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Aufrüstung der Kriegsparteien : Waffen für die Freunde in Syrien

Auch die Vereinigten Staaten unterstützen die Aufständischen mittlerweile mit Material: Am Freitag teilte die Sprecherin des State Department mit, Amerika liefere den Rebellen moderne Kommunikationstechnik. Es gehe darum, „jenen zu helfen, die unter der Regierung leiden und keine Möglichkeiten zur Kommunikation untereinander haben“. Es soll sich unter anderem um mit dem Satellitenortungssystem GPS ausgestattete Mobiltelefone handeln. Unterdessen berichtete die prosyrische libanesische Tageszeitung „Al Akhbar“, ein führender Offizier der „Freien Syrischen Armee“ habe mit dem früheren amerikanischen Botschafter in Damaskus Robert Ford über die Lieferung von Boden-Luft-Raketen und Panzerabwehrwaffen verhandelt. Sie sollten teilweise über Libyen geliefert werden.

Gratwanderung Saudi-Arabiens

In Libyen sind seit Gaddafis Sturz 5000 Flugabwehrraketen verschwunden. Mitte Mai soll ein in einem westafrikanischen Land registriertes Frachtschiff Waffen aus den Beständen der beiden qatarischen Waffendepots nahe Benghasi Waffen in die libanesische Hafenstadt Tripolis geliefert haben. Welche Waffen das Schiff an Bord hatte, ist westlichen Fachleuten indes nicht bekannt. Aus Libyen sollen nach Schätzungen von Militärfachleuten auf der arabischen Halbinsel auch mindestens 3000 Kämpfer nach Libyen gelangt sein, die meisten davon über die Türkei. Viele von ihnen waren offiziell zur „medizinischen Behandlung“ in die Türkei geschickt worden.

Zudem haben sich sunnitische Dschihadisten aus dem Irak, die dort gegen die Amerikaner gekämpft hatten, den Rebellen angeschlossen. Im Mai fanden Soldaten der regulären Armee nach eigenen Angaben bei einem libyschen Dschihadisten, der bei einem Gefecht getötet wurde, einen USB-Stick von 7,5 Gigabyte, auf dem Videoanleitungen zum Bau von Waffen, Bomben und Sprengstoffen im Stil Al Qaidas gespeichert waren, ferner Briefe von Usama Bin Ladin und Ayman al Zawahiri. Vorgeführt wurden diese Anleitungen von vermummten Dschihadisten, die im saudischen, irakischen und syrischen Dialekt sprachen. Eine Gruppe, die sich „Nusra-Front“ nennt und zum Netz von Al Qaida zählt, hat sich zu Anschlägen in Damaskus und Aleppo bekannt.

Rückkehr radikalisierter saudischer Kämpfer

Saudi-Arabien, das wie Qatar Waffenlieferungen an die Rebellen bekanntgegeben hat, geht eine Gratwanderung. Einerseits will Riad damit Syriens Verbündeten Iran schwächen und den als Person ungeliebten Assad stürzen. Andererseits will das Königreich aber mit Syrien nicht jene Erfahrungen wiederholen, die es mit Afghanistan, Bosnien und dem Irak gemacht hat, von wo saudische Freiwillige radikalisiert in die Heimat zurückgekehrt sind.

Eine Fatwa, die am 7. Juni der „Hohe Rat der Geistlichkeit“ erlassen hat, untersagt den Saudis daher, selbst einen „Dschihad in Syrien“ auszurufen und ihm zu folgen. Jede Hilfe für Syrien müsse im Einklang mit der Politik des Staats stehen. Zuvor hatte König Abdullah am 29. Mai die Geistlichkeit aufgeforderte, keine weiteren „Spenden“ mehr für Syrien anzunehmen, wozu radikale Kleriker aufgerufen hatten. Offenbar fürchtet das Königshaus, dass der radikale Klerus Syrien als Anlass für eine indirekte Kritik an der königlichen Familie nehmen könnte.

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