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Außenpolitiker Norbert Röttgen : Aus dem Wahlkreis Rhein-Sieg II nach Oxford

Auf dem Weg ins Adenauer-Haus: Norbert Röttgen am 19. Februar 2020 in Berlin Bild: dpa

Im Rennen um den CDU-Vorsitz läuft Norbert Röttgen bislang hinterher. Doch in Großbritannien wird er als außenpolitischer Denker geschätzt, wie ein Auftritt in Oxford zeigt.

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          Das St Antony’s College zählt zu den feinsten Adressen der Internationalen Politik, weshalb Norbert Röttgen nicht zögerte, die Einladung nach Oxford anzunehmen. Wer hier sprechen darf, zumal im Rahmen der „Dahrendorf Lecture“, schwebt zwei Fußbreit über dem Boden. Für Röttgen, den Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, der im Rennen um den CDU-Vorsitz hinterherhinkt, ist das ein seltenes Vergnügen. Timothy Garton Ash, der Hausherr, näherte sich der Lage seines Gastes mit sanfter Ironie, als er ihn den „möglichen nächsten Anführer der freien Welt“ nannte.

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          In der ersten Reihe saßen Manuel Barroso, einstmals EU-Kommissionspräsident, und Lady Dahrendorf, die mit dem verstorbenen Leiter des St Antony’s College verheiratet gewesen war. Alles war an diesem Abend ein bisschen ehrwürdiger als sonst, auch Röttgens Diskussionspartner Gideon Rachman, den Garten Ash zu dem (neben Thomas Friedman) „wichtigsten Kommentator der englischsprachigen Welt“ erklärte. Eigentlich war der Journalist nur für Röttgen eingesprungen, nachdem der wiederum die Hauptrednerin ersetzen musste: die frühere amerikanische Sicherheitsberaterin Condoleeza Rice, die kurzfristig abgesagt hatte.

          Röttgen übt sich in Understatement

          Röttgen übte sich in englischem Understatement, als er betonte, wie enttäuscht er sei, nun statt Frau Rice sich selbst zuhören zu müssen. In seinem einstündigen, weitgehend frei gehaltenen Vortrag zum Thema „Deutschland, Europa und der Westen“ führte er dann vor, dass er zu den wenigen Berliner Politikern gehört, die über geopolitische Fragen nachdenken und auch sprechen können.

          Erst vor elf Jahren hatte der im Rheinland verwurzelte Rechts- und Innenpolitiker erste Gehversuche auf der Weltbühne gemacht. Sein Amt als Umweltminister führte ihn auf weit entfernte Konferenzen, wo er vor allem staunte und lernte. In seiner Rolle als Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses – ein Gnadenbrot nach seinem Rausschmiss aus dem Kabinett Merkel – holte er dann auf und machte sich bald einen Namen als kompetenter Außenpolitiker.

          Besonderes Interesse für Großbritannien

          Dem Vereinigten Königreich gehört sein besonderes Interesse, nicht nur weil er zwei seiner drei Kinder auf englische Internate geschickt hat. Röttgen zählt zu den Vermittlern im Brexit-Prozess und ist präsent in britischen Medien. Unlängst wählte ihn der in London ansässige „Club of Three“ zu seinem Präsidenten, ein britisch-deutsch-französisches Gesprächsforum, das von dem Verleger George Weidenfeld gegründet worden war. Damit ist Röttgen noch nicht auf dem Weg, nach Dahrendorf und Weidenfeld der nächste deutsche „Lord“ zu werden, aber zur Zeit ist hier kein deutscher Außenpolitiker so respektiert wie der Abgeordnete aus dem Rhein-Sieg-Kreis II.

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