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Attentäter von Sri Lanka : Sie spielten Fußball und predigten Hass

Keine Entwarnung: Sicherheitskräfte am Freitag vor einer Moschee in Colombo Bild: AFP

Immer mehr Details über die Attentäter der Osteranschläge in Sri Lanka kommen ans Licht. Sie waren gut organisiert und kamen aus ganz unterschiedlichen Bevölkerungsschichten. Sri Lankas Präsident Sirisena vergleicht die Anschläge mit dem 11. September 2001.

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          Immer mehr Einzelheiten werden über die Täter der Osteranschläge in Sri Lanka bekannt: Sie kamen aus vergleichsweise wohlhabenden Familien, spielten Fußball und erhielten militärisches Training. Die Details weisen auf eine Gruppe gewaltbereiter Islamisten hin, die wohl auch Kontakt zur Terrormiliz „Islamischer Staat“ gehabt hatte. Ihr Anführer war ein radikaler Hassprediger mit dem Namen Zahran Hashim, der schon vor Jahren gemäßigteren Muslimen negativ aufgefallen war. Die Bedenken, die teilweise von Mitgliedern der muslimischen Gemeinden vorgebracht worden war, blieben aber offenbar ungehört, obwohl im Internet Tausende den Ergüssen des Mannes gefolgt waren.

          Till Fähnders
          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Warnungen hatte es allenthalben gegeben, auch konkret mit Namen, Adressen und möglichen Zielen von Seiten ausländischer Geheimdienste. Die mutmaßlichen Täter waren eindeutig als Angehörige der Terrorgruppe National Thowheed Jamath (NTJ) identifiziert worden, einer Gruppe sri-lankischer Salafisten, die bisher kaum in Erscheinung getreten war und deren geistiger und organisatorischer Anführer offenbar Zahran Hashim war. Daneben gehörten zwei Söhne eines bekannten Gewürzhändlers dazu, die Ehefrau eines der Brüder und ein ehemaliger Austauschstudent, der nach Aufenthalten in Großbritannien und Australien in seine Heimat zurückgekehrt war. Ein Mann mit dem Namen Army Mohideen soll als zweiter Anführer für militärisches Training zuständig gewesen sein und die Bomben gebaut haben.

          Die Herkunft der Mitglieder und die Organisation der Gruppe ähneln den Hintergründen eines schweren Anschlags, der Südasien heimgesucht hatte. Vor drei Jahren hatten Angreifer mit Macheten und anderen Waffen die „Holey Artisan Bakery“ in Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesch, gestürmt. In dem beliebten Restaurant im Diplomatenviertel hielten sie über Nacht vor allem ausländische Gäste fest. Wer keine Koranverse rezitieren konnte, wurde auf grausame Weise getötet. Unter den Tätern waren ehemalige Studenten, die aus für Landesverhältnisse gutsituierten Familien stammten.

          Anschläge waren gut organisiert

          In Sri Lanka ist nun von neun Selbstmordattentätern die Rede, darunter einer Frau. Der mutmaßliche Drahtzieher Hashim war einer von zwei Attentätern, die sich im Hotel Shangri-La in die Luft gejagt hatten. Der zweite war Ilham Ibrahim, der jüngere Sohn des Gewürzhändlers. Sein Bruder Inshaf Ibrahim zündete seine Bombe am Buffet des Hotels Cinnamon Grand. Ilham Ibrahims Ehefrau detonierte später einen Sprengsatz, als die Polizei ihr Haus im Stadtteil Dematagoda gestürmt hatte. Sie, ihre zwei Kinder und drei Polizeibeamte wurden getötet. Ein weiterer Attentäter war Abdul Lathief Jameel Mohamed, der in England und Australien studiert hatte.

          Einer der Täter war wohl der Chef einer Kupferfabrik. Er hatte Material für den Bombenbau besorgt. Die meisten Täter waren etwas älter als dreißig Jahre. Das, was sie in Kirchen und Hotels angerichtet haben, gehört zu den schwersten Anschlägen, die im Namen des „Islamischen Staats“ verübt worden sind. Daran ändert auch nichts, dass das Gesundheitsministerium die Zahl der Toten drastisch nach unten korrigierte. Statt der zuletzt genannten 359 Toten sollen es nun mindestens 250 Tote sein. Der Fehler wurde mit dem Zustand der Leichen begründet, der eine eindeutige Zuordnung erschwert habe. Auch die Zahl der Verletzten wurde nach unten korrigiert, von mehr als vierhundert Personen auf knapp 150.

          Dass es mutmaßlich Verbindungen der sri-lankischen Zelle zum „Islamischen Staat“ gab, zeigt nicht nur das IS-Bekennerschreiben, das nach den Anschlägen verbreitet worden war. Die Attentäter selbst sollen sich in einem Video aufgenommen haben, in dem sie dem IS-Anführer die Treue schwören. Das Video zeigt einen Kreis von sieben vermummten Personen sowie eine unvermummte Person in der Mitte, bei der es sich um Hassprediger Zahran Hashim handeln soll. Die Gruppe hatte laut Polizei in den Ostprovinzen Nuwara Eliya und Wanathawilluwa trainiert. Auf einer Kokospalmenplantage in Wanathawilluwa hatten Polizisten im Januar etwa 100 Kilogramm Sprengstoff gefunden. Das weckte damals erste Befürchtungen über ein islamistisches Terrornetzwerk.

          Großfahndung nach Mittätern läuft

          In ihrem Camp sollen die Islamisten Fußball gespielt haben, wie die Polizei auf Twitter berichtete. Den Hinweisen zufolge nutzten sie wohl auch intensiv die sozialen Medien. In diesem Zusammenhang fällt immer wieder der Name eines bekannten indischen Islamisten: Zakir Naik. In seinen auf Youtube verbreiteten Reden rechtfertigt der indische Prediger Terror in meist indirekter Weise. Sie sollen auch die Attentäter von Bangladesch beeinflusst haben. Nach dem Anschlag auf das Restaurant in Dhaka hatte Indien Naik den Pass entzogen. Hassprediger Zahran Hashim äußerte sich in einem Video dazu. „Seit Jahren hat der Mann seine Reden verbreitet, ohne dafür verbannt worden zu sein“, sagte Hashim. „Was können Sri Lankas Muslime für Dr. Zakir Naik tun?“

          Fieberhaft jagen die Behörden nun nach weiteren Personen, die Verbindungen zu den Terroristen haben und angeblich weitere Anschläge planen. Sie veröffentlichen Fotos von Verdächtigen. Bei mindestens zwei Personen soll es sich um mutmaßliche Selbstmordattentäter handeln. Laut Präsident Maithripala Sirisena wird nach bis zu 140 Personen mit „IS-Verbindungen“ gefahndet. Er teilte mit: „Ich werde den IS aus Sri Lanka vertreiben. Unsere Polizei und Sicherheitskräfte sind in der Lage, das zu erreichen.“ Am Freitag fanden Polizisten und Soldaten in einem Wohnhaus mehrere Sprengstoffwesten und Materialien zur Bomben-Herstellung. Nach der Razzia gab es im Osten des Landes drei Explosionen und eine Schießerei, teilte die Polizei mit. Sieben Muslime seien fest festgenommen worden.

          Sirisena verglich den mehrere Tage zurückliegenden Anschlag mit der Attacke auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001. Selbst die Vereinigten Staaten hätten so etwas nicht verhindern können, sagte er. Christliche und muslimische Geistliche riefen die Menschen am Freitag dazu auf, ihre Gotteshäuser zu meiden. Während die Christen weitere Bomben befürchten, steht bei den Muslimen die Angst vor Racheakten im Vordergrund.

          Nachdem so viele Warnungen ignoriert worden waren, zog die Regierung zudem erste Konsequenzen. Der Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Hemasiri Fernando, trat am Donnerstag zurück, Polizeichef Pujith Jayasundara folgte ihm am Freitag.

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