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Attentat in Israel : Blutige Eskalation in Jerusalem

Bild: AFP

Der rechte jüdische Aktivist Yehuda Glick ist in Jerusalem niedergeschossen worden. Der Bürgermeister spricht von einem terroristischen Akt, die Polizei fürchtet Zusammenstöße zwischen Juden und Muslimen. Der Attentäter ist mittlerweile selbst tot.

          Jerusalem kommt nicht zur Ruhe. Obwohl die israelische Regierung die Sicherheitskräfte nach dem jüngsten Angriff auf eine Straßenbahnhaltestelle mit zwei Toten noch einmal verstärkt hat, ist es in der Nacht zum Donnerstag zu einer weiteren Eskalation gekommen. Am Morgen erschoss ein Einsatzkommando der israelischen Polizei im arabischen Stadtteil Abu Tor einen Palästinenser.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Nach Erkenntnissen der Polizei soll der 32 Jahre alte Mann am späten Mittwochabend das Feuer auf den rechtsnationalen jüdischen Rabbiner Jehuda Glick eröffnet haben. Bei dem Palästinenser soll es sich um den Motorradfahrer handeln, der aus nächster Nähe mehrere Schüsse auf Glick abgefeuert habe. Der Palästinenser habe auf Polizisten geschossen, als sie ihn festnehmen wollten, sagte ein Polizeisprecher. In dem folgenden Schusswechsel sei er dann getötet worden.

          Jehuda Glick, der dafür kämpft, dass Juden besseren Zugang auf dem Tempelberg erhalten, wurde schwer verletzt. Sein Zustand sei ernst, aber stabil, teilte ein Krankenhaussprecher am Donnerstag mit. Der Rabbiner hatte am Mittwochabend eine Konferenz veranstaltet, auf der er und andere Teilnehmer sich dafür einsetzten, den jüdischen Tempel wieder zu errichten, wo heute Al-Aqsa-Moschee und Felsendom stehen. Für Donnerstag hatten jüdische Aktivisten zu einem Marsch auf den Tempelberg aufgerufen. Der Tempelberg in der Altstadt ist einer der umstrittensten Orte der Welt. Er gehört zu den heiligsten Stätten der Juden und Muslime. Gebete sind dort generell jedoch nur Muslimen erlaubt.

          Palästinenser und Muslime in der ganzen Welt befürchten schon seit längerer Zeit, dass radikale Juden das drittwichtigste muslimische Heiligtum unter ihre Kontrolle bringen wollen. Im israelischen Parlament wurde im Frühjahr über einen entsprechenden Gesetzesentwurf diskutiert.

          Yehuda Glick im Januar 2010

          Muslime verehren den Hügel im Südosten der Stadt als Heiligutm.. Der im Jahr 638 unter Kalif Omar begonnene Felsendom mit seiner weithin sichtbaren goldenen Kuppel steht nach islamischer Überlieferung an der Stelle, von der der Prophet Mohammed mit seinem Pferd in den Himmel ritt. Zusammen mit der benachbarten Al-Aqsa-Moschee ist er eines der wichtigsten islamischen Heiligtümer.

          Nach jüdischer Glaubenslehre standen auf dem Tempelberg zwei später zerstörte jüdische Tempel. Die Klagemauer gehört zu den Resten der ehemaligen westlichen Stützmauer des zweiten Tempels, der in der Zeit des Königs Herodes (73 bis 4 vor Christus) erbaut wurde.

          Aus Angst vor neuen Ausschreitungen wurde am Donnerstagmorgen Muslimen wie Juden der Zugang zum Tempelberg und den Moscheen erschwert. Zuvor war es zu gewaltsamen Protesten in Ostjerusalem gekommen. In Jerusalem befürchtet man zudem, dass extremistische Juden den Angriff rächen könnten. Mit den Schüssen sei eine „rote Linie aus Blut“ überschritten worden, sagte Wirtschaftsminister Naftali Bennett, der Vorsitzende der nationalreligiösen Partei „Jüdisches Heim“.

          Der mutmaßliche Mordanschlag weitete die Konfliktzone nach Westjerusalem aus. Glick wurde vor dem Menachem-Begin-Gedenkzentrum niedergeschossen, das – zwar noch in Sichtweite der Stadtmauern – zwischen dem Kinokomplex Cinematheque und dem renovierten Alten Bahnhof liegt, in dem sich zahlreiche Restaurants und Cafés befinden.

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