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Atomstreit : Ahmadineschad ordnet Urananreicherung an

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Iran setzt im Atomstreit mit dem Westen offenbar auf Konfrontation: Noch während zahlreiche Ländervertreter bei der Münchner Sicherheitskonferenz über das iranische Atomprogramm debattierten, ordnete Präsident Ahmadineschad die Anreicherung von Uran auf 20 Prozent in seinem Land an.

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          Im Atomstreit mit Iran haben sich die Fronten übers Wochenende weiter verhärtet. Präsident Mahmud Ahmadineschad ordnete am Sonntag an, mit der Anreicherung von Uran auf zwanzig Prozent zu beginnen. Verhandlungen im Atomstreit bezeichnete er als „Spielchen“. Er sagte: „Wir haben diesen Weg nie blockiert, aber wir verschwenden auch keine Zeit für irrelevante Diskussionen.“ Einen Vorschlag der internationalen Gemeinschaft, das Uran im Ausland anreichern zu lassen, lehnte Iran bislang ab.

          Am Tag zuvor war es auf der Sicherheitskonferenz in München noch als Entgegenkommen Teherans aufgefasst worden, dass der iranische Außenminister Mottaki an der Konferenz teilnahm. Mottaki bekräftigte zwar in einer Diskussionsrunde und auf einer Pressekonferenz die grundsätzliche Bereitschaft Teherans, auf das Angebot der Staatengemeinschaft einzugehen, Uran für zivile Energieerzeugung im Ausland anreichern zu lassen. Damit soll die Möglichkeit verbessert werden, den Besitz von waffenfähigem hochangereichertem Uran zu kontrollieren. Doch ließ Mottaki Fragen nach konkreten Schritten offen.

          (Siehe auch Münchner Sicherheitskonferenz: Danke, dass Sie gekommen sind)

          Plant die Urananreicherung auf 20 Prozent im eigenen Land: Irans Präsident Ahmadineschad

          Guttenberg: „Ende der Geduld“

          Der Sicherheitsberater des amerikanischen Präsidenten, Jones, drohte daher mit Sanktionen durch den Weltsicherheitsrat. Auch der deutsche Verteidigungsminister Guttenberg sprach vom „Ende der Geduld“. Teheran habe die ausgestreckte Hand des Westens nicht nur nicht ergriffen, sondern weggeschklagen. Außenminister Westerwelle hatte zuvor schon beklagt, dass die ausgestreckte Hand der Staatengemeinschaft „ins Leere“ greife.

          Der Westen befürchtet, dass Teheran den Besitz von Atomwaffen anstrebt. Raketen, die solche Massenvernichtungswaffen transportieren könnten, hat Iran bereits. Im Arsenal sind mehrere hundert Geschosse der Typen Schahal 1 und 2, die bis zu 330 und 700 Kilometer weit reichen. Mit den mehrstufigen Raketen Schahab 5 und 6 könnten die Iraner sogar Städte in Mitteleuropa angreifen. Für den Bau einer einsatzfähigen Interkontinentalrakete benötigt Iran jedoch noch zehn bis 15 Jahre, schätzen Militärexperten.

          Ausgangsbasis für die Herstellung von Atomwaffen ist hoch angereichertes Uran, das iranische Wissenschaftler in den Nuklearfabriken Natans und Ghom herstellen. Der Westen bezweifelt, dass das Atomprogramm wie behauptet nur friedlichen Zwecken dient. Der UN-Sicherheitsrat hat 2006 erstmals den Stopp der Urananreicherung verlangt - ohne Erfolg, trotz späterer Sanktionen. Westliche Geheimdienste vermuten, dass Iran bald genügend Material für eine Bombe haben könnte. Sie rätseln aber, wann ein funktionsfähiger Sprengkopf zur Verfügung steht.

          Die Urananreicherung

          Uran ist der Ausgangsstoff für Kernenergie. Bevor jedoch aus Uran Energie erzeugt werden kann, sind technisch anspruchsvolle Arbeitsschritte notwendig. Das in der Natur vorkommende Uran enthält nur zu etwa 0,7 Prozent das spaltbare und damit für die Kernenergie verwertbare Isotop Uran-235. Der Rest ist das nicht spaltbare Uran-238. Der natürliche Anteil an Uran-235 reicht für Energiezwecke bei weitem nicht aus. Daher wird die Konzentration auf drei bis fünf Prozent erhöht. Meist mit Hilfe von Gaszentrifugen wird aus Natururan ein angereicherter und ein abgereicherter Teil hergestellt. Dieser Vorgang wird als Urananreicherung bezeichnet.

          Die Anreicherung auf 3,5 Prozent für den Einsatz in Kernkraftwerken kann Iran inzwischen selbst bewerkstelligen. Für den Einsatz in medizinischen Reaktoren - etwa für die Krebstherapie - wird ein Anreicherungsgrad von 20 Prozent benötigt. Uran gilt dann bereits als hochangereichert. Es wird befürchtet, dass Iran in einer weiteren Stufe Uran noch höher anreichern könnte, um schließlich die Fähigkeit zum Bau von Atombomben zu erlangen. Für Atomwaffen ist ein Anreicherungsgrad von mindestens 85 Prozent erforderlich. Deshalb will die Weltgemeinschaft auch die niedrigere Anreicherung nicht in Iran selbst zulassen, sondern im Ausland aufbereitetes Uran liefern.

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