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Atomverhandlungen mit Iran : Ein Jahr und die Bombe

Auf diesem Stand ist das Anreicherungsprogramm mit dem Genfer Übergangsabkommen von 2013 eingefroren. Iran wollte seinen Bestand mindestens behalten, die amerikanische Seite ihn auf einige hundert begrenzen. Zuletzt war davon die Rede, dass man sich auf die Spanne zwischen 6500 und 9000 Zentrifugen angenähert habe. Maßgeblich für die „Ausbruchszeit“ ist aber nicht nur die reine Zahl. Es besteht eine direkte Wechselwirkung mit anderen Fragen, etwa: Sind es weiter entwickelte Anlagen? Wie groß ist der Vorrat an angereichertem Material?

Forschung und Entwicklung

Diese Frage hat sich immer mehr in den Vordergrund geschoben. Iran betrachtet sich als Hochtechnologieland und will deshalb auch weiter Pionierarbeit leisten dürfen. Es liegt aber auf der Hand, dass es Auswirkungen auf die „Ausbruchszeit“ hat, wenn die Iraner Expertise für noch weiter modernisierte Zentrifugen gewinnen, selbst wenn diese noch nicht arbeiten.

Zähe Verhandlungen: Der amerikanische Außenminister John Kerry und Irans Außenminister Dschawad Zarif in Lausanne.

So stellte die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) im vergangenen Jahr fest, dass iranische Wissenschaftler testweise eine einzelne Zentrifuge allerneuesten Typs (IR5) mit Uranhexafluorid laufen ließen, was mindestens gegen den Geist des Genfer Interimsabkommens verstieß. Amerikanische Regierungsvertreter werden zitiert, sie hätten sich davon überzeugt, dass es sich nicht um einen von oben angeordneten Täuschungsversuch gehandelt habe, sondern um eine versehentliche Übertretung.

Fordo

Die Sechsergruppe scheint von der Forderung abgekommen zu sein, die unter einem Berg verbunkerte Anreicherungsanlage Fordo müsse zerstört werden. Doch soll sie mindestens nicht zur Anreicherung und auch nicht zu entsprechenden Forschungen verwendet werden.

Vorräte

Je größer die in Iran gelagerten Bestände an angereichertem Uran, desto kürzer die Ausbruchszeit. Deshalb ist das russische Angebot wichtig, diese Vorräte zu übernehmen und Iran dafür Brennstäbe für sein bislang einziges Kraftwerk zu liefern. Außerdem gilt das als Beleg für die kooperative Rolle der Russen, ungeachtet aller sonstigen geopolitischen Differenzen.

Plutonium

Irans religiöser Führer Ajatollah Ali Chamenei wirft den Amerikanern Hinterhältigkeit vor.

Dass Iran einen Schwerwasserreaktor in Arak bauen will, hat den Verdacht nahegelegt, dass es sich hier einen zweiten Weg zu waffenfähigem Nuklearmaterial eröffnen wollte und damit zu einer Plutoniumbombe. Die Sechsergruppe hat offenbar schon im Laufe des vergangenen Jahres die Forderung nach einem Abriss fallengelassen, weil Iran eine Modifikation vorgeschlagen hat, durch die die Möglichkeit zur Entnahme von Plutonium begrenzt werden könnte.

Die Rolle der IAEA

Die westlichen Unterhändler fordern, dass Iran nicht nur das Zusatzprotokoll zum Nichtverbreitungsvertrag anwendet, sondern sich strengeren Kontrollen unterwirft. Das könnten beispielsweise Spontaninspektionen und über das Internet steuerbare Überwachungskameras sein. Das wäre Aufgabe der Atomenergiebehörde. Auch um die IAEA nicht zu schwächen, unterstützt die Sechsergruppe deren Forderung, Iran müsse Fragen zu einer möglichen militärischen Dimension seines Atomprogramms auch in der Vergangenheit beantworten. Hier war Teheran zuletzt wenig kooperativ. Möglich wäre eine Koppelung auch dieser Fragen an eine schrittweise Aufhebung von Sanktionen.

Laufzeit

Eine Annäherung, aber noch keine Einigung hat es bei der Frage gegeben, wie lange das angestrebte umfassende Abkommen mit seinen Einschränkungen für Teheran gelten soll. Auf amerikanischer Seite war ursprünglich von bis zu 25 Jahren die Rede. Inzwischen wird über eine „zweistellige Zahl“ von Jahren verhandelt, also mindestens eine Dekade.

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