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Schweizer Parlamentswahlen : Aufwind für die „Linken und Netten“

In Bern geht ein Wähler am 17. Oktober 2019 in ein Stimmlokal, um seinen Wahlzettel zu den Parlamentswahlen 2019 abzugeben. Bild: dpa

Während die Rechten einen schwereren Stand haben, können die beiden Ökoparteien bei der Schweizer Parlamentswahl auf deutliche Gewinne hoffen. Um in die Regierung einzuziehen, müssten sie sich aber zusammen tun – trotz Differenzen.

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          Die Schweizerische Volkspartei (SVP) ist berüchtigt für ihre provokante Bildsprache. Ob es um Volksinitiativen gegen den Bau von Minaretten, die Abschiebung krimineller Ausländer oder Wahlkämpfe geht – mit ihren aggressiven Plakaten hat die rechtskonservative Partei schon oft für große Aufwallungen gesorgt. So auch vor der Parlamentswahl an diesem Sonntag: Im August veröffentlichten die Rechtspopulisten ein Wahlplakat, das einen roten Apfel mit Schweizerkreuz zeigt, der lauter faule Stellen hat, aus denen Würmer herauskriechen. Diese sollen die politischen Gegner und die EU symbolisieren. Daneben steht: „Sollen Linke und Nette die Schweiz zerstören? Lieber SVP wählen.“

          Johannes Ritter
          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Eigentlich eine merkwürdige Parole – sind die meisten Schweizer doch freundliche, also nette Zeitgenossen. Doch nicht darüber wurde diskutiert. Der Grund für vernichtende Reaktionen war, dass das geschmacklose Motiv an die Propaganda der Nationalsozialisten erinnert: In deren Hetzblatt „Der Stürmer“ erschien 1931 eine ähnliche Zeichnung, in der als Würmer dargestellte Juden aus einem Apfel kriechen. Selbst aus der SVP hagelte es Kritik. Dennoch freuten sich die Parteioberen über die Debatte, die sie angezettelt hatten. Der Sturm der Entrüstung dauerte freilich nur einige Tage – was auf seine Weise zeigt, dass die Rechten nun einen viel schwereren Stand haben als bei der Wahl vor vier Jahren.

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