https://www.faz.net/-gpf-9ieot

Australische Flüchtlingslager : Wo jede Hoffnung verloren geht

Wie in der Gefängniszelle: Australien steht wegen der Zustände im Flüchtlingslager auf Manus in der Kritik. Bild: Reuters

Seit 2012 bringt die Regierung in Canberra Bootsflüchtlinge, die an Australiens Küsten gelandet sind, im Inselstaat Nauru und auf der Insel Manus unter. Die Lage ist prekär – denn die Zahl psychischer Krankheiten steigt.

          7 Min.

          Das Granville Motel in Port Moresby ist alles andere als eine Luxusherberge. Das Hotel liegt an einer vielbefahrenen Straße zwischen dem Zentrum und dem Flughafen der Hauptstadt Papua-Neuguineas. Die Einfahrt auf das Gelände ist mit einem Metallgitter versperrt. Zwei Männer in blauen Uniformen öffnen das Tor. Direkt dahinter hängt an einem Wächterhäuschen eine Warnung: Wer auf dem Gelände des Motels Betelnuss kaut, muss eine Strafe von umgerechnet 13 Euro bezahlen. Die Rezeption des Hotels ist ein kleiner Schalter, der mit einem Maschendrahtgitter geschützt wird. Dahinter liegen mehrere Flachbauten, in denen die Zimmer untergebracht sind. Die Fenster dort sind ebenfalls mit Drahtgittern geschützt. Auf den Fluren des Hotels reiht sich Tür an Tür. Alles wirkt mehr wie ein Gefängnis als ein Hotel.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Dazu passen auch die Wachmänner, die an mehreren Stellen im Hotel auf Plastikstühlen sitzen. Sie tragen beigefarbene Uniformen. Aufnäher zeigen den Namen ihres Unternehmens: „Paladin Security“. Es ist eine Firma, die im Auftrag des australischen Staats arbeitet. Sie soll die Flüchtlinge bewachen, die Australien vor mehr als fünf Jahren in den Norden von Papua-Neuguinea gebracht hat. Im Jahr 2012 hatte die australische Regierung begonnen, Bootsflüchtlinge in Lager in dem Inselstaat Nauru und auf der zu Papua-Neuguinea gehörenden Insel Manus zu stecken. Auf Nauru kamen überwiegend Familien unter, auf Manus alleinreisende Männer. Die Maßnahme war Teil von Canberras Abschreckungspolitik gegenüber Bootsflüchtlingen, die damals an den Küsten Australiens gelandet waren. Sie besagt, dass niemand, der auf dem Seeweg nach Australien kam, dort jemals Asyl bekommen darf.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          F.A.Z. PLUS:

            Sonntagszeitung plus

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Corona-Teststation auf der Insel Ibiza

          Neues Corona-Medikament : Die Herbstzeitlose gibt Hoffnung

          In einer großen Covid-19-Studie soll der Pflanzenwirkstoff Colchicin überzeugt haben. Mit ihm wäre ein leicht verfügbares und preiswertes Mittel im Kampf gegen die schweren Krankheitsverläufe gefunden.
          Blutdruckpatienten müssen in diesen Zeiten besonders aufpassen.

          Wirkstoffe im Test : Welche Blutdrucksenker bei Covid-19 helfen

          Einige häufig verschriebene Blutdruck-Arzneien können offenbar das Risiko, nach einer Corona-Infektion schwer zu erkranken, merklich senken. Ärzte an der Charité haben mehrere Wirkstoffe getestet.

          Hass-Kommentare im Netz : Wenn Rentner zum Mord aufrufen

          Sie verbreiten online Hass und Hetze: Staatsanwälte versuchen möglichst viele von denen zur Rechenschaft zu ziehen, die im Netz die Tötung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke gelobt haben.