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Attentate in Madrid : Die marokkanischen Nachbarn

  • -Aktualisiert am

Hauptverdächtige: Jamal Zougam (l.) und sein Halbbruder Mohammed Chaoui Bild: dpa/dpaweb

Viele Spuren führen die spanischen Ermittler nach den Anschlägen vom 11. März in den Madrider Stadtteil Lavapiés. Die spanische Polizei hat vier weitere Verdächtige festgenommen.

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          Alle Spuren führen nach Lavapiés. Die spanische Polizei hat im Zusammenhang mit den Anschlägen vom 11.März vier weitere Verdächtige festgenommen. Drei der Verdächtigen wurden in der Nacht zum Montag im Madrider Vielvölkerstadtteil gefaßt, wo der Hauptverdächtige Jamal Zougam einen Telefonladen betrieb. Der vierte sei in der Vorstadt Getafe festgenommen worden. Damit befinden sich wegen der Anschläge auf die U-Bahn insgesamt 14 Menschen in Polizeigewahrsam.

          Lavapiés sieht zwar nicht aus wie die Medina von Marrakesch. Aber in die spanische Bevölkerung dieser ärmlichen Arbeiter- und Kleinhändlergegend nahe dem Unglücksbahnhof von Atocha mischen sich Afrikaner, Pakistaner, Araber, Lateinamerikaner und Chinesen. Neben dem Sprachengewirr, der Kleidervielfalt, den orientalischen Kopftüchern und Bärten sind die Marokkaner spürbar präsent. In ganz Spanien leben inzwischen eine halbe Million Maghrebiner. In Madrid sind es etwa vierzigtausend, davon gut die Hälfte aus dem Land jenseits der Straße von Gibraltar.

          Radikale Islamisten aus Marokko

          In Lavapiés, hinter dessen Namen die einen eine christliche Wurzel mit Jesus, dem Fußwäscher, sehen, die andere eine jüdische, weil sich hier die Besucher an einem Brunnen vor dem Betreten des ehemaligen Judenviertels die Füße gewaschen haben sollen, gibt es nun Imam, Moschee und ein Islamisches Zentrum.

          Ein halbes Jahrtausend nach der Vertreibung der Muslime und Juden aus Spanien und wenige Monate vor dem fünfhundertsten Todestag der Katholischen Königin Isabella von Kastilien gibt es nun den Verdacht, daß zumindest die Werkzeuge, wenn nicht die geistigen Urheber des Madrider Massakers vom 11. März vorwiegend radikale Islamisten aus Marokko waren. In falschen oder echten Bekennerbotschaften ist von Al Andalus die Rede, der arabischen Bezeichnung für Spanien. Damit verbinden sich sogar wirre Andeutungen auf "Kreuzzügler", einen "heiligen Krieg", eine "Wiedereroberung" des einzigen ehemals islamischen Landes in Europa und also das Begleichen einer uralten historischen Rechnung.

          Nachbarn erinnern sich an „nette Jungs“

          Inwieweit die mutmaßlichen Terroristen und ihre Helfer - sieben Marokkaner, zwei Inder und ein Spanier sind bisher in Haft - an solche historischen Zusammenhänge dachten, ist noch unklar. Die Spuren, die nach Lavapiés führen, enden nicht bei den Tätern, sondern auch bei ihren Opfern. Unter den 202 Toten der Attentate sind drei Marokkaner, unter den mehr als 1400 Verletzten sind mehr als ein Dutzend Marokkaner. Sie kamen hierher auf der Suche nach einem besseren Leben, weil der Bevölkerungsdruck, die Arbeitslosigkeit und viele andere Probleme in ihrem Heimatland sie hinausdrängten.

          Unter den "netten Jungs", an die sich die Nachbarn in Lavapiés erinnern, ist der Hauptverdächtige, der 30 Jahre alte Jamal Zougam. Er hat Obst und Gemüse verkauft, bevor er in der Tribuleta-Straße Nr. 17 einen Laden für Mobiltelefone mit dem Schild "Nuevo Siglo" (Neues Jahrhundert) aufmachte. Aus diesem Laden sollen, so vermutet die Polizei, ein Handy und eine Telefonkarte stammen. Das Telefon sollte am Donnerstag, den 11. März, um 7.40 Uhr morgens den Zünder eines der Bombenrucksäcke auslösen, versagte aber, weil es offenbar versehentlich auf 7.40 abends eingestellt war.

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