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Attentäter von Oslo : Neues Gutachten stuft Breivik als schuldfähig ein

  • Aktualisiert am

Ein zweites Gutachten hält den geständigen Massenmörder Breivik für „geistig gesund“ Bild: dapd

Ein zweites psychologisches Gutachten über den Massenmörder von Oslo, der im vergangenen Juli 77 Menschen getötet hatte, hält Anders Behring Breivik doch für geistig gesund.

          Ein neues psychiatrisches Gutachten hat den norwegischen Attentäter Anders Behring Breivik als voll zurechnungsfähig eingestuft und damit einer anderslautenden ersten Einschätzung widersprochen. Breivik hat gestanden, am 22. Juli 2011 einen Bombenanschlag im Zentrum von Oslo und ein Massaker im Sommerlager der norwegischen Jungsozialisten auf der Insel Utøya verübt zu haben. Dabei kamen 77 Menschen um, Hunderte wurden verletzt. Der Täter sitzt seither in Untersuchungshaft.

          Im Dezember hatten ihm zwei Gutachter eine schwere Persönlichkeitsstörung attestiert, woraus sich nach norwegischem Recht als Höchststrafe nicht eine Gefängnishaft mit anschließender lebenslanger Sicherungsverwahrung, sondern die Einweisung in eine geschlossene Anstalt ergeben würde. Mehrere Opferanwälte haben gegen diese Diagnose protestiert, auch die Verteidiger des Angeklagten widersprachen ihr.

          Beiden Seiten gibt nun das am Dienstag vorgelegte Zweitgutachten recht: Breivik habe zum Tatzeitpunkt nicht unter einer schweren Psychose gelitten, heißt es darin. Nun müssen die Richter am Amtsgericht in Oslo entscheiden, welchem der beiden Ratschläge sie folgen. Am kommenden Montag beginnt dort der Prozess gegen Breivik, ein Urteil wird im Juni erwartet.

          Das Gericht hatte ein zweites Gutachten veranlasst. „Das Hauptergebnis der Experten ist, dass Anders Behring Breivik zum Zeitpunkt seiner Taten am 22. Juli 2011 nicht psychotisch gewesen ist“, hieß es in der Erklärung des Gerichts. Das zweite Gutachten wurde von den Psychiatern Terje Tørrissen und Agnar Aspaas erstellt, das erste von Torgeir Husby und Synne Sørheim.

          Prozessbeginn am 16. April

          Bei dem Prozess gegen Breivik, der am 16. April beginnen und zehn Wochen dauern soll, werden beide Gutachten berücksichtigt. Sollte das Gericht bei einem Schuldspruch urteilen, dass Breivik zum Zeitpunkt der Tat nicht geistig gesund war und somit nicht straffähig ist, kommt er nicht ins Gefängnis, sondern wird in eine geschlossene psychiatrische Einrichtung eingewiesen.

          Breiviks Anwalt hatte nach dem ersten Gutachten erklärt, sein Mandant halte sich für zurechnungsfähig. Für Breivik sei Psychiatrie „schlimmer als der Tod“. Breivik hatte die Psychiater des ersten Gutachtens in einem Brief an norwegische Medien der Lüge bezichtigt. Sie hätten 80 Prozent ihrer Aussagen über ihn erfunden, hieß es in einem Schreiben, aus dem die norwegische Zeitung „VG“ Auszüge veröffentlichte.

          Breivik hat die Taten zugegeben. In seinem Geständnis bezeichnete der 32-Jährige die Morde als „grausam, aber notwendig“. Als Tatmotiv gab der rechtsradikale Attentäter Hass auf den Islam und die in Norwegen regierenden Sozialdemokraten an. Seine Tat plante er nach eigenen Angaben neun Jahre lang. Vor dem Massaker stellte er ein 1500-seitiges Manifest ins Internet, das sich unter anderem gegen „Kulturmarxismus“ und die Einwanderung von Muslimen richtet.

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