.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          In Canberra wurden einige Zahlen, die auf den Daten des Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) beruhen, mit Verwunderung aufgenommen. Die Zweifel bestanden aber an den Angaben des Instituts zu den australischen Waffenexporten. Diese fallen aus australischer Sicht enttäuschend aus. Im vorigen Jahr hatte die Regierung das Ziel ausgegeben, Australien binnen einer Dekade in die Riege der zehn größten Waffenexportnationen der Welt zu führen. Damit sollen auch Arbeitsplätze geschaffen werden. Stattdessen hat das Land in diesem Bereich sogar an Bedeutung verloren. Dem Bericht zufolge rangiert Australien nur auf Platz 25. Die Ministerin für Verteidigungsindustrie, Melissa Price, kritisierte die Methodik des Instituts. Einige Nischenexporte, die für Australien besonders wichtig seien, seien gar nicht berücksichtigt worden.

          Die australischen Rüstungsimporte sind nicht zuletzt der veränderten geopolitischen Lage in der Region Asien-Pazifik geschuldet: Chinas wachsende militärische Stärke, die Territorialstreitigkeiten in Asien und die zunehmende Einflussnahme auf die südpazifischen Inselstaaten, die Australien zu seiner natürlichen Einflusszone zählt. Als enger Verbündeter unterstützt Australien außerdem weltweit amerikanische Militärinventionen. Als eines der ersten Länder hatte es zuletzt seine Beteiligung an dem Einsatz der amerikanischen Marine in der Straße von Hormuz angekündigt. Im strategischen Wettbewerb in Asien findet sich Australien zwischen seinem engsten Verbündeten Amerika und China wieder, seinem wichtigsten Handelspartner.

          Auch deutsche Rüstungsunternehmen profitieren

          Die Beziehungen Canberras zu Peking haben gelitten, seitdem sich Australien verstärkt gegen  Versuche politischer Einflussnahme Chinas auf seinem Territorium wehrt. Bei seinem jüngsten sechstägigen Amerika-Besuch hat Premier Scott Morrison die enge Bindung an Amerika gestärkt. Er rief dazu auf, China aufgrund seiner wachsenden Wirtschaftsmacht nicht mehr als Entwicklungsland zu bezeichnen. Am Rande der UN-Generalversammlung in New York hatten sich in der vergangenen Wochen auch erstmals die Außenminister der sogenannten Quad getroffen. Der Begriff bezeichnet ein loses Sicherheitsbündnis Amerikas, Australiens, Indiens und Japans. Es wurde im Zuge der Indo-Pazifik-Strategie wiederbelebt, mit der die Trump-Regierung auf die Herausforderung Chinas reagiert.

          Von den australischen Rüstungsimporten profitieren auch deutsche Unternehmen. So hatte der Düsseldorfer Industriekonzern Rheinmetall im vergangenen Jahr Aufträge im Gesamtwert von 3,2  Milliarden Euro zur Lieferung von Militär-Lastwagen und Radpanzern bekommen. Die Lürssen-Werft in Bremen wurde 2017 mit dem Bau von Patrouillenbooten beauftragt. Darüber hinaus hatte Canberra einen Auftrag für den Bau von U-Booten an einen französischen Konzern vergeben. In dem Wettstreit um dem Großauftrag hatte Thyssen-Krupp den Kürzeren gezogen. 

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