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Anschlag auf Atomphysiker : Irans Präsident Rohani beschuldigt Amerika und Israel

  • Aktualisiert am

Der iranische Präsident Hassan Rohani im März 2020 in Teheran Bild: dpa

Nach dem Attentat auf einen Kernphysiker äußert Präsident Hassan Rohani Vorwürfe gegen Amerika und Israel. Auch der Oberste Führer, Ali Chamenei, nimmt Stellung. Unterdessen werden weitere Details des Anschlags bekannt.

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          Der iranische Präsident Hassan Rohani hat den Vereinigten Staaten und Israel vorgeworfen, hinter dem Mordanschlag auf den Kernphysiker Mohsen Fakhrisadeh zu stehen. „Abermals sorgten der Imperialismus und sein zionistischer Söldner für ein Blutvergießen und den Tod eines iranischen Wissenschaftlers“, sagte Rohani am Samstag im Staatsfernsehen. Die iranische Nation werde „zu gegebener Zeit“ darauf reagieren.

          Dieser „Terroranschlag“ beweise lediglich die Angst der Feinde Teherans vor dem technologischen Fortschritt der Islamischen Republik, sagte der Präsident weiter. Der Mord werde das Land jedoch nicht davon abhalten, den Weg Fakhrisadehs noch konsequenter fortzusetzen.

          Chamenei ruft zur Bestrafung auf

          Auch Irans Oberster Führer, Ajatollah Ali Chamenei, äußerte sich am Samstag. Auf seinem Twitter-Konto hieß es, Fakhrisadeh sei von „kriminellen und grausamen Söldnern“ getötet worden. Chamenei rief dazu auf, die Verantwortlichen entschieden zu bestrafen und den Weg Fakhrisadehs weiter zu verfolgen.

          Iran hat Israel auch für das Attentat auf den Atomwissenschaftler Madschid Schahriari vor fast genau zehn Jahren sowie für weitere gezielte Tötungen verantwortlich gemacht. Die amerikanische Zeitung „New York Times“ berichtete am Samstag, ein amerikanischer Offizieller und zwei Geheimdienstmitarbeiter hätten erklärt, dass Israel hinter dem Attentat stehe. Es sei unklar, ob die amerikanische Regierung vorher informiert gewesen sei, doch beide Staaten seien engste Verbündete. In amerikanischen Medien gab es Berichte, wonach ein Marineverband in den Persischen Golf verlegt worden sei, was mit dem Truppenteilabzug aus Afghanistan begründet wurde.

          Der am 27. November ermordete iranische Wissenschaftler Mohsen Fakhrizadeh auf einem undatierten Foto
          Der am 27. November ermordete iranische Wissenschaftler Mohsen Fakhrizadeh auf einem undatierten Foto : Bild: Reuters

          Fakhrisadeh war am Freitag in Ab-Sard, einem östlichen Vorort der Hauptstadt Teheran, erschossen worden. Das Verteidigungsministerium in Teheran sprach von einem „Märtyrertod“. Der Kernphysiker war Mitglied der Revolutionsgarde und ein Experte für die Herstellung von Raketen gewesen. Zuletzt leitete Fakhrisadeh die Abteilung für Forschung und technologische Erneuerung im Verteidigungsministerium.

          Mit militärischer Präzision

          Der Angriff auf ihn scheint genau geplant und mit militärischer Präzision durchgeführt worden zu sein. Nach Angaben des iranischen Staatsfernsehens explodierte eine Bombe auf einem alten Lkw unter einer Holzladung in dem Moment, als Fakhrisadehs Wagen vorbeifuhr. Mindestens fünf Bewaffnete seien dann aus Verstecken gekommen und hätten das Feuer auf das Auto eröffnet, berichtete die halbamtliche Nachrichtenagentur Tasnim. 

          Der iranische Atomchef Ali-Akbar Salehi versicherte am Samstag, Fakhrisadehs Ermordung werde den Fortschritt des iranischen zivilen Atomprogramms weder aufhalten noch beeinträchtigen. „Der Weg Fakhrisadehs wird jetzt erst recht noch intensiver fortgesetzt“, sagte er.

          Das Auto, in dem Mohsen Fakhrizadeh am 27. November in Ab-Sard, einem östlichen Vorort der
iranischen Hauptstadt Teheran, erschossen wurde.
          Das Auto, in dem Mohsen Fakhrizadeh am 27. November in Ab-Sard, einem östlichen Vorort der iranischen Hauptstadt Teheran, erschossen wurde. : Bild: AP

          Viele Teheraner Beobachter sahen in dem Anschlag auch einen Versuch Israels und der Regierung des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, einen Neuanfang der Beziehungen zwischen Teheran und Washington zu torpedieren. Der gewählte Präsident Joe Biden hat angekündigt, ein neues Atomabkommen mit Iran verhandeln zu wollen.

          „Das war nicht nur ein Anschlag auf den Professor, sondern auf die bevorstehenden diplomatischen Bemühungen beider Länder nach der Amtsübernahme von Joe Biden“, schrieb der Politologe Mohsen Milani auf Twitter. Ähnlich sieht es die prominente iranische Journalistin Sahra Asghari. „Der Anschlag war der Preis, den Iran für Trumps Wahlniederlage bezahlen musste.“

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