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Ausschreitungen in Ferguson : Zwei FBI-Agenten angeschossen

  • Aktualisiert am

In Ferguson kam es in in der Nacht zum Mittwoch abermals zu Auseinandersetzungen mit der Polizei Bild: AP

Nahe der amerikanischen Kleinstadt Ferguson sind zwei FBI-Agenten angeschossen worden. Es gibt aber nach Angaben der Bundespolizei keinen direkten Zusammenhang mit den Ausschreitungen wegen der Entscheidung im Fall Brown.

          Unweit der von Unruhen erschütterten amerikanischen Kleinstadt Ferguson sind zwei FBI-Agenten angeschossen worden. Zwischen dem Vorfall und den Ausschreitungen gebe es aber keinen direkten Zusammenhang, erklärte eine Sprecherin der Bundespolizei am Mittwoch. Demnach halfen die beiden Agenten der örtlichen Polizei bei einer Verhaftung. Ein Bundespolizist sei an der Schulter und der andere am Bein getroffen worden. Lebensgefahr bestehe nicht, erklärte das FBI. Der Lokalsender KSDK berichtete über den Einsatz der Polizei.

          Ferguson war die zweite Nacht in Folge Schauplatz von Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt, nachdem eine Geschworenen-Jury entschieden hatte, einen weißen Polizisten nicht anzuklagen, der den schwarzen 18 Jahren alten Michael Brown erschossen hatte. Etwa 2200 Nationalgardisten sind vor Ort, um eine weitere Eskalation zu verhindern. Auch etwa 100 FBI-Beamte sind im Einsatz. Die Proteste haben inzwischen auf viele andere andere Landesteile übergegriffen.

          Fahrzeuge der Nationalgarde fahren in der Nacht durch Ferguson. Bilderstrecke

          In gut 170 Städten von New York über Los Angeles bis San Francisco gingen in der Nacht zum Mittwoch Menschen auf die Straße. Sie demonstrierten gegen die als rassistisch bewertete Entscheidung von Geschworenen in Ferguson bei St. Louis, kein Gerichtsverfahren gegen einen weißen Polizisten zu eröffnen, der den unbewaffneten schwarzen Teenager Michael Brown in vermeintlicher Notwehr erschossen hatte. Der Sender CNN berichtete, in vielen Städten hätten die Demonstranten den Verkehr lahmgelegt. Zu so schweren Krawallen wie der Nacht zuvor in Ferguson kam es jedoch nicht.

          Der Polizist Darren Wilson hatte Brown Anfang August mit mehreren Schüssen niedergestreckt, weil er sich bedroht fühlte. Die Entscheidung der Jury bedeutet nicht, dass der Fall nicht juristisch aufgearbeitet wird. Justizminister Eric Holder machte klar, dass auf Bundesebene wegen des Todes des 18-jährigen Brown sowie wegen des Verhaltens der Polizei bei den folgenden Unruhen ermittelt werde.

          Obama: „Misstrauen ein Erbe der Rassendiskriminierung“

          Der amerikanische Präsident Barack Obama nannte es tragisch, dass „in zu vielen Teilen dieses Landes ein tiefes Misstrauen“ zwischen den Sicherheitskräften und der farbigen Bevölkerung bestehe. Das sei auch ein Erbe der Rassendiskriminierung. „Dieses Problem ist kein Ferguson-Problem, das ist ein amerikanisches Problem“, sagte Obama später. Zu den Ausschreitungen machte er klar: „Ich habe keinerlei Sympathie für diejenigen, die ihre eigene Gemeinde zerstören.“

          In New York marschierten Hunderte Demonstranten vom Manhattans Union Square zum Times Square und nach Harlem. Ein Teilnehmer sagte CNN, er wolle nur helfen, Veränderungen anzumahnen. Er habe sich spontan dem Protestzug angeschlossen. „Manchmal werde ich aufgrund meiner Hautfarbe diskriminiert.“ In Atlanta, dem Geburtsort des Bürgerrechtlers Martin Luther King, blockierten Demonstranten eine Schnellstraße.

          Demonstranten in Oakland in Kalifornien warfen Scheiben ein und plünderten Geschäfte, während in Los Angeles eine Schnellstraße blockiert wurde. Auch aus Großstädten wie Boston, Denver, Seattle, Washington und Dallas wurden Proteste gemeldet. In Ferguson selbst kam es in der Nacht zu kleineren Zwischenfällen. Ein Polizeiwagen wurde angezündet und Demonstranten blockierten Straßenkreuzungen. Beamte hatten die Straßenzüge, wo es in der Vornacht zu Plünderungen gekommen war, abgeriegelt. Vor der Polizeizentrale skandierte eine Menschenmenge. „Wir sind nicht der Feind, wir wollen nur Gerechtigkeit.“

          Nach Angaben eines dpa-Reporters wurden dort mindestens zwei Menschen festgenommen. Der Todesschütze Wilson erklärte am Dienstag, er bedauere den Tod Browns, würde aber erneut so handeln. Er habe um sein Leben gefürchtet und nur seine Arbeit getan, sagte er dem TV-Sender ABC. Er habe ein reines Gewissen. An diesem Donnerstag feiern die Vereinigten Staaten „Thanksgiving“ (Erntedankfest), auch der Freitag ist für viele arbeitsfrei. Ob die Proteste über die freien Tage weitergehen, war nicht absehbar

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