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Atomwaffen : Nordkorea testet die Bombe

  • Aktualisiert am

Flammender Protest auf den Straßen von Seoul Bild: AFP

Nordkorea hat nach 2006 zum zweiten Mal unterirdisch einen atomaren Sprengsatz getestet. Der Test sei „erfolgreich“ verlaufen. Kurz darauf soll das Regime auch noch eine Kurzstreckenrakete abgeschossen haben. Der Weltsicherheitsrat will nach russischen Angaben noch heute zu einer Sondersitzung zusammenkommen.

          Nordkorea hat am Montag einen zweiten unterirdischen Atomtest unternommen und damit weltweit Besorgnis und Kritik ausgelöst. Südkorea und Japan forderten eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats. Der Test sei Teil der „Maßnahmen zur Stärkung der atomaren Abschreckungskräfte zur Selbstverteidigung in jeder Hinsicht“ gewesen, hieß es in einem Bericht der staatlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA. Die Explosion sei diesmal stärker gewesen als beim ersten Atomtest des kommunistischen Landes im Oktober 2006. Die amerikanische Regierung verurteilte den Test in scharfer Form.

          Der Weltsicherheitsrat will nach russischen Angaben noch an diesem Montag zu einer Sondersitzung zusammenkommen. Das berichteten Nachrichtenagenturen in Moskau unter Berufung auf den russischen UN-Gesandten Vitali Tschurkin in New York. Russland hat derzeit den Vorsitz im Sicherheitsrat. Die japanische Regierung hatte sich zuvor für eine Sondersitzung ausgesprochen.

          Die russischen Streitkräfte hatten am Montag den Atomwaffentest in Nordkorea bestätigt. Die Kernexplosion habe eine Kraft von 10 bis 20 Kilotonnen gehabt, sagte ein Sprecher nach Angaben der Agentur Interfax. Die Detonation sei etwa 80 Kilometer nordwestlich der Stadt Kilchu im Nordosten des Landes registriert worden. Seismologen der amerikanischen Erdbebenwarte sprachen von einem Erdbeben der Stärke 4,7 in Nordkorea, das vermutlich vom Atomtest ausgelöst wurde.

          Extrablatt in Tokio

          Nach seinem Atomtest hat Nordkorea laut einem Bericht der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap auch noch eine Kurzstreckenrakete zu Testzwecken abgeschossen. Eine einzelne Boden-Luft-Rakete mit einer Reichweite von 130 Kilometern sei am Montag aus Musudan Ri abgefeuert worden, berichtete Yonhap. Der Generalstab der südkoreanischen Armee versetzte die Truppen nach Angaben eines Sprechers in erhöhte Alarmbereitschaft. Truppenbewegungen im benachbarten Nordkorea würden genau beobachtet. Für den Atomtest gibt es laut Generalstab keine offizielle Bestätigung aus Seoul, er erscheine aber sehr wahrscheinlich.

          Die Vereinigten Staaten haben beunruhigt auf die Berichte reagiert. „Wir sind ernsthaft besorgt“, verlautete am Montag aus dem Außenministerium. Nun werde auch mit dem UN-Sicherheitsrat darüber beraten, welche Schritte als nächstes unternommen werden.

          Solana: „Harte Antwort gerechtfertigt“

          Die Europäische Union hat den Atomtest Nordkoreas scharf verurteilt. „Diese unverantwortlichen Handlungen rechtfertigen eine harte Antwort der internationalen Gemeinschaft“, heißt es in einer Erklärung des EU-Außenbeauftragten Javier Solana vom Montag in Brüssel. Nordkorea bedrohe abermals den regionalen Frieden und die Sicherheit in Nordost-Asien. „Dies ist eine ungeheuerliche Verletzung der UN-Sicherheitsrats-Resolution 1718 durch Nordkorea“, erklärte EU-Chefdiplomat Solana.

          Frankreich kündigte an, sich „in den nächsten Stunden mit den Partnern im UN-Sicherheitsrat und in der Region über eine Verschärfung der Sanktionen“ gegen Nordkorea abzustimmen. Der britische Premierminister Gordon Brown verurteilte den neuen Atomtest als „falsch, töricht und Gefahr für die Welt“.

          Die UN-Behörde zur Überwachung des internationalen Atomwaffen-Teststoppabkommens (CTBTO) hat den Atomwaffentest verurteilt, den Nordkorea nach eigenen Angaben unternommen hat. Die Explosion sei eine „Bedrohung der internationalen Sicherheit und des Friedens“, sagte CTBTO-Chef Tibor Toth in einer in Wien veröffentlichten Erklärung. Der Test sei ein „ernster Verstoß“ der im Internationalen Teststopp-Abkommen festgelegten Normen und müsse deshalb „weltweit scharf verurteilt“ werden. Die CTBTO wurde als UN-Organisation mit Sitz in Wien in den 1990er Jahren eingerichtet, um die Einhaltung des internationale Atom-Teststoppabkommens zu überwachen. Allerdings ist dieses Abkommen bis heute noch nicht in Kraft, da mehrere wichtige Staaten - darunter Amerika - es bisher noch nicht ratifiziert haben.

          Börsenhändler gelassen

          Der Aktienmarkt im benachbarten Südkorea rutschte nach der Nachricht vom Atomtest ins Minus, die Landeswährung Won gab nach. Auch der Nikkei in Tokio gab einige Gewinne wieder ab. Doch langfristig zeigten sich die Experten dort eher gelassen und schienen an Provokationen aus Nordkorea schon fast gewöhnt zu sein. „Nordkorea ist so ein Land, das solche Sachen macht“, sagte Hideyuki Ishiguro von Okasan Securities. Deshalb seien die Auswirkungen auf den Markt eher gering. Allerdings trage die Entwicklung durchaus zur politischen Unsicherheit in der Region bei. Aber die Investoren interessierten sich trotzdem viel mehr für Konjunkturdaten und die Zukunft des Autobauers GM.

          „Beständige Politik“

          Nordkorea will nach Experten-Meinung mit dem neuerlichen Atomtest den Druck auf die internationale Gemeinschaft erhöhen, um weitere Zugeständnisse zu erreichen. In einer Reaktion sagte die Nordkorea-Expertin des Shanghaier Instituts für internationale Beziehungen, Yu Yingli, der Atomtest habe vor allem politische Bedeutung. „Das ist beständige Politik und reiht sich wie der Raketenabschuss im April ein in eine Serie ähnlicher Aktivitäten“, sagte Yu Yingli. „Der Zweck ist, den Druck auf die Weltgemeinschaft zu erhöhen, damit Nordkorea erreicht, was es will und braucht.“ Nach innen könne Militärmachthaber Kim Jong Il auch seine Position im Volk und die Kontrolle über das Land stärken.

          Chinas Außenministerium in Peking hatte auf Anfrage zunächst noch keinen Kommentar zu dem Atomtest. Die Expertin erwartete eine ähnlich gemäßigte Reaktion Chinas, der Vereinigten Staaten und Südkoreas wie nach dem Raketenabschuss im April. Möglicherweise werde der Sicherheitsrat wieder eine Erklärung beschließen. Doch rechnete die Expertin nicht mit Wirtschaftssanktionen, die ohnehin keine Abschreckungswirkung auf Nordkorea hätten. Ob Nordkorea jemals sein Atomwaffenprogramm aufgeben wollte, wie in der Sechs-Parteien-Verhandlungen angestrebt, bezweifelte Yu Yingli. Nordkorea habe einen langfristigen Plan, sich zu einer Atommacht zu entwickeln.

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