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Auf einen Blick : Das Wichtigste zur Schicksalswahl in Österreich

Wer wird der nächste Bundespräsident in Österreich? Bild: AP

Die Stichwahl um den Bundespräsidenten in Österreich hält Europa in Atem: Wird mit Norbert Hofer tatsächlich erstmals ein FPÖ-Politiker Staatsoberhaupt in Wien?

          An diesem Sonntag entscheiden die Österreicher in einer Stichwahl, wer ihr nächster Bundespräsident wird: Alexander Van der Bellen von den Grünen oder Norbert Hofer von der rechtspopulistischen FPÖ. Die Wahl schlägt hohe Wellen – aber was steckt dahinter? Ein Überblick.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent für Österreich und angrenzende Länder mit Sitz in Wien.

          Worum geht es?

          6.382.507 wahlberechtigte  Österreicher wählen an diesem Sonntag ein neues Staatsoberhaupt. Bundespräsident Heinz Fischer muss nach zwei Amtsperioden, insgesamt zwölf Jahren, abtreten. Der 77 Jahre alte Sozialdemokrat übergibt am 8. Juli das Amt seinem Nachfolger.

          Wer gegen Wen?

          In der ersten Wahlrunde am 24. April hat keiner der sechs Bewerber eine absolute Mehrheit erhalten. Daher treten nun die beiden Stärksten gegeneinander an: Der FPÖ-Politiker Norbert Hofer, der 35 Prozent erhalten hat, und der Grünen-Politiker Alexander Van der Bellen (21 Prozent). Sie ließen die frühere Höchstrichterin Irmgard Griss hinter sich, die als unabhängige Kandidatin beachtliche 19 Prozent erhielt. Kläglich mit jeweils rund 11 Prozent schnitten die Bewerber der Regierungsparteien SPÖ und ÖVP, Rudolf Hundstorfer und Andreas Khol, ab. Das hing wohl weniger mit den Personen als mit dem Ballast einer unglücklich agierenden Regierung und taktischen Fehlern ihrer Parteien zusammen. Immerhin zwei Prozent der Stimmen erhielt der lustige Bauunternehmer Richard Lugner. Um ihre Wähler sowie die rund zwei Millionen Nichtwähler haben Hofer und Van der Bellen nun einen Monat lang geworben. Während sich die ÖVP weitgehend bedeckt hielt, warben führende SPÖ-Politiker und zuletzt auch Frau Griss für Van der Bellen.

          Wer ist Hofer?

          Hofer ist Parlamentsabgeordneter und bekleidet das Amt des dritten Nationalratspräsidenten – das höchste Amt, das die FPÖ als drittstärkste Kraft bislang zu vergeben hat. Bis vor kurzem war er auch im eigenen Land wenig bekannt; noch zur Jahreswende sagte der heute 45 Jahre alte Burgenländer, er halte sich für zu jung für das höchste Amt im Staat und wolle daher nicht kandidieren. Im Wahlkampf überraschte er mit seinem ruhigen und verbindlichen Auftreten, das man von seiner Partei nicht gewohnt ist. Inhaltlich ist er aber wie die FPÖ insgesamt klar auf der politischen Rechten anzusiedeln und vertrat auch im Wahlkampf deren Positionen: Österreicher zuerst, gegen Einwanderung.

          Gab sich im Wahlkampf zuletzt vergleichsweise zurückhaltend, liegt inhaltlich dennoch voll auf harter FPÖ-Linie: Norbert Hofer

          Und wer Van der Bellen?

          Alexander, von Freunden „Sascha“ gerufen, Van der Bellen hat einen Migrationshintergrund, wie er es selbst formuliert. Sein Vater war Russe mit – wie der Name erkennen lässt – niederländischen Wurzeln, seine Mutter Estin, beide verschlugen die Kriegswirren nach Tirol, wo Van der Bellen 1944 geboren wurde. Der Volkswirt schlug eine Hochschulkarriere ein, politisch landete er nach einem Zwischenspiel bei der SPÖ in den achtziger Jahren bei den Grünen. Bis 1998 führte er rund zehn Jahre lang Partei und (etwas kürzer) Fraktion der Grünen. Gleichwohl hielt er einen gewissen Abstand zu deren fundamentalen Glaubenssätzen. Trotzdem wirkte es wenig glaubwürdig, dass er sich nun im Wahlkampf als unabhängiger Kandidat präsentierte, da er von den Grünen gebeten und sein Wahlkampf von ihnen finanziert wurde.

          Was kann der Präsident?

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