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Aufstand in Syrien : Assads Pyramide der Macht

  • -Aktualisiert am

Assad: Über Jahrzehnte die wichtigsten Posten im Militär und in den mächtigen Geheimdiensten mit Familienangehörigen besetzt Bild: dapd

Es sieht fast so aus, als habe sich die syrische Herrscherfamilie Assad auf den Aufstand vorbereitet. Jedenfalls hat sie alle wichtigen Dienststellen mit „eigenen“ Leuten bestückt.

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          International ist der syrische Staatspräsident Baschar al Assad geächtet. Im eigenen Land sieht er sich einem Aufstand gegenüber, der seit dem 15. März 2011 mehr als 7000 Menschen das Leben gekostet hat. Dennoch verbreitet Assad nicht den Eindruck, als ob sein politisches Ende nahe sei. Drei Gründe sprechen dafür: Die militärische Führung ist weiter loyal, die Opposition tritt nicht als Einheit auf, und die Staatengemeinschaft will nicht intervenieren.

          International kann sich Assad weiter auf die Vetomächte Russland und China verlassen. Iran und die libanesische Hizbullah stehen ebenfalls auf seiner Seite. Als Regierungspartei hält die Hizbullah zudem den Libanon aus der antisyrischen Allianz der Arabischen Liga heraus. Nur noch der Irak und Algerien halten ansonsten in der Liga noch wenigstens halbherzig zu Syrien. Die Ägypter sind nach ihrer erfolglosen Revolution mit sich selbst beschäftigt, Tunesien aber hat den oppositionellen Syrischen Nationalrat als einzigen legitimen Sprecher für das syrische Volk anerkannt.

          Freie Syrische Armee keine ernsthafte Gefahr

          Wichtiger als die Unterstützung durch einige Staaten ist für Syrien, das seit Jahrzehnten nach innen blickt, dass Assad weiter die Kontrolle über alle Streitkräfte hat und seine Familie an der Spitze des Staats geeint auftritt. Zwar eskaliert die Gewalt, Deserteure haben die Freie Syrische Armee gebildet. Eine ernste Gefahr für die reguläre Armee sind sie aber nicht. Selbst wenn die Freie Syrische Armee inzwischen mehr als 17.000 Soldaten unter Waffen haben sollte, sind das leichte Waffen.

          Assad mit dem russischen Außenminister Lavrov

          Die reguläre Armee aber, mit den 220.000 Soldaten des Heers und den 100.000 Soldaten der Luftwaffe, verfügt über alle Arten von schweren Waffen: 5000 Panzer, 550 Kampfflugzeuge und viel Artillerie. Wenn die Deserteure immer wieder Städte von der Diktatur haben befreien können, dann vor allem, weil eine Überdehnung der Streitkräfte gedroht hat und Assad bewusst in Kauf nahm, die Kontrolle über Städte wie Zabadani und einige Vororte von Damaskus vorübergehend zu verlieren.

          Entscheidend ist für Assad, dass der Armee die Munition nicht ausgeht und dass die Offiziere zu ihm und seinem Staat loyal sind. Es scheint, als sei die Familie Assad auf diesen Krieg vorbereitet gewesen. Über Jahrzehnte hat sie die wichtigsten Posten im Militär und in den mächtigen Geheimdiensten mit Familienangehörigen besetzt. Die Ränge darunter hat sie mit Alawiten und verlässlichen Mitgliedern der Baath-Partei gefüllt. Einige Syrienbeobachter schätzen, dass in der Armee 80 Prozent der Offiziere Alawiten sind und damit - wie Assad - dieser religiösen Minderheit angehören. Die Eliteeinheit „Republikanische Garden“, die vom Präsidentenbruder Maher al Assad kommandiert wird, soll sogar ausschließlich aus Alawiten bestehen. Aber selbst unter den Diplomaten im Ausland sollen 60 Prozent Alawiten sein, nur zehn Prozent Sunniten. Die Alawiten stellen insgesamt gut ein Zehntel der Bevölkerung.

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