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Gefahr durch Mutanten : Ausreise aus Tirol von Freitag an nur mit negativem Corona-Test

Passanten Anfang Februar in der Innsbrucker Maria-Theresien-Straße: Die österreichische Regierung hat schärfere Maßnahmen beschlossen, um die Ausbreitung von Corona-Mutanten in Tirol einzudämmen. Bild: dpa

Die österreichische Regierung greift in Tirol durch. Sie will verhindern, dass sich die südafrikanische Mutante weiter verbreitet, im Bundesland selbst und außerhalb. Im benachbarten Bayern wird über eine Grenzschließung diskutiert.

  • Aktualisiert am
          1 Min.

          Österreich verhängt im Kampf gegen eine Ausbreitung der Corona-Mutanten nun doch schärfere Maßnahmen in Tirol. Aus dem Bundesland sei – von Osttirol abgesehen – vom kommenden Freitag an für zehn Tage eine Ausreise nur noch mit negativem Corona-Test möglich, sagte Kanzler Sebastian Kurz am Dienstag in Wien. Der Ausbruch der südafrikanischen Variante sei derzeit der größte bekannte derartige Fall in der EU. Wenn sich so eine Mutation schnell und stark ausbreite, werde das wieder viele Menschenleben kosten, so Kurz. „Und der Weg zur Normalität wird sich noch einmal um Monate verzögern.“

          Das Bundesland hatte sich in den vergangenen Tagen teils vehement gegen eine Sonderbehandlung in Österreich gewehrt. Am Montag sprach die Bundesregierung in Wien eine Reisewarnung für das bei Deutschen beliebte Bundesland aus. Diese hat jedoch nur einen Appell-Charakter.

          Machtprobe zwischen Bund und Land

          Die südafrikanische Mutante, die als ansteckender gilt, ist nach Angaben des Wiener Gesundheitsministeriums in Tirol bisher in rund 300 Fällen nachgewiesen worden. Die Zahl der aktiven Fälle betrage 129. Das Land ging bisher von geringeren Zahlen aus.

          Das Vorgehen in Tirol hat sich in den vergangenen Tagen zu einer Machtprobe zwischen dem Bund und dem Land entwickelt. In dem Bundesland hatte sich eine Allianz aus Politik und Wirtschaft gegen zusätzliche Schritte ausgesprochen. Vielmehr sei das vom Land aufgelegte Maßnahmen-Paket ausreichend, argumentierte Landeschef Günther Platter (ÖVP). Dazu gehören der Aufruf zu Massentests, ein noch stärkerer Schutz von Alten- und Pflegeheimen und eine Coronatest-Pflicht für Skifahrer, die Seilbahnen benutzen wollen.

          Zum Wochenauftakt waren in Österreich nach sechs Wochen Lockdown alle Geschäfte und Friseure, die Schulen und Museen wieder geöffnet worden. Die Zahl der täglichen Neuinfektionen lag zuletzt bei etwa 1200 bei rund neun Millionen Einwohnern. Die Sieben-Tage-Inzidenz beträgt in Österreich aktuell 104.

          Die bisherigen Maßnahmen waren in Deutschland und vor allem im benachbarten Bayern mit Sorge verfolgt worden. Grenzschließungen seien als letzte Möglichkeit nicht auszuschließen, kündigte Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek am Montag an.

          „Wir werden nicht zulassen, dass sich diese Welle über die Grenze zu uns nach Deutschland breit macht“, sagte CSU-Generalsekretär Markus Blume am Dienstag in der Sendung „Frühstart“ von RTL und n-tv. „Deswegen ist es gut und wichtig, dass auch die Grenzkontrollen jetzt wieder intensiviert werden.“ Darüber hinaus müsse aber „auch Grenzschließung eine Möglichkeit sein“, wenn auch nur als „Ultima Ratio“.

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