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Atomstreit : Kim Jong-il reizt die Welt weiter

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Das internationale Entsetzen wegen seines Atomwaffentests am Montag lässt Nordkoreas Diktator Kim Jong-il offenbar kalt: Er provoziert die Welt weiter - und ließ am Dienstag abermals zwei Kurzstreckenraketen testen. Der UN-Sicherheitsrat, der den Atomtest scharf verurteilt hatte, arbeitet nun an einer weiteren Resolution gegen Nordkorea.

          Nach seinem international heftig kritisierten unterirdischen Atomwaffentest hat Nordkorea nach Informationen aus Seoul zwei weitere Kurzstreckenraketen getestet. Das berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap am Dienstag. Dafür habe Pjöngjang das Gebiet im Gelben Meer vor der Küste von Jungsan zum Sperrgebiet für Schiffe erklärt. In einer Dringlichkeitssitzung hatten die 15 UN-Sicherheitsratsmitglieder erst in der Nacht zum Dienstag einstimmig den Test vom Montag verurteilt und Beratungen über eine gemeinsame Entschließung aufgenommen.

          UN-Sicherheitsrat: Klarer Verstoß gegen entsprechende Resolution

          In ihrer vom russischen UN-Botschafter Witali Tschurkin verlesenen Erklärung bezeichnete der UN-Sicherheitsrat den unterirdischen Atomtest als „klaren Verstoß gegen die UN-Resolution 1718“. Laut Tschurkin nahmen die Ratsmitglieder in einem zweiten Schritt nach der Erklärung die Arbeit an einer Resolution auf. Die amerikanische Botschafterin Susan Rice sagte, Washington wolle eine „starke Entschließung mit starken Maßnahmen“ gegen Nordkorea. Mehrere westliche Vertreter, darunter auch EU-Chefdiplomat Javier Solana, befürworteten weitere Sanktionen gegen Pjöngjang. Nordkorea sei eine „ernsthafte Gefahr für Frieden und Sicherheit“, sagte Solana dem „Hamburger Abendblatt“. Nordkorea müsse für sein Verhalten „einen Preis bezahlen“, forderte der französische Vertreter Jean-Pierre Lacroix.

          Nordkoreanische Scud-B-Missiles, hier im Koreakrieg-Museum in Seoul

          Nordkorea hatte am Montag nach eigenen Angaben zum zweiten Mal seit 2006 unterirdisch einen atomaren Sprengsatz gezündet. Der neue Test ist ein schwerer Rückschlag in den seit sechs Jahren andauernden Bemühungen, Nordkorea von seinen Ambitionen auf ein Atomwaffenprogramm abzubringen. Im Oktober 2006 hatte der UN-Sicherheitsrat in seiner Resolution 1718 Nordkorea weitere Atomwaffen- oder Raketentests untersagt. Nach zwischenzeitlichen Verhandlungserfolgen hatte Pjöngjang Anfang April eine Langstreckenrakete getestet. Dies zog eine scharfe Verurteilung durch den UN-Sicherheitsrat sowie weitere Sanktionen nach sich - gefolgt von neuen nordkoreanischen Provokationen.

          Krisensitzung in Südkorea

          Südkorea berief eine Krisensitzung der wichtigsten Militärkommandeure ein. Als weitere Reaktion kündigte die Regierung in Seoul ihren Beitritt zur amerikanischen Initiative gegen die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen (PSI) an. Die 2003 gegründete Initiative erlaubt unter anderem die Durchsuchung verdächtiger Schiffe. Bisher war Südkorea nur Beobachter. Nordkorea hatte wiederholt damit gedroht, eine Beteiligung Seouls an der Initiative als Kriegserklärung aufzufassen.

          Der amerikanische Präsident Barack Obama telefonierte unterdessen mit seinem südkoreanischen Kollegen Lee Myung Bak und dem japanischen Regierungschef Taro Aso, um die weitere Reaktion auf die nordkoreanischen Provokationen zu „koordinieren“, wie das Weiße Haus mitteilte. Obama hatte den Atomtest zuvor scharf verurteilt und eine klare Antwort der internationalen Gemeinschaft gefordert.

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