https://www.faz.net/-gpf-9paz8

Auftritt im Parlament in Paris : Nicht alle finden Greta gut

Greta Thunberg steht vor der „Abbaye aux Dames“ in Caen. Sie wurde in der französischen Region Normandie mit dem „Freiheitspreis“ ausgezeichnet. Bild: AFP

Die Klima-Aktivistin tritt am Dienstag in der französischen Nationalversammlung auf. Abgeordnete der Republikaner wollen die Sitzung boykottieren – und schmähen die Schwedin.

          2 Min.

          Im Elysée-Palast hat Präsident Emmanuel Macron sie schon im Februar empfangen, jetzt ist die Klimaaktivistin Greta Thunberg in der Nationalversammlung eingeladen. Doch gegen den Auftritt der 16 Jahre alten Schwedin in der französischen Parlamentskammer an diesem Dienstag regt sich Protest.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Die Abgeordneten der Republikaner (LR) wollen die Sitzung boykottieren. „Wir brauchen keine apokalyptischen Gurus, um auf intelligente Weise gegen die Klimaerwärmung zu kämpfen. Wir brauchen wissenschaftlichen Fortschritt und politischen Mut“, sagte der Abgeordnete Guillaume Larrivé, der für den Parteivorsitz der Republikaner kandidiert.

          „Ich respektiere die Meinungsfreiheit, aber rechnet nicht mit mir, um einer Prophetin in kurzen Hosen Beifall zu spenden“, schrieb der LR-Abgeordnete Julien Aubert auf Twitter, der ebenfalls Parteivorsitzender werden möchte. Thunberg verdiene bestenfalls „den Nobelpreis für Angstmache“. Er sei für den Schutz des Planeten, aber nicht für „Greenbusiness“, so Aubert.

          „Wir wollen bei dieser Show nicht mitmachen“

          „Wir sagen ,nein‘ zu dieser aufklärungsfeindlichen Infantilisierung und zur Panikmache. Die Nationalversammlung macht sich lächerlich, indem sie Greta Thunberg einlädt“, sagte der LR-Abgeordnete Jean-Louis Thiériot. „Wir wollen bei dieser Show nicht mitmachen“, äußerte die LR-Abgeordnete Constance Le Grip. Die positive Bewertung der Rolle Thunbergs durch die Bundeskanzlerin wurde in der Schwesterpartei von CDU/CSU nicht wahrgenommen. Angela Merkel sagte Ende vergangener Woche, die von Thunberg begründete Schülerbewegung habe die Politik „zur Beschleunigung getrieben“.

          Thunberg verdankt ihre Einladung in die Nationalversammlung einem parteiübergreifenden Kollektiv von 162 Abgeordneten, das sich „Beschleunigen“ („Accélérons“) nennt und verstärkte Maßnahmen zum Klimaschutz verlangt. Eine Mehrheit der Abgeordneten gehört der Regierungsfraktion von La République en marche an.

          Macron umwarb Greta frühzeitig

          Macron hatte die junge Schwedin frühzeitig umworben und sie am 22. Februar im Elysée-Palast empfangen. Thunberg sagte hinterher, sie habe mit Macron über Strategien zum Klimaschutz gesprochen. „Ich weiß nicht, ob er auf mich hört“, sagte sie. „Allein kann er ohnehin nicht viel bewirken“, so Thunberg.

          Macron hatte vor dem amerikanischen Kongress im April 2018 das Pariser Klimaabkommen verteidigt und gewarnt: „Wir haben keinen Planeten B.“ Auch mit der deutschen Klimaaktivistin Luisa Neubauer hat Macron sich wiederholt ausgetauscht. Macrons Staatssekretär Gabriel Attal entrüstete sich über „die herablassende Kritik an Thunberg“. „Für einige ist Jugend offenbar ein Makel“, kritisierte er.

          Der sozialistische Parteivorsitzende Olivier Faure verteidigte am Montag ebenfalls die Initiative der Parlamentarier: „Greta Thunberg spielt eine außergewöhnliche Rolle für den Bewusstseinswandel in Europa und in der Welt.“

          Weitere Themen

          Hausdurchsuchungen bei Unterstützern Bolsonaros

          Gegen Hetzkampagnen : Hausdurchsuchungen bei Unterstützern Bolsonaros

          Den insgesamt 29 Personen wird vorgeworfen, in sozialen Netzwerken Hasskampagnen und „Fake News“ systematisch verbreitet zu haben. Bolsonaro selbst spricht von Anzeichen, „dass etwas sehr Schlimmes mit unserer Demokratie passiert“.

          Peking gibt grünes Licht Video-Seite öffnen

          Hongkong-Sicherheitsgesetz : Peking gibt grünes Licht

          Ungeachtet internationaler Proteste hat Chinas Nationaler Volkskongress die Einführung eines Sicherheitsgesetzes zu Hongkong gebilligt, mit dem nach Ansicht von Kritikern die Bürgerrechte in der Sonderverwaltungszone massiv beschnitten werden.

          Topmeldungen

          Alles und alle ständig im Blick. Menschen auf der Nanjing Road in Schanghai in einer Fotomontage.

          Überwachung in China : Ein Code, sie alle zu finden

          Peking nutzt die Krise, um mit Kameras, Apps und Künstlicher Intelligenz das Volk noch stärker auszuspionieren als bisher. Das hat damit anscheinend kein Problem.
          Zielscheibe der „Bild“-Zeitung: der Virologe Christian Drosten.

          „Bild“ & Kekulé gegen Drosten : Nachtreten bis zum Umfallen

          Die „Bild“-Zeitung macht mit dem perfiden Kesseltreiben gegen den Virologen Christian Drosten weiter. Ein paar Helfershelfer springen auf den Zug auf. Und dieser rast mit Vollgas, so wie das Boulevardblatt es sich wünscht.
          Julia Stoschek anlässlich einer Preisverleihung in Köln im Jahr 2018

          Julia Stoschek : Eine Kunstsammlerin begehrt auf

          Ihre Sammlung gehört zu den besten der Welt, ihre Ausstellungen und ihre Partys sind gefragt: Was treibt die Kunstsammlerin Julia Stoschek an, die jetzt Berlin vorführt?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.