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Attentat von Nizza : Fast eine halbe Stunde für die Tat

Erschüttert: Eine Frau legt am Freitag Blumen an der Kirche in Nizza nieder, wo ein Attentäter am Donnerstag drei Menschen tötete Bild: EPA

Am Tag danach wird immer mehr über das Attentat von Nizza bekannt. Nach den Erkenntnissen der Behörden kam der Attentäter erst am frühen Morgen in der Stadt an – und hatte viel Zeit für seine mörderische Tat, bis die Polizei die Kirche stürmte.

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          In Frankreich hat der Leitende Staatsanwalt Jean-François Ricard die Vorgänge vom Donnerstagvormittag detailliert beschrieben: Danach hatte der Attentäter fast eine halbe Stunde Zeit, um in der Basilika von Notre-Dame-de-l’Assomption in Nizza seine Bluttat zu verrichten. Um 8.29 Uhr betrat er die Kirche. Er hatte einen Koran, zwei Mobiltelefone und drei Messer dabei, davon eines mit einer 17 Zentimeter langen Klinge. Der Angreifer tötete zuerst eine sechzigjährige Gläubige mit einem der Messer. Nach Angaben des Staatsanwaltes schnitt er ihr auf eine Weise die Kehle durch, „die einer Enthauptung nahe kam“. Auch dem 55 Jahre alten Küster der Kirche fügte er eine tiefe Wunde am Hals zu, sodass dieser starb. Eine 44-jährige Frau konnte sich um 8.54 Uhr trotz mehrerer Messerstiche in eine benachbarte Bar flüchten. Dort erlag sie aber ihren Verletzungen. Ihre letzten Worte galten ihren geliebten Kindern, wurde berichtet. Die ersten Polizeikräfte drangen um 8.57 in die Kirche ein, worauf der Täter offenbar fliehen wollte. Die ersten Schüsse der Beamten mit einer elektrisch betriebenen Pistole verfehlten ihre Wirkung. So schossen sie mit ihren herkömmlichen Pistolen 14 mal auf den Täter. Schwerverletzt wurde er ins Krankenhaus eingeliefert. Trotz seiner Verletzungen rief er mehrmals „Allah Akbar“ (Allah ist groß).

          Christian Schubert
          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland.

          Der Tunesier ist nach den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft erst am Donnerstagmorgen um 6.47 am Bahnhof von Nizza angekommen. Den Sicherheitsdiensten war er nicht bekannt. Möglicherweise um Spuren zu verwischen, wechselte er am Bahnhof die Schuhe und drehte seine Jacke von der Innen- zur Außenseite. Um 8.13 Uhr verließ er den Bahnhof, um sich zu der nahegelegenen Kirche zu begeben, die nur 400 Meter entfernt liegt.

          Am Donnerstagabend wurde auch ein 47 Jahre alter Mann festgenommen, berichtete die Nachrichtenagentur AFP. Er steht unter Verdacht, Kontakt mit dem Täter gehabt zu haben.

          Unterdessen verschärfte sich am Freitag in der Debatte um die richtigen Gegenmaßnahmen der Ton. Der Abgeordnete des Departements Alpes-Maritimes, Eric Ciotti, forderte eine Art „französisches Guantanamo“ für die größten Gefährder. „Wir brauchen spezielle Haftvorkehrungen für jene, die als potentielle Terroristen registriert sind. Wir wissen, dass sie gefährlich sind, und dennoch lässt man sie in Freiheit, sodass sie unser Land bedrohen“, klagte der Politiker der konservativ-bürgerlichen Oppositionspartei LR, in dessen Wahlkreis Nizza liegt. Marine Le Pen vom Rassemblement National forderte spezielle Gerichte für Terrorverdächtige.

          Die französische Verteidigungsministerin Florence Parly bestätigte am Freitag die Ankündigung von Präsident Macron, dass die Personalstärke der Militärpatrouillen im ganzen Land von 3000 auf 7000 Soldaten erhöht werde. Die Aufstockung habe schon am Donnerstag begonnen. Vor allem vor Kirchen und Schulen sollen die Soldaten patrouillieren. Die Koordination erfolge zusammen mit dem Innenministerium und mit den Präfekten vor Ort.

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