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Atomstreit : Iran will noch mehr Uran anreichern

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Irans Präsident Ahmadineschad hat die neuen Urananreicherungsanlagen in Auftrag gegeben Bild: AFP

Im Streit um sein Atomprogramm setzt Iran weiter auf Konfrontation: Ab März will das Land zwei neue Uran-Anreicherungsanlagen bauen. Die EU drängt weiter auf eine gemeinsame Linie im UN-Sicherheitsrat. Der deutsche Außen-Staatsminister Hoyer sagte, man sei allmählich mit der Geduld am Ende.

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          Iran hat den Bau von zwei weiteren Anlagen zur Anreicherung von Uran angekündigt. Die Bauarbeiten sollen im März zu Beginn des iranischen Kalenderjahrs aufgenommen werden, zitierte die Nachrichtenagentur Isna am Montag den Chef der iranischen Atomenergiebehörde, Ali Akbar Salehi.

          Der Bau erfolge auf Anweisung von Präsident Mahmud Ahmadineschad, erklärte Salehi. Die neuen Anlagen sollen demnach im Gebirge versteckt errichtet werden, „um vor jeglichem Angriff geschützt zu sein“. Nach den Worten Salehis sind derzeit insgesamt zehn neuen Anreicherungsanlage geplant, für fünf von ihnen seien bereits Standorte gefunden. Längerfristig seien 20 Anlagen vorgesehen.

          Die beiden neuen Anreicherungsanlagen sollen jeweils die Kapazität der Atomanlage in Natans erreichen, wie Behördenchef Salehi ankündigte. Die bislang einzige voll funktionsfähige Urananreicherungsanlage Irans ist mit bis zu 50.000 Zentrifugen ausgerüstet. In Natans hatte die iranische Führung Anfang des Monats trotz drohender Sanktionen mit der Produktion von auf 20 Prozent angereichertem Uran begonnen. Für Atombomben müsste Uran auf 80 Prozent und mehr angereichert werden.

          „Die Verweigerungshaltung Irans nicht einfach nur so hinnehmen“

          Derweil hofft die Europäische Union weiter auf Einigkeit im UN-Sicherheitsrat über eine Verschärfung der Sanktionen im Atomstreit mit Iran. Dabei gehe es vor allem darum, auch die Vetomächte Russland und China zu überzeugen, sagte Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn am Rande eines Treffens der EU- Außenminister am Montag in Brüssel.

          „Die Iraner sollten sich nicht darauf verlassen, dass das ewig dauert“, sagte der deutsche Außen-Staatsminister Werner Hoyer unter Bezug auf die Beratungen des UN-Sicherheitsrates. „Der letzte IAEA- Bericht ist außerordentlich beunruhigend.“ Die UN-Atomenergiebehörde IAEA hatte festgestellt, es gebe schlüssige und glaubhafte Informationen, die auf Arbeiten Teherans an einer Atombombe hindeuteten. „Wir wollen nach wie vor eine diplomatische Lösung“, sagte Hoyer. „Aber wir sind in einer Situation, wo auch unsere Geduld ein Ende findet. Wir können die Verweigerungshaltung des Irans nicht unablässig einfach nur so hinnehmen.“

          „Nur wenn die internationale Gemeinschaft geeint ist, wird sie irgendetwas ausrichten können“, sagte der schwedische Außenminister Carl Bildt. „Und mit der internationalen Gemeinschaft meine ich das, was wir im Sicherheitsrat sehen.“ Auch Hoyer sagte, Deutschland sei dafür, „diesen UN-Prozess im Vordergrund zu sehen und weiter seitens der EU aktiv zu begleiten“.

          Der UN-Sicherheitsrat hatte in den vergangenen Jahren bereits drei Mal Sanktionen gegen Iran verhängt, weil Teheran sich der Aufforderung zum Stopp der Urananreicherung widersetzte. Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten verdächtigen Iran, unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung der Nuklearenergie an der Entwicklung von Atomwaffen zu arbeiten.

          Teheran versichert, sein Atomprogramm diene allein zivilen Zwecken. Die iranische Regierung hatte im vergangenen Jahr erklärt, das Land benötige zehn neue Anlagen, um den eigenen Bedarf an angereichertem Uran zur Energiegewinnung und für medizinische Zwecke zu decken. Am vergangenen Donnerstag wurde ein Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) bekannt, wonach Iran bereits an einer Atomwaffe arbeiten könnte. Teheran bestritt dies erneut.

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