https://www.faz.net/-gpf-a4rhf

Proteste gegen Ausgangssperre : Zwei Haftstrafen nach Ausschreitungen in Neapel

  • Aktualisiert am

Rohe Gewalt: Demonstranten setzten Feuerwerkskörper und Rauchbomben ein. Bild: dpa

Nach heftigen Protesten in Neapel gegen die Ausgangssperre sind in der Nacht zum Samstag zwei Demonstranten festgenommen worden. Weil sie sich wehrten, wurden sie jetzt per Schnellverfahren zu einer Haftstrafe verurteilt.

          2 Min.

          In der süditalienischen Metropole Neapel haben in der Nacht zum Samstag Hunderte Menschen gegen eine Ausgangssperre und einen geplanten Lockdown für die Region Kampanien in der Corona-Pandemie protestiert. Dabei kam es zu Zusammenstößen mit Sicherheitskräften, wie eine Sprecherin der Polizei am Samstag sagte.

          Zwei Demonstranten seien festgenommen und des Widerstandes gegen ihre Festnahme angeklagt worden. Zwei Polizisten wurden ihren Angaben zufolge leicht verletzt. Die beiden Festgenommenen wurden in einem Schnellverfahren für schuldig befunden und zu Haftstrafen von 20 Monaten und 14 Monaten verurteilt, die sie aber nicht im Gefängnis verbüßen müssen.

          Mit Feuerwerkskörpern und Rauchbomben

          Hunderte Demonstranten waren unter anderem vor den Sitz der Regionalregierung gezogen, warfen dort Feuerwerkskörper, zündeten Rauchbomben und steckten Müllcontainer in Brand, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Die Polizei setzte demnach unter anderem Tränengas gegen die Protestierenden ein.

          Der stellvertretende Innenminister Matteo Mauri verurteilte in einer Erklärung die „Stadtguerilla“ und die Angriffe auf die Polizei. „Es ist absolut klar, dass es sich nicht um einen spontanen Protest handelte, sondern um vorsätzliche Aktionen, die fast ausschließlich von Randgruppen, kriminellen Gruppen und politischen Extremisten organisiert wurden“, sagte Mauri. „Was gestern Abend in Neapel geschah, ist äußerst ernst“, fügte er hinzu.

          Mafia soll Proteste angeheizt haben

          Die Nachrichtenwebsite Fanpage beschuldigte Mitglieder der örtlichen Camorra-Mafia und Hardcore-Hooligans aus Neapel, die Proteste, die auch von der neofaschistischen Partei Forza Nuova unterstützt wurden, angefacht zu haben. „Möge Neapel die erste Stadt sein, die sich gegen die Gesundheitsdiktatur erhebt“, sagte Forza-Nuova-Chef Roberto Fiore.

          Kampanien, die Region, zu der auch Neapel gehört, erlebt einen starken Anstieg von Coronavirus-Infektionen. Am Freitag wurden 2280 neue Fälle verzeichnet – ein Anstieg von fast 50 Prozent gegenüber dem Vortag. Zunächst wurde über Nacht eine Ausgangssperre von 23.00 bis 5.00 Uhr verhängt. Doch Regionalpräsident Vincenzo De Luca kündigte am Freitag Pläne an, mit einer regionalen Sperre, die „einen Monat, 40 Tage“ dauern soll, noch weiter zu gehen.

          Da die Infektionen in ganz Italien und nicht nur in Kampanien zunehmen, steht die Regierung von Premierminister Giuseppe Conte unter wachsendem Druck, strengere Maßnahmen zur Eindämmung des Virus zu ergreifen. Die offizielle Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in ganz Italien lag am Samstag bei dem Rekordwert von 19.644. Damit stieg die Gesamtzahl der Infektionen seit Beginn der Pandemie auf 504.509. Die Zahl der Todesfälle in Verbindung mit einer Covid-19-Erkrankung erhöhte sich auf 37.210.

          Die Online-Flatrate: F+
          FAZ.NET komplett

          Zugang zu allen exklusiven F+Artikeln. Bleiben Sie umfassend informiert, für nur 2,95 € pro Woche.

          Jetzt 30 Tage kostenfrei testen

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Krawall ohne Ende: Im Hamburger Schanzenvierteil während des G-20-Gipfels im Juli 2017

          Prozess zu G-20-Krawallen : Schuldig durch Mitmarschieren?

          Die Folgen der G-20-Krawalle bewegen Hamburg auch nach drei Jahren noch. Ein neuer Prozess wirft jetzt die Frage auf: Ab wann machen sich Demonstranten des Landfriedensbruchs schuldig?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.