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Atomstreit : IAEA hat Belege für Irans Streben nach Kernwaffen

Theoretisch in der Lage, eine Kernwaffe zu bauen? Die Atomanlage in Buschehr (Archivbild) Bild: dpa

Iran hat in einem umfassenden Programm die Entwicklung von Atomwaffen betrieben. Nach F.A.Z.-Informationen listet ein IAEA-Bericht Belege dafür auf, dass Teheran in sämtlichen für den Bau von Kernwaffen wesentlichen Bereichen tätig ist oder war.

          Iran hat in einem umfassenden, straff organisierten Programm die Entwicklung von Atomwaffen betrieben. Das geht aus einem Bericht hervor, den die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) den fünf UN-Vetomächten sowie Iran zugeleitet hat. Nach Informationen der F.A.Z. listet das Dokument Belege dafür auf, dass das Teheraner Regime in sämtlichen für den Bau von Kernwaffen wesentlichen Bereichen tätig ist oder tätig war.

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Dazu zählen neben der Urananreicherung, welche - womöglich nur zum Teil - unter den Augen der IAEA betrieben wird, auch die Konstruktion eines atomaren Sprengkopfes, den iranische Raketen transportieren könnten, sowie die komplizierte Entwicklung eines Zündmechanismus, der eine nukleare Kettenreaktion in Gang setzen kann. Westliche Regierungen sehen sich in ihrer Auffassung bestätigt, dass Iran theoretisch in der Lage wäre, eine Atombombe zu bauen.

          Iran beteuert, sein bis zur Enttarnung 2003 geheim gehaltenes Atomprogramm diene nur friedlichen Zwecken. In Wien ist zu hören, die neue IAEA-Zusammenstellung der bekannten Geheimdienstinformationen zeige dagegen in der Gesamtschau, dass es für zahlreiche Aktivitäten Irans keine andere Erklärung als das Streben nach Atomwaffen gebe. Westliche Diplomaten erwarten, dass IAEA-Generaldirektor Amano das Dokument entgegen Forderungen Russlands, Chinas und Irans vermutlich bis Mittwochabend den Mitgliedern des Gouverneursrats als „Annex B“ zu seinem Iran-Bericht zukommen lässt.

          „Neue Etappe“ im Atomstreit

          In diesem Gremium dürfte es daraufhin Versuche westlicher Staaten geben, Iran in einer Resolution abermals zur Klärung aller Fragen anzuhalten oder sogar den UN-Sicherheitsrat aufzufordern, weiteren Druck auf Teheran auszuüben. Von einer „neuen Etappe“ im Atomstreit war in Wien die Rede, da die IAEA ihren Wissensstand nie zuvor so detailliert und sorgsam schriftlich niedergelegt habe.

          Andere verweisen aber darauf, es gebe keine „smoking gun“, also keinen wasserdichten Beweis. Tatsächlich haben die Geheimdienste nach wie vor offenbar große Lücken in ihrem Iran-Bild, wobei sie auch nicht alle Erkenntnisse mit der IAEA teilen dürften. Ein Diplomat spricht von einem unfertigen „Mosaik“, das in einigen Teilen kompletter wirke als in anderen. Ob Amano über die bisherige Sprachregelung hinausgehen würde, die Erkenntnisse als „glaubwürdig“ und „stimmig“ zu bezeichnen, galt in Wien als offen. Als unwahrscheinlich galt es, dass die IAEA ausdrücklich feststellen würde, Iran arbeite an Atomwaffen.

          Teheran wirft Amano vor, er sei eine Marionette der Vereinigten Staaten und Israels. In dem sechzehnseitigen „Annex B“ legt die IAEA aber dar, sie habe ihre Informationen von zehn verschiedenen Geheimdiensten erhalten. In Wien heißt es, nicht nur westliche Staaten hätten beigetragen. Kenner lobten, es handele sich bei Amanos Liste nicht um eine Aufstellung sämtlicher Unterstellungen, wie sie etwa iranische Exiloppositionelle regelmäßig erheben. Vielmehr habe Amano in die Liste nur Verdachtsmomente aufgenommen, die der UN-Behörde aufgrund weiterer Informationen aus anderer Quelle oder eigener Erkenntnisse plausibel erschienen.

          Kooperation mit sowjetischem Atomforscher

          Das aus zwölf Kapiteln bestehende Dokument analysiert zunächst die Programm- und Organisationsstruktur des iranischen Atomprogramms, das offenbar einer klaren Hierarchie gehorcht. Es geht sodann ebenso auf Materialbeschaffungsversuche wie auf konkrete Forschungen und Experimente ein. Während längst bekannt war, dass Iran anfangs vom Schmugglernetz des Pakistaners Khan abhing und später mit Nordkorea kooperierte, verweist das IAEA-Dokument auch auf eine enge Kooperation mit dem früheren sowjetischen Atomforscher Danilenko.

          Neue Etappe? Irans Außenminister Salehi, früher Chef der iranischen Atombehörde, traf am Montag in Sankt Petersburg Russlands Ministerpräsidenten Putin.

          Große Bedeutung scheint der Militäranlage in Parchin nahe Teheran zuzukommen. Iran behauptet, dort nur konventionelle Waffen zu entwickeln. Für die dort festgestellten Aktivitäten gebe es aber keine plausible „konventionelle“ Erklärung, sagen Fachleute.

          Einige Erkenntnisse beziehen sich auf die frühen Jahre des iranischen Nuklearprogramms. Dass Iran seine Bemühungen zum Atombombenbau 2003 gestoppt hätte, wie es die amerikanischen Geheimdienste 2007 annahmen, scheint Amanos Liste aber zu widerlegen.

          Ahmadineschad: Mit Riad reden

          Iran ist zu direkten Gesprächen mit Saudi-Arabien bereit, um Vorwürfe auszuräumen, dass es ein iranisches Mordkomplott gegen den saudischen Botschafter in den Vereinigten Staaten gegeben habe. Das sagte Präsident Ahmadineschad der ägyptischen Zeitung „Al Akhbar“. Amerika wolle mit seinen „Lügen“ einen Keil zwischen Teheran und Riad treiben, sagte der Präsident. „Die Vereinigten Staaten haben Angst vor einer Freundschaft zwischen uns und den Saudis.“ Sie planten einen Angriffskrieg gegen Iran, sagte der Präsident. (dpa)

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