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Atomtest in Nordkorea : Der Desperado hat wieder zugeschlagen

Ob Zufall oder dreiste Provokation: Nordkorea zündete seine Atomwaffe ein paar Stunden vor Obamas Rede zur Lage der Nation. Das kann man als hämischen Kommentar eines Regimes lesen, das gar nicht daran denkt, einzulenken.

          Nordkorea hat seine Drohung wahrgemacht und abermals einen atomaren Sprengsatz gezündet - soviel also zu dem vermeintlichen Friedenswunsch des jungen Machthabers Kim aus der gleichnamigen Diktatorendynastie von vor ein paar Wochen. Zwischenzeitlich gab es einen nordkoreanischen Raketentest und eine neue Resolution des UN-Sicherheitsrates, die, bei Billigung Chinas, die gegen Nordkorea verhängten Sanktionen weiter verschärfte. Worauf das Regime im Norden der koreanischen Halbinsel hyperventilierte und jetzt die Bombe zündete.

          Und zwar zu einem Zeitpunkt, da die Region ohnehin unter Spannung steht - vor allem wegen des chinesisch-japanischen Territorialkonflikts. Zudem hat es Führungswechsel in Peking, Tokio und in Seoul gegeben. Der amerikanische Präsident hat soeben seine zweite Amtszeit begonnen. Ob Zufall oder dreiste Provokation: Der Atomversuch wurde vorgenommen ein paar Stunden vor Obamas Rede zur Lage der Nation, in der er neue weitreichende atomare Abrüstungsschritte ankündigen wollte. Das kann man als enttäuschenden, ja hämischen  Kommentar eines Regimes lesen, das gar nicht daran denkt, einzulenken und sich internationaler Kontrolle zu unterwerfen. Die Währung, über welche die kommunistische Diktatur verfügt, sind Raketen und Atombomben. Warum sollte sie die aufgeben? Diese Frage stellt sich umso mehr, je weiter die etablierten Atommächte ihre Arsenale abbauen.

          Und so sind, ähnlich wie im Falle Irans, bislang alle Versuche, Nordkorea von seinem militärischen Atomprogramm abzubringen, gescheitert. Das Regime stellt sich in aufreizender Weise gegen den UN-Sicherheitsrat; Entspannungsgesten, wie sie neulich von der neuen südkoreanischen Präsidentin kamen, werden mit Aggressivität vergolten. Nach wie vor ruht die größte Hoffnung auf China, um das Schurkenregime zur Vernunft zu bringen. Aber China kann sich nicht entscheiden, ob es vor allem an regionaler Stabilität und Sicherheit interessiert ist oder ob zu seinen Kerninteressen auch das Bündnis mit Nordkorea zählt. An den gefährlichen Provokationen Nordkoreas wird sich nichts Wesentliches ändern, solange Peking nur verhalten tadelt, dann aber wieder Nachsicht übt mit dem Atomdesperado Nordkorea.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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