https://www.faz.net/-gpf-9y293

Corona in Zimbabwe : Mit Seife gegen die Pandemie

Menschen stehen Schlange vor einem Supermarkt in Zimbabwes Hauptstadt Harare. Bild: AP

Viele Menschen in Zimbabwe haben kaum Reserven, um die Ausgangssperre zu überstehen. 5,5 Millionen Menschen sind auf Unterstützung angewiesen. Doch Hilfsorganisationen können wegen Corona derzeit nichts tun.

          3 Min.

          Am ersten Tag des totalen Lockdowns, den Zimbabwes Regierung dem Volk verordnet hat, herrschte gespenstische Ruhe im Land. Die Wirtschaftszeitung „Zimbabwe Independent“ hat es dokumentiert: Leere Märkte, wo sonst dichtes Gedränge herrscht, leere Straßen, über die nur dann und wann noch Militärlaster rumpeln – menschenleer auch die Busbahnhöfe.

          Thilo Thielke

          Freier Berichterstatter für Afrika mit Sitz in Kapstadt.

          Noch einen Tag zuvor, am Sonntag, hatten sich hier, von wo die Minibusse in die Provinz starten, große Menschentrauben gebildet. Jeder hatte versucht, einen begehrten Platz in den völlig überfüllten Wagen zu bekommen. Die große Flucht aufs Land hatte eingesetzt. Viele Menschen reagierten panisch.

          Seit Montag herrscht für drei Wochen Ausgangssperre. Menschen dürfen ihre Behausungen nur noch für die notwendigsten Besorgungen verlassen. Selbst an Beerdigungen dürfen nicht mehr als 50 Menschen teilnehmen. Einige der Maßnahmen würden drastisch sein, sie seien aber notwendig, weil sich sein Land „am Rande einer Katastrophe befindet“, hatte Staatspräsident Emmerson Mnangagwa am Freitag seine Landsleuten auf die harte Zeit eingeschworen. Widerspenstigen drohte er mit der Staatsmacht.

          Dabei hatte er sich wohl ein Vorbild an Cyril Ramaphosa genommen. Südafrikas Präsident war ein paar Tage zuvor, als der Lockdown in seinem Land begann, in Militäruniform durch die Gegend marschiert, hatte vom „Krieg gegen das Coronavirus“ gesprochen und Menschen mit Gummiknüppeln in ihre Hütten treiben lassen.

          Der zimbabwische Journalist Brezhnev Malaba war in den letzten Tagen vor der Ausgangssperre auf den Straßen der Hauptstadt Harare unterwegs gewesen. Er machte Fotos von Verzweifelten, „die fragten: Wo bekomme ich jetzt etwas zu essen? Wo bekomme ich jetzt Geld? Wo bekomme ich jetzt Wasser? Wo bekomme ich jetzt Strom und Gas?“ Statistisch lebt jeder dritte der rund 14 Millionen Zimbabwer in größeren Städten. Die Angst vor dem Sars-CoV-2-Virus, die mittlerweile das südliche Afrika erreicht hat, mischt sich nun mit der vor dem Hunger.

          Um die Menschen zu beruhigen, hat die Regierung bekanntgegeben, die Technische Universität Chinhoyi habe 12.000 Masken hergestellt und sei gerade dabei, 10.000 Stück Seife zu produzieren. Wie sich die Menschen ernähren sollen, wenn sie nicht mehr arbeiten und nicht einmal mehr ihre Häuser verlassen dürfen, hat sie nicht erklärt.

          Ein Mitarbeiter eines Ladens in Bulawayo misst die Temperatur von Käufern.

          Nun geht die Sorge um, dass die von der Regierung verordnete Stilllegung sämtlicher wirtschaftlichen Aktivitäten desaströse Folgen haben könnte, dass Maßnahmen, die in europäischen Industriestaaten vielleicht zu Massenarbeitslosigkeit und Konkursen führen, in armen afrikanischen Ländern eine Hungerkatastrophe auslösen könnten. 90 Prozent der Zimbabwer haben nach Schätzungen von Hilfsorganisationen keine feste Arbeit und schlagen sich bestenfalls mit Gelegenheitsjobs durch. Sie haben keine Reserven.

          „Wir sind extrem besorgt über die Lage in Zimbabwe“, sagt David Munkley, der im moçambiquanischen Beira stationiert ist und von dort für die Hilfsorganisation World Vision International die Nothilfe für das südliche Afrika koordiniert. „Afrikanische Staaten haben keine Sicherungssysteme wie europäische, hier droht sich die Lage dramatisch zu verschlimmern.“

          Weitere Themen

          Das andere gefährliche Virus

          F.A.Z.-Newsletter : Das andere gefährliche Virus

          Das Coronavirus droht, andere Bedrohungen in den Hintergrund zu drängen – wie etwa großflächige Waldbrände, HIV-Erkrankungen oder medizinische Versorgungsengpässe. Was sonst wichtig wird, steht im Newsletter für Deutschland.

          Topmeldungen

          Wirtschaftsminister Altmaier : „Ich bin nicht der Oberlehrer der Welt“

          Muss Deutschland einen Bogen um Länder wie China machen, die Freiheitsrechte verletzen? Nein, sagt Wirtschaftsminister Peter Altmaier. Im F.A.Z.-Interview kündigt er für Deutschland weitere Staatsbeteiligungen an – und ein mögliches Ende der Maskenpflicht.
          Aktivistischer Investor: An die Commerzbank schrieb Cerberus nach klassischer Aktivistenmanier Briefe.

          Cerberus Investitionen : Der umtriebige Finanzinvestor

          Cerberus zieht als entschlossener Aktivist nicht nur bei der Commerzbank die Fäden. Die Amerikaner stehen darüber hinaus für eine Reihe sehr unterschiedlicher Transaktionen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.