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Nordkorea : Der Exodus der Diplomaten

Rätselhaftes Nordkorea: Das höchste unfertige Gebäude der Welt steht in Pjöngjang Bild: dpa

Hilfsorganisationen und Diplomaten verlassen Nordkorea – wegen der Corona-Pandemie und der Verhinderung ihrer Arbeit. Dadurch verliert der Westen wichtige Einblicke in das kommunistische Land.

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          Falls die deutsche Botschaft in Pjöngjang im nächsten Jahr wieder geöffnet werden sollte, wird sie allerhand Fachleute brauchen, die die Räumlichkeiten nach Wanzen und anderer Überwachungstechnik absuchen. Denn das Gelände ist seit einigen Tagen verwaist. Die deutschen Diplomaten hatten Nordkorea schon im Februar verlassen. Briten und Schweden, die sich die Liegenschaft mit der deutschen Vertretung teilten, hielten die Stellung. Doch nun sind auch sie gegangen, so wie alle europäischen Diplomaten. Der letzte, ein Tscheche, reiste Ende vergangener Woche aus Pjöngjang aus. Man kann davon ausgehen, dass in den Botschaften vorher noch alle Dokumente und Kommunikationsgeräte zerstört wurden, die die Diplomaten nicht mitnehmen konnten.

          Friederike Böge
          Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.

          Oberflächlich betrachtet, ist der Exodus mit den strikten Seuchenschutzmaßnahmen zu erklären, welche die Arbeit der Diplomaten so gut wie unmöglich gemacht haben. Doch dahinter steht womöglich mehr: Die Führung in Pjöngjang hat auffällig wenig unternommen, um die Ausreisewelle zu stoppen. In der gegenwärtigen Lage betrachtet sie die Präsenz der Ausländer offenbar als politisch nicht hilfreich.

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