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Myanmar : Aung San Suu Kyi erscheint vor Gericht und spricht zum Volk

Betet für das Volk: Aung San Suu Kyi am Montag in Naypyidaw Bild: EPA

In Myanmar wurde die entmachtete Staatsrätin und Friedensnobelpreisträgerin erstmals persönlich angehört. Auch mit ihren Anwälten durfte sie sich beraten.

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          Zum ersten Mal seit dem Militärputsch in Myanmar hat sich die entmachtete Staatsrätin Aung San Suu Kyi indirekt an das Volk gewandt. „Sie sagte, sie bete für alle, damit sie gesund bleiben“, teilte ihre Anwältin am Montag der lokalen Presse zufolge mit. Zudem habe sie die Botschaft übergeben, dass ihre Partei, die Nationalliga für Demokratie (NLD), für die Menschen gegründet worden sei und deshalb so lange weiterexistieren werde, wie es dort Menschen gebe. Die von der Junta eingesetzte Wahlkommission hatte angekündigt, die NLD wegen vermeintlichen Wahlbetrugs auflösen zu wollen. Der Chef der Kommission hatte am Freitag außerdem erklärt, dass die Parteiführung wegen „Verrats“ bestraft werden solle.

          Till Fähnders
          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Die Friedensnobelpreisträgerin Suu Kyi war am Montag zum ersten Mal persönlich vor Gericht erschienen. Die bisherigen Anhörungen hatten per Video stattgefunden. Zum ersten Mal konnte sie sich für eine halbe Stunde mit ihren Anwälten beraten. Dabei durften die Anwälte mit ihr allein sein, das Treffen wurde aber offenbar mit Überwachungskameras aufgenommen. Unklar war, ob die Anwälte sie auch über die Lage in dem Land informieren konnten. Militär und Polizei haben nach Angaben von Menschenrechtlern seit dem Putsch 818 Menschen getötet, rund 4300 befinden sich derzeit in Haft. In verschiedenen Landesteilen haben sich in den vergangenen Tagen zudem die bewaffneten Konflikte zwischen dem Militär und neu geformten Widerstandsgruppen sowie einigen Milizen ethnischer Rebellen verschärft.

          Die 75 Jahre alte Politikerin sei bei guter Gesundheit, berichteten ihre Anwälte. Khin Maung Zaw, der das Team leitet, ergänzte, Suu Kyi sei von der Welt abgeschnitten und habe keinen Zugang zu Zeitungen. Ihr sei nichts weiter erlaubt als „schlafen und essen“. Sie wisse nicht einmal, wo genau sie festgehalten werde. Der Politikerin werden insgesamt sechs Vergehen angelastet. Sie reichen von dem Verstoß gegen Corona-Maßnahmen über Aufwiegelung bis zum Geheimnisverrat. Allein für dieses Vergehen drohen ihr bis zu 14 Jahre Haft. Politische Beobachter des Landes glauben, dass die Junta Suu Kyi politisch längerfristig aus dem Verkehr ziehen will. Das Gericht setzte die nächste Anhörung auf den 7. Juni an.

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