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Strache-Auftritt in Wien : „Was ist die FPÖ ohne HC Strache?

Gefeiert wie ein Popstar: Heinz-Christian Strache am Donnerstagabend in Wien. Bild: EPA

Heinz-Christian Strache will in Österreich mit einer neuen „Bürgerbewegung“ in die Politik zurückkehren und seiner früheren Partei FPÖ das Leben schwer machen. Doch noch lässt er seine Anhänger zappeln – und vermeidet Festlegungen.

          5 Min.

          Der frühere österreichische Vizekanzler Heinz-Christian Strache hat sich am Donnerstagabend nach eigenen Worten „zurück auf der politischen Bühne“ gemeldet. Er hielt eine etwa eine Stunde lange Rede vor Anhängern, die der Einladung der FPÖ-Abspaltung „Die Allianz für Österreich“ (DAÖ) zu einem Neujahrsempfang in die Wiener Sophiensäle gefolgt waren. Strache betonte allerdings mehrfach, dass er lediglich als Gastredner auftrete. Die Entscheidung, ob er dem Wunsch der DAÖ-Gründer nachkommt, die neue Partei unter seinem eigenen Namen zu übernehmen und in die Wiener Landtagswahl im kommenden Herbst zu führen, behielt er sich weiterhin vor. Zuvor seien jedoch noch ein paar „Hausaufgaben“ zu machen.

          Stephan Löwenstein
          (löw.), Politik

          Straches Rede handelte davon, dass er sich und seinen Werten, mit denen er die FPÖ groß gemacht habe immer treu geblieben sei, seine Nachfolger aber vom Weg abgewichen seien. Besonders der Zusammenhalt der „freiheitlichen Familie“ sei in der FPÖ – die den früheren Chef infolge der Ibiza-Affäre und der Spesenaffäre ausgeschlossen hatte – mit Füßen getreten worden. Die FPÖ sei nur mehr eine leere Hülle, so wie 2005, als er den Parteivorsitz übernommen hatte und ein Name, „der Kopf, Herz und Seele mit meinem Ausschluss verloren hat“. Rhetorisch fragte er: „Was ist die FPÖ ohne HC Strache? Zwei oder vielleicht drei Chefs. Hofer, der seidenweich dahin rutscht, oder Kickl der alles wieder viel zu weit überspitzt, oder Heimbuchner, der am Zipfel des Landeshauptmanns (in Oberösterreich, wo die FPÖ als Juniorpartner der ÖVP mitregiert; Red.) hängt?“ Hingegen antwortete er: „Was ist HC Strache ohne FPÖ? Derselbe HC Strache und derselbe Mensch, den ihr seit Jahrzehnten kennt. Hier steht das Original.“

          Das „pausenlose HC-Bashing“ als Motivation

          Strache war 14 Jahre lang Parteivorsitzender der rechten FPÖ und führte sie 2017 in eine „türkis-blaue“ Bundesregierung unter Sebastian Kurz (ÖVP). Im Mai 2019 – vor genau 251 Tagen, wie Strache am Donnerstag mehrfach vorzählte – musste er infolge der Ibiza-Affäre von allen Ämtern zurücktreten. Die deutschen Medien „Spiegel“ und „Süddeutsche Zeitung“ publizierten Sequenzen aus einem heimlich aufgenommenen Video, in denen Strache (noch nicht im Regierungsamt) mit einer vermeintlichen russischen Oligarchennichte darüber sprach, wie sie mit ihrem Geld die Partei fördern und dafür später Regierungsaufträge und ähnliche Vorteile erlangen könnte.

          In der Folge kam es zum tiefen Zerwürfnis zwischen Strache und der neuen Parteiführung um Norbert Hofer als Vorsitzendem sowie Herbert Kickl und Manfred Haimbuchner als dessen Stellvertreter. Die Spesenaffäre besiegelte die Trennung: Strache hatte sich neben seinen Bezügen als Abgeordneter, Partei- und Fraktionschef und später als Vizekanzler von der Wiener Landespartei ein üppiges Spesenkonto einrichten lassen. Vorwürfe, er habe sich daraus auch zu privaten Zwecken bedient, weist Strache zurück.

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