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Aufruf führender Politiker : Mit multilateraler Kooperation die Krisen überwinden

  • -Aktualisiert am

Viele Schülerinnen und Schüler wie hier in Ghana haben noch kein Internet. Bild: Frank Röth

Die weltweite sehr schwere Krise der Pandemie ist auch eine Gelegenheit, durch Zusammenarbeit, Solidarität und Koordination wieder einen Konsens über eine internationale Ordnung zu erzielen. Eine Ordnung, die auf Multilateralismus und Rechtsstaatlichkeit beruht. Ein Gastbeitrag für die F.A.Z. und weitere europäische Zeitungen.

          5 Min.

          Im September 2000 unterzeichneten 189 Staaten die Millenniumserklärung. Sie schufen so die Grundsätze der internationalen Zusammenarbeit für ein neues Zeitalter, in dem wir Fortschritte bei der Verwirklichung gemeinsamer Ziele erreichen wollen. Angesichts des Endes des Kalten Krieges waren wir zuversichtlich, eine multilaterale Ordnung aufbauen zu können, die uns dabei hilft, die großen Herausforderungen der Zeit zu bewältigen: Hunger und extreme Armut, Umweltzerstörung, Krankheiten, wirtschaftliche Erschütterungen und Konfliktprävention. Im September 2015 verschrieben sich alle Staaten mit der UN-Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung erneut einem ehrgeizigen Plan zur gemeinsamen Bewältigung globaler Herausforderungen.

          Unsere Welt hat sich stark unterschiedlich entwickelt. Einerseits wuchs weltweit der Wohlstand, andererseits blieben Ungleichheiten bestehen oder nahmen weiter zu. Die Demokratie hat an Boden gewonnen, gleichzeitig aber lebten Nationalismus und Protektionismus wieder auf. In den vergangenen Jahrzehnten erschütterten zwei große Krisen unsere Gesellschaften und schwächten unseren gemeinsamen politischen Rahmen. Unsere Fähigkeit, Erschütterungen zu überwinden, uns mit ihren grundlegenden Ursachen zu befassen und künftigen Generationen ein besseres Leben zu ermöglichen, wurde dadurch in Zweifel gezogen. Diese Erfahrungen haben uns auch daran erinnert, wie sehr wir voneinander abhängig sind.

          Pandemie erfordert starke internationale Antwort

          Sehr schwere Krisen erfordern sehr ehrgeizige Entscheidungen. Wir glauben, dass diese pandemische Krise eine Gelegenheit sein kann, durch effiziente Zusammenarbeit, Solidarität und Koordination wieder einen Konsens über eine internationale Ordnung zu erzielen – eine Ordnung, die auf Multilateralismus und Rechtsstaatlichkeit beruht. In diesem Geiste sind wir fest entschlossen, im Rahmen der Vereinten Nationen, regionaler Organisationen, internationaler Foren wie der G7 und der G20 und Ad-hoc-Koalitionen zusammenzuarbeiten, um uns den heutigen und künftigen globalen Herausforderungen zuzuwenden.

          Die erste Notlage besteht im Gesundheitsbereich. Die Covid-19-Krise ist die seit Generationen größte Bewährungsprobe für die weltweite Solidarität. Sie erinnert uns an etwas Offensichtliches: Im Angesicht einer Pandemie ist unser eigener Gesundheitsschutz nur so stark wie das schwächste Glied in der globalen Kette. Ist auch nur ein Ort in der Welt von Covid-19 betroffen, sind Menschen und Volkswirtschaften allerorten gefährdet.

          Die Pandemie erfordert eine starke und koordinierte internationale Antwort mit einem beschleunigten und breiteren Zugang zu Tests, Behandlungen und Impfstoffen. Wir betrachten eine breite Immunisierung als globales öffentliches Gut, das für alle verfügbar und erschwinglich sein muss. In diesem Zusammenhang unterstützen wir uneingeschränkt die einzigartige weltweite Plattform ACT-Accelerator, die im April von der WHO und den G-20-Partnern auf den Weg gebracht wurde. Zur Erfüllung ihrer Aufgabe bedarf sie dringend breiterer politischer und finanzieller Unterstützung.

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