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Strache-Auftritt in Wien : „Was ist die FPÖ ohne HC Strache?

„Und dann kam Ibiza.“

Die Affäre sei „ein feiger politischer Anschlag, der nicht nur meine Familie, sondern auch die Grundfeste der Republik erschüttert“ habe. Es habe sich eine „Hetzjagd“ bis zum heutigen Tage gegen ihn abgespielt. Seine Aussagen und die Enttäuschung seiner Anhänger bedauerte Strache, relativierte sie aber: Wer habe nicht schon einmal zu viel Alkohol getrunken und dann Dinge gesagt, die er später bereute? Nur sei er dabei heimlich gefilmt worden. Um das Ausmaß der vermeintlichen Ungleichbehandlung in der Öffentlichkeit zu illustrieren, erwähnte er, dass der neue grüne Vizekanzler Werner Kogler einmal beim Verzehr eines Hamburgers von McDonald fotografiert worden sei, ohne dass man sich darüber groß aufgeregt habe.

„Auch auf meine Kosten sehr gut gelebt“

Die Vorwürfe im Zusammenhang mit seinen Spesen streifte Strache nur. Er werde „alle Verleumdungen aufklären“, aber dabei nicht das „Spiel mit den Medien“ mitspielen, sondern nur mit der Staatsanwaltschaft zusammenarbeiten. Den Vorwurf der Bereicherung auf Kosten der eigenen Partei, der ihn in der FPÖ und bei seinen Anhängern am meisten Kredit gekostet hat, versuchte Strache umzukehren: Bei dem durch ihn, Strache, alleine erreichten Erfolg der FPÖ habe sich ein „aufgeblähter Parteiapparat“ entwickelt, Funktionäre hätten „auch auf meine Kosten sehr gut gelebt“. Er deutete an, dass der Generalsekretär zeitweise mehr als der Vorsitzende verdient habe – das könnte auf Kickl zielen, der die meiste Zeit unter Strache FPÖ-Generalsekretär war (zusammen mit dem Europaabgeordneten Harald Vilimsky). Er sprach zudem davon, dass „angebliche Spesen“ für ihn „genehmigt worden sind“ und deutete dunkel an, jemand anderes könnte für mangelhafte Prüfungen im Wege der Organhaftung dafür einstehen müssen.

Strache sprach sich scharf gegen Zuwanderung, namentlich Muslime aus: Er wolle nicht, dass in Wien und Österreich eine „muslimische Mehrheitsgesellschaft“ entstehe. Das und soziale Fragen seien die eigentlich relevanten Zukunftsthemen und nicht die Klimaveränderung. Er gab an, er sei als FPÖ-Vorsitzender immer gegen „braune Flecken“, „Nazigesinnung“ und „schäbigen Antisemitismus“ aufgetreten. Das Thema Klima werde bewusst zu einem „Hype“ hochgespielt, „damit alle anderen drängenden Probleme, die wir zu lösen hätten, unter dem Tisch verschwinden.“

Passend zu Straches Hinweisen auf eigene frühere Wahlerfolge veröffentlichte das Gratis-Boulevardblatt „Österreich“ eine nationale Umfrage, laut der die DAÖ mit Strache an der Spitze der Einzug ins Parlament gelingen könnte. Sie käme demnach auf vier Prozent, also genau die in Österreich geltende Hürde. Die FPÖ verlöre hingegen gegenüber ihrem – auch schon verlustreichen – Ergebnis bei der Nationalratswahl im vorigen Herbst (16,2 Prozent) noch einmal vier Prozent. Strache sagte: „Ich war immer ein politischer Mensch. Das bin und das bleibe ich. Ich bin heute – als Gastredner – zurück auf der politischen Bühne.“ Dann spielte die Regie Lieder wie „Life is life“, während sich Strache zunächst für ein Gruppenfoto mit den DAÖ-Funktionären aufstellte – und dann für Aufnahmen mit Interessierten aus dem Publikum posierte.

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