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Auslandseinsatz : Deutsche Tornados für das „Endspiel“ in Afghanistan?

Der Tornado soll gegnerische Stellung aufnehmen und die Koordinaten weitergeben Bild: AP

Die Bundeswehr soll aus der Luft helfen, ein strategisches Dilemma im Kampf gegen die Taliban zu lösen. Deren Taktik ist es, die ausländischen Truppen von der Bevölkerung zu isolieren.

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          Am Donnerstag hat der Verteidigungsminister den Tagesbefehl zum Jahresende ausgegeben. Franz Josef Jung (CDU) dankte den Soldaten (und ihren Angehörigen) für ihren Einsatz und stellte fest, es gehe „ein ereignisreiches Jahr seinem Ende entgegen“. Daß das kommende Jahr für die Bundeswehr weniger ereignisreich zu werden verspreche, steht allerdings nicht zu erwarten.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent für Österreich und angrenzende Länder mit Sitz in Wien.

          Schon hat die Anfrage der Nato nach deutschen Aufklärungsflugzeugen den Blick wieder nach Afghanistan gelenkt, wo der Einsatz der westlichen Verbündeten in eine entscheidende Phase tritt. Der deutsche Botschafter in Kabul sprach - schon vor einiger Zeit - im Auswärtigen Ausschuß des Bundestags gar von einem „Endspiel“, das bevorstehe.

          Aufgabenbereich wurde ausgedehnt

          Militärs und Politiker rechnen damit, daß die Kämpfe vor allem im Süden und Osten des Landes im kommenden Frühjahr noch intensiver werden könnten als jetzt ohnehin schon. Bislang lag vor allem das Geschehen im Norden des Landes im Blick der deutschen Öffentlichkeit - dort, wo die Bundeswehr inzwischen das Regionalhauptquartier und zwei Provinz-Wiederaufbauteams (PRT) betreibt.

          Das dürfte sich ändern. Der Aufgabenbereich der Nato-geführten Stabilisierungstruppe Isaf wurde im nun ablaufenden Jahr auf die Provinzen im Süden und Osten Afghanistans ausgedehnt. Dort kämpften bis dahin die Verbündeten unter amerikanischer Führung im Rahmen der Anti-Terrorismus-Mission „Enduring Freedom“.

          „Operation Medusa“

          Als die britischen, kanadischen und niederländischen Isaf-Soldaten in die amerikanischen Positionen einrückten, sahen sie sich mit starkem Widerstand, ja, mit regelrechten Angriffen konfrontiert. Schnell wurde klar, daß es sich nicht bloß um ein paar sandalentragende Kämpfer mit Kalaschnikow-Sturmgewehren handelt, sondern um ausgebildete, militärisch gegliederte Kräfte. Längst ist in den Mitteilungen nicht mehr von „Terroristen“ die Rede, sondern von „Aufständischen“ oder von „feindlichen militärischen Kräften“.

          Nach klassischen Regeln infanteristischen Kampfes graben sie sich zugweise ein, befestigen das Gelände, tarnen die Stellungen. Entsprechend massiv ist die militärische Antwort, einschließlich Luftschlägen und Artilleriefeuer. In der „Operation Medusa“ kam erstmals die Panzerhaubitze 2000 eines deutschen Rüstungsherstellers zum Gefechtseinsatz: Die niederländischen Streitkräfte hatten ihre Exemplare einfliegen lassen.

          „Die müssen denken: Das sieht gut aus

          Dabei tritt ein Dilemma immer deutlicher zutage: Einerseits erfordert die harte militärische Herausforderung eine entsprechende militärische Antwort. Andererseits ist es genau die Taktik der anderen Seite, die ausländischen Truppen von der Bevölkerung zu isolieren, zu entfremden, sie möglichst zum gemeinsamen Feind werden zu lassen. Viel spricht dafür, daß gerade deshalb die Nato-Soldaten nach der Ausdehnung des Isaf-Mandats mit so massiver Gewalt konfrontiert wurden.

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