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Kriegsverbrechen : Brutale Wahrheiten

  • -Aktualisiert am

Australiens oberster General, Angus Campbell Bild: EPA

Es ist gut, dass die australische Regierung von sich aus die mutmaßlich von ihren Soldaten begangenen Verbrechen in Afghanistan untersucht. Aber was sagt das über die politische Kontrolle der Armee?

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          Es kommt nicht alle Tage vor, dass Regierungen Verbrechen der eigenen Armee publik machen, gegen die Verantwortlichen ermitteln und für die Missetaten öffentlich um Entschuldigung bitten. In dieser Hinsicht ist das Verhalten der australischen Regierung vorbildlich, wenngleich leider nicht zu erwarten ist, dass viele andere Regierungen dem guten Beispiel folgen werden.

          Die Taten, die australische Soldaten in Afghanistan verübt haben sollen, sind allerdings auch von erschreckender Grausamkeit. Zwar sind zu allen Zeiten in fast allen Kriegen Dinge passiert, die sich so mancher Täter im Nachhinein vielleicht selbst nicht mehr erklären kann. Aber die allgemeine Verrohung, die um sich zu greifen droht, wenn ein Krieg nur lange genug dauert, darf natürlich nicht einmal ansatzweise als Rechtfertigung herangezogen werden.

          Wenn manche Taten dann noch, wie es im Falle der Australier offenbar der Fall war, eine Art Aufnahmeritual für neue Mitglieder der Truppe waren, müssen kritische Fragen an die militärische und politische Führung der Streitkräfte gestellt werden. Mehr noch: hier liegt unter Umständen sogar ein Fall für Den Haag vor.

          Armeen dürfen, schon gar nicht in Demokratien, kein Eigenleben führen. Vielmehr müssen sich ihre Mitglieder als Glieder der Gesellschaft verstehen und von dieser auch kontrolliert werden. Nur gut, dass die australische Demokratie offenbar stark genug ist, die brutalen Wahrheiten aus Afghanistan ans Licht zu bringen.

          Peter Sturm

          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

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