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Afghanistan-Konferenz : „Auf Wunsch der Konfliktparteien“

Am 7. Juli 2019 soll eine „innerafghanische Dialogkonferenz“ sich erneut mit der Frage nach der Zukunft des Landes beschäftigen. Zum ersten Mal könnten dabei Vertrerinnen der Taliban und der Regierung an einem Tisch sitzen. Bild: EPA

Deutschland versucht sich bei den Afghanistan-Verhandlungen abermals als Vermittler. Der Zeitpunkt scheint aus mehreren Gründen zu passen.

          Es wäre eine Premiere: Wenn am Sonntag in Qatars Hauptstadt Doha die „innerafghanische Dialogkonferenz“ eröffnet wird, könnten zum ersten Mal seit 2001 Vertreter der afghanischen Regierung und der Taliban-Rebellen in offiziellem Rahmen über die Zukunft des Landes diskutieren. Um das zu ermöglichen, haben die qatarischen und deutschen Organisatoren schon vorher verschiedene gesichtswahrende Maßnahmen getroffen. So nehmen alle Eingeladenen „als Privatpersonen“ teil, nicht in ihren offiziellen Funktionen. Damit soll dem Umstand Rechnung getragen werden, dass die Taliban offizielle Gespräche mit der Regierung in Kabul nach wie vor ablehnen.

          Christian Meier

          Redakteur in der Politik.

          Inoffiziell aber scheint es zu funktionieren: Kurz vor der zweitägigen Konferenz gab es angeblich nur wenige Absagen. Gerechnet wird mit etwa sechzig Teilnehmern – wie viele es genau sind, wird man allerdings erst an diesem Samstag wissen, wenn die aus Afghanistan anreisenden Teilnehmer das Flugzeug besteigen, das sie in das Golfemirat bringen soll. Darüber hinaus ist über die Einladungsliste bislang nur bekannt, dass sie, wie es im Auswärtigen Amt heißt, einen „breiten Querschnitt der afghanischen Politik, Gesellschaft und Geographie“ abbilden soll. Die ethnische Zugehörigkeit spielt in dem Bürgerkriegsland eine große Rolle; nicht nur in dieser Hinsicht dürfte die Zusammenstellung der Liste einiges Fingerspitzengefühl erfordert haben. Auch Afghaninnen sollen in Doha am Gesprächstisch sitzen, wenn auch nicht auf Seiten der Taliban. Den Islamisten ist aber bewusst, dass auch Frauen eingeladen sind – wer genau kommt, dürfte für sie wie für alle anderen jedoch eine Überraschung sein.

          Deutschland will Gespräche weiter unterstützen

          Die Gespräche finden dann hinter verschlossenen Türen statt. Der einzige anwesende Ausländer wird laut Medienberichten ein Moderator der Berghof Foundation sein, einer deutschen Nichtregierungsorganisation, die auf Konfliktvermittlung und Friedensförderung spezialisiert ist. Die Gastgeber, der deutsche Afghanistan-Sonderbeauftragte Markus Potzel und der Vertreter Qatars, Mutlaq al Qahtani, beschränken sich auf kurze Grußworte.

          Gleichwohl greift Deutschland durch die Ausrichtung der Konferenz überaus sichtbar in den Fortgang der Friedensbemühungen für Afghanistan ein. Das Engagement Berlins hat Tradition: Seit der Petersberg-Konferenz Ende 2001, in welcher der Grundstein für die politische Neuordnung Afghanistans nach dem Ende der Taliban-Herrschaft gelegt wurde, hat die Bundesregierung sich militärisch am Hindukusch engagiert, aber auch stets darum bemüht, den Gesprächsfaden zu allen Konfliktparteien nicht abreißen zu lassen. So vermittelte Berlin 2011 Gespräche zwischen Taliban-Vertretern und Unterhändlern der amerikanischen Regierung auf deutschem Boden. Und im Februar hieß es in einer Regierungsunterrichtung für den Bundestag, Deutschland sei bereit, „auf Wunsch der Konfliktparteien seine guten Dienste zur Ermöglichung eines Friedensprozesses zur Verfügung zu stellen, beispielsweise durch die Veranstaltung einer weiteren Petersberger Konferenz unter Einschluss der Taliban in einem dafür geeigneten Stadium der Verhandlungen“.

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