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Absturz vom Himmelspalast : Trümmer einer chinesischen Rakete sinken unkontrolliert ab

Auf diesem von der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua veröffentlichten Dateifoto vom 29. April 2021 ist zu sehen, wie die Langer-Marsch-5B-Rakete in Hainan abhob. Bild: dpa

Aus dem Weltraum stürzen Trümmerteile einer chinesischen Trägerrakete herab. „Im schlimmsten Fall“ wäre der Wiedereintritt mit dem Absturz eines kleinen Flugzeugs vergleichbar, sagt ein Wissenschaftler. Peking schweigt.

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          Aus dem Weltraum stürzen derzeit Trümmerteile einer für den Bau einer chinesischen Raumstation benutzten Trägerrakete herab. Die hatte Ende April erfolgreich das Hauptbauteil für die Errichtung der chinesischen Raumstation „Tiangong“ (Himmelspalast) ins All transportiert. Die Europäische Weltraumorganisation ESA vermutet, dass die Rückkehr der Rakete nicht planmäßig verlaufen ist und spricht vom „schwersten unkontrollierten Wiedereintritt seit mehr als zwanzig Jahren“. Was die Folgen sein können, darüber gehen die Meinungen auseinander.

          Hendrik Ankenbrand
          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Die besonders nationalistische Pekinger Parteizeitung Global Times zitiert zwar den Astrophysiker Jonathan McDowell von der Harvard-Universität mit dem Satz, die Wahrscheinlichkeit, von einem der herunterfallenden Trümmerteile getroffen zu werden, sei „unglaublich winzig“. Was die Zeitung jedoch nicht schrieb, war eine weitere Einschätzung, die der Wissenschaftler in amerikanischen Medien abgegeben hatte. Danach gleiche der Wiedereintritt der Rakete „im schlimmsten Fall“ dem Absturz eines kleinen Flugzeugs, der sich über Hunderte Kilometer verteile. Auch wenn schwer zu sagen sei, wie viele Trümmerteile übrig blieben, seien Schäden für Menschen, Gebäude und andere Dinge auf dem Erdboden nicht auszuschließen.

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          Chinesische Staatsmedien wiesen am Donnerstag Kritik aus dem Ausland zurück. Dass während des Wiedereintritts der zwanzig Tonnen schweren Rakete mit dem Namen Langer Marsch 5B Y2 in die Atmosphäre Teile, die nicht verbrennen, auf bewohntes Gebiet herabstürzen könnten, sei „nicht sehr wahrscheinlich“, zitierte die Global Times chinesische „Experten“. Die Vorwürfe aus dem amerikanischen Verteidigungsministerium, die Rakete sei „außer Kontrolle“, sei nichts anderes als ein „westlicher Hype“ aus Sorge vor Chinas schnellen Fortschritten auf dem Gebiet der Raumfahrttechnik.

          Nicht ganz so besorgt wie Washington zeigt sich die Europäische Weltraumorganisation. Sie hatte in einer Mitteilung darauf hingewiesen, dass drei Viertel der Erdoberfläche von Wasser bedeckt seien, viele Landstriche unbewohnt und die Gefahr, von Trümmerteilen erschlagen zu werden, deshalb geringer sei als etwa beim Autofahren. Vorhersagen darüber treffen, welche Teile der Rakete auf die Erde fallen könnte, will die Behörde jedoch auch nicht. Eigentlich verglühen etwa Satelliten beim Wiedereintritt vollständig. Besonders hitzebeständige Materialien wie Motoren könnten jedoch bestehen bleiben.

          Letztes Mal traf es die Elfenbeinküste

           

          Das Tiangong-Programm, durch das eine modulare Raumstation entstehen soll, läuft seit 1992 und ist eines der großen Prestigeprojekte der chinesischen Regierung. Der Öffentlichkeit wurde der Plan erstmals während der Weltausstellung in Hannover im Jahr 2000 gezeigt. Als vor anderthalb Wochen die Trägerrakete mit dem wichtigsten Modul für die künftige Station von der tropischen südchinesischen Insel Hainan abhob, ließ Präsident Xi Jinping mitteilen, der Start sei „ein wichtiges Leitprojekt für die Errichtung einer mächtigen Nation auf den Gebieten der Wissenschaft, Technologie und Raumfahrt“. Seit die Rückkehr der Rakete außer Kontrolle geraten ist, gibt es keine offiziellen Äußerungen der Regierung mehr.

          Vergangenes Jahr haben schon einmal Teile einer unkontrolliert herabstürzenden chinesischen Rakete bewohnte Gebiete der Elfenbeinküste getroffen und laut Medienberichten Häuser beschädigt. Die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA hatte den Vorgang zuvor als sehr gefährlich beschrieben, weil die Rakete über das Gebiet der Vereinigten Staaten geflogen war. Amerikanische Fachleute äußern daher den Verdacht, dass die nun verwendete baugleiche Rakete womöglich nicht für einen kontrollierten Absturz konstruiert worden ist.

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