https://www.faz.net/-gpf-91n82

Militärhilfe für Somalia : Was will Ankara in Afrika?

  • -Aktualisiert am

Der Hafen als Einnahmequelle

Das Gesellenstück dieser türkischen Ambition ist das Somalia-Engagement. Der gescheiterte Staat am Horn von Afrika liegt geopolitisch bestens verortet an einem  Hauptknotenpunkt der globalen Seehandelswege. Ein weiterer Vorteil: Etablierte Afrikaakteure wie die Westmächte oder China machen bis dato einen Bogen um das völlig zerrüttete Somalia oder engagieren sich nur unzureichend. Für ihre Investitionen und Basen bevorzugen sie stabilere Partner in der Region wie Äthiopien und Djibouti. Diese Lücke will die Türkei, als Neuling im afrikanischen „Great Game“, für sich nutzen. Um eine starke Position in Somalia zu erlangen, engagiert sich Ankara dort seit sieben Jahren immer intensiver bei Wirtschaftsentwicklung und Staatsaufbau.

Akar schreitet eine Ehrengarde ab.

Der türkische Bau- und Logistikkonzern Albayrak managt den Hafen von Mogadischu, die wichtigste Finanzquelle der so genannten „Föderalen Regierung Somalias“. Deren Position ist nur in der Hauptstadt halbwegs gesichert; die Hafengebühren sind die einzigen beständigen Einnahmen neben den Hilfsgeldern ihrer Schirmherren aus der internationalen Staatengemeinschaft. Den Hauptstadt-Flughafen betreibt wiederum das türkische Unternehmen Favori. Ebenso leistet die Türkei Hilfestellung beim Aufbau einer Zentralbank Somalias. Der Fokus liegt auf Wirtschaftsentwicklung und Markteintritt, doch das türkische Somalia-Engagement ist umfassend. Hinzu kommen die jetzt angelaufene Militärmission sowie Hilfen im Bildungs- und Gesundheitswesen.

Keine Wunder erwarten

So stellte die staatliche Hilfsorganisation der Türkei, TIKA, die Gelder bereit, um das  im laufenden Bürgerkrieg verwaiste Digfer Krankenhaus in Mogadischu zu erneuern. Seit der Renovierung vor zwei Jahren heißt es „Erdogan Hospital“. Zur Eröffnung reiste der türkische Präsident an. Andere Staatenlenker machen einen weiten Bogen um den Pariastaat Somalia. Erdogan besuchte ihn bereits dreimal seit 2011, um die Ernsthaftigkeit des türkischen Somalia-Engagements zu demonstrieren. Andere Somalia-Akteure wie Deutschland und die Vereinigten Staaten dirigieren ihre Politik lieber von ihren diplomatischen Vertretungen in Kenia aus. Die Türkei dagegen eröffnete im vergangenen Jahr eine neue Botschaft in Mogadischu, im Herzen der Altstadt. Das strategische Interesse Ankaras an dem Land am Horn von Afrika zeigt auch der jüngste TIKA-Report von 2015. Dieser verzeichnet Somalia-Hilfen von rund 265 Millionen Euro. Das ist nach Syrien der größte Posten im türkischen Entwicklungshilfebudget.

Ob sich der massive Somalia-Einsatz für die Türkei auszahlt, ist jedoch noch völlig offen. So ist fraglich, wie nachhaltig die türkische Entwicklungshilfe ist. Mehrere Studien zu dem Thema kritisieren, dass TIKA sowie die zahlreichen in Somalia aktiven türkischen Nichtregierungsorganisationen kaum mit Partnern vor Ort zusammenarbeiten. Durch den Bruch der türkischen Regierung mit der Gülen-Bewegung fallen Ressourcen weg. So erhielt die, inzwischen als Gülen nahe Organisation verfemte, NGO „Nile“ noch 2011 einen Vertrag über 49 Jaher von der Regierung Somalias, um das Bildungssystem landesweit aufzubauen.

Ebenso sind von der jetzt angelaufenen Militärmission der Türkei keine Wunder zu erwarten. Denn zur Ausbildung bräuchte Somalias Armee dringend neue Waffen, um erfolgreich ins Feld zu ziehen. Diese aber fehlen. Denn noch gilt ein Waffenembargo der Vereinten Nationen für das Land. Auch die Versuche Ankaras, sich als diplomatischer Mediator in der Region aufzuwerten, sind von mäßigem Erfolg gekrönt. Ein 2013 gestarteter Versuch versandete, den Konflikt zwischen der Zentralregierung in Mogadischu und der de facto unabhängigen Region Somaliland im Norden zu befrieden. Stattdessen verstärkt in Somaliland ein alter Konkurrent der Türkei sein Engagement. Die Vereinigten Arabischen Emirate bauen im dortigen Hafen Berbera eine Militärbasis. Der Auftrag: Die Truppen des abtrünnigen Somalilands zu trainieren.

Weitere Themen

Kollektives Trauern

Tod von George Floyd : Kollektives Trauern

Neun Schweigeminuten und bewegende Reden: In Minneapolis haben Politiker und Angehörige um Gorge Floyd getrauert. Den Bürgerrechtler Al Sharpton stimmt es hoffnungsvoll, dass auch in Deutschland viele junge Menschen gegen Rassismus auf die Straße gehen.

Topmeldungen

Aufgebahrt in einem goldenen Sarg: George Floyd.

Tod von George Floyd : Kollektives Trauern

Neun Schweigeminuten und bewegende Reden: In Minneapolis haben Politiker und Angehörige um Gorge Floyd getrauert. Den Bürgerrechtler Al Sharpton stimmt es hoffnungsvoll, dass auch in Deutschland viele junge Menschen gegen Rassismus auf die Straße gehen.
Der einstige Wohnsitz des Verdächtigen in Südportugal.

Mordfall „Maddie“ : Belastende Details gegen Beschuldigten

Immer mehr Einzelheiten werden über den Deutschen bekannt, der nach Ansicht der Ermittler vor rund 13 Jahren die kleine Madeleine McCann getötet haben könnte. Das Strafregister des Deutschen soll rund 17 Einträge aufweisen.
Trotz Staatshilfen: Lufthansa fliegt au dem Dax

Nach 32 Jahren : Lufthansa fliegt aus dem Dax

Trotz Staatshilfen in Höhe von 9 Milliarden Euro muss die größte Fluggesellschaft in Deutschland ihren Platz im Dax räumen. An deren Stelle tritt eine Wohnungsgesellschaft.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.