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Gewalt gegen Demonstranten : Auf Myanmars Straßen wird geschossen, um zu töten

Trauer um ein Opfer der Proteste am Donnerstag in Yangon Bild: EPA

Das Militär verbreitet Terror gegen das eigene Volk – auch wegen der Erfahrung von 70 Jahren Bürgerkrieg. Trotz der Bedrohung demonstrieren auch am Samstag Hunderttausende.

          3 Min.

          Die Art, mit der das Militär in Myanmar gegen Demonstranten vorgeht, Regimekritiker verfolgt und das Volk terrorisiert, geht schon lange über das hinaus, was der „Sicherung der Stabilität“ dient. Die Schüsse am Mittwoch, die zum Tod von mindestens 38 Menschen führten, waren zu einem großen Anteil gezielte Kopf- und Bauchschüsse. Insgesamt sind laut den Vereinten Nationen schon 54 Menschen getötet worden.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          „Alles weist darauf hin, dass die Truppen eine Taktik des ,Shoot to kill‘ anwenden“, sagt Emerlynne Gil von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International. Und angesichts des Schweigens der Militärführung gebe es einen „wachsenden Konsens“, dass die Regierung dieses Vorgehen autorisiert habe.

          Trotz der Polizeigewalt gingen am Samstag im ganzen Land Hunderttausende auf die Straßen. Demonstranten blockierten in zahlreichen Städten die Straßen, wie Augenzeugen und örtliche Medien berichteten. Die Sicherheitskräfte gingen abermals mit Tränengas und Gummigeschossen gegen Protestierende vor und setzten auch die Barrikaden in Flammen, wie auf Fotos in sozialen Medien zu sehen war.

          Wehren sich gegen Tränengas: Demonstranten am Samstag in Yangon, Myanmar.
          Wehren sich gegen Tränengas: Demonstranten am Samstag in Yangon, Myanmar. : Bild: EPA

          Videos dokumentieren das brutale Vorgehen

          Auch am Freitag gab es wieder ein Todesopfer durch mutmaßliche Polizeischüsse. Wie die örtliche Presse berichtete, hatte in Mandalay, der zweitgrößten Stadt des Landes, ein Mann am Rande der Demonstration eine Kugel in den Hals bekommen. Er war den Angaben zufolge kein Protestteilnehmer. Laut „Myanmar Now“ handelte es sich um einen 27 Jahre alten Möbelmacher.

          Anders als bei früheren Protesten in den Jahren 1988 und 2007 werden viele dieser Bluttaten in Bildern dokumentiert. Nicht jedes Video, das in den sozialen Netzwerken geteilt wird, kann einwandfrei als authentisch identifiziert werden. Doch Medien und Menschenrechtler haben einige ausgewertet und Belege für das brutale Vorgehen gefunden.

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          Dazu gehört ein Video, bei dem einem Mann, der sich schon in Gewahrsam der Polizei befindet, in den Rücken geschossen wird. Über die Schüsse auf Demonstranten hinaus nehmen die Sicherheitskräfte auch gezielt Privathäuser und Wohnungen ins Visier, wenn sie von dort aus gefilmt und fotografiert werden. Dazu kommt der Einsatz von Tränengas, Blendgranaten und Gummigeschossen gegen Demonstranten.

          Seit der Machtübernahme des Militärs am 1. Februar sind mehr als 1500 Politiker und Aktivisten festgenommen worden. Die genauen Hintergründe des Putsches sind noch immer nicht ganz klar. Viel scheint auf die persönlichen Machtambitionen des Oberbefehlshabers General Min Aung Hlaing zurückzugehen und auf die Demütigung des Militärs durch den Erdrutschsieg von Aung San Suu Kyis Partei bei der Wahl im November.

          Um das Vorgehen zu verstehen, muss man aber auch das Selbstverständnis der Militärs als Verteidiger der Nation berücksichtigen, zudem ihre gesellschaftliche Sonderstellung als „Kriegerkaste“ und die Erfahrung von 70 Jahren Bürgerkrieg. Hinzu kommt ein starker Nationalismus in der Militärführung, die das Land durch die Brille der überwiegend buddhistischen Mehrheitsbevölkerung der Bamar betrachtet.

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