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Bauernproteste in den Niederlanden : Blockaden, Morddrohungen, Aufrufe zum Bürgerkrieg

Bauern blockieren am Dienstag den Eingang zum Vertriebszentrum eines Supermarkts in Nijkerk Bild: dpa

In den Niederlanden eskalieren die Proteste von Bauern gegen die Stickstoffziele der Regierung. Radikale Gruppen verabreden sich bei Telegram. Die Polizei wirkt hilflos.

          4 Min.

          Spät am Dienstagabend wollten Bauern im friesischen Heerenveen auf die A 32 vordringen, um dort gegen die Pläne der Regierung in Den Haag zur Verminderung des Stickstoffausstoßes zu protestieren. Die Polizei blockierte die Zufahrt mit mehreren Fahrzeugen. Auf einem Video ist zu sehen, wie einer der Traktoren ausschert und auf der Gegenfahrbahn an der Sperre vorbeifährt. Als ein weiterer Traktor folgt, zücken zwei Beamte ihre Pistolen und zielen auf das Fahrzeug. Zwei Schüsse sind zu hören. Zwei junge Männer filmen das, ebenso überrascht wie freudig erregt. Kurz darauf stellen sie ihre Aufnahme ins Netz.

          Thomas Gutschker
          Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

          Verletzt wurde niemand bei dem Schusswaffeneinsatz. Drei Personen wurden festgenommen, darunter der Fahrer des beschossenen Treckers. Es soll sich um einen 16 Jahre alten Jungen handeln. Auf Twitter schrieb die Polizei kurz darauf, es sei eine „bedrohliche Situation“ entstanden. „Dabei wurden Warnschüsse abgegeben, und es wurde gezielt geschossen.“ Die Traktorfahrer hätten versucht, „in Polizeibeamte und Dienstfahrzeuge zu fahren“. Davon ist auf dem Video nichts zu sehen. Es zeigt nur einen Ausschnitt des Geschehens, das nun von der Rijks­recherche, einer Sondereinheit der Staatsanwaltschaft, untersucht wird, wie jeder Schusswaffengebrauch durch Beamte. Der Vorfall war die jüngste Eskalation der Bauernproteste, die seit zwei Wochen zu­nehmen.

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