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Atommülllager : „Persilschein“ für Asse?

  • Aktualisiert am

Radioaktivitätsmessung in Asse Bild: AP

Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Trittin, hat sich dafür ausgesprochen, am Baustopp im geplanten Endlager Gorleben festzuhalten. „Asse war das Modellbergwerk für Gorleben“, sagte Trittin in der ARD. Die Fraktionsvorsitzende Künast hatte zuvor Strafanzeige gegen die Asse-Betreiber gestellt.

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          Der stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende Jürgen Trittin hat sich nach dem Bericht des niedersächsischen Umweltministeriums über das Atommülllager Asse dafür ausgesprochen, am Baustopp im Salzstock Gorleben als mögliches Endlager festzuhalten. „Asse war das Modellbergwerk für Gorleben“, sagte Trittin am Mittwoch in der ARD. Er forderte, nun endlich Alternativen zur Einlagerung von Atommüll zu prüfen.

          Eine eigene Verantwortung aus seiner Zeit als Bundesumweltminister wies Trittin zurück. Die Fakten seien jetzt erst bekannt. Der Betreiber von Asse, das dem Bundesforschungsministerium unterstehende Helmholtz-Zentrum in München für Gesundheit und Umwelt, habe „elementare Regeln des Strahlenschutzrechts missachtet“. Künftig solle aus seiner Sicht das Bundesamt für Strahlenschutz den Betrieb übernehmen. Die Vorwürfe, dass in Asse früher auch hoch radioaktiver Atommüll gelagert worden sei, müssten zudem von der Staatsanwaltschaft untersucht werden.

          „Gemeingefährliche Straftaten“

          Der niedersächsische Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) wiederholte unterdessen die Kritik am Helmholtz Zentrum München. Der größte Vorwurf sei, dass den Aufsichtsbehörden nichts gemeldet worden sei, als in der Asse kontaminierte Laugen festgestellt wurden, sagte Sander im Deutschlandfunk. Dies sei jedoch „keine Frage der jetzigen Landesregierung“. Die Hauptverantwortung liege beim Betreiber. „Was wollen Sie machen, wenn die Menschen, die dort arbeiten, der Meinung sind, sie hätten dies im Griff.“

          Bild: dpa

          Über eine Strafanzeige, welche die Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast zuvor bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig gestellt hatte, sagte Sander, er rechne nicht mit juristischen Konsequenzen für sein Ministerium. Die Vorgänge lägen weit zurück. Frau Künast hatte bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig wegen des umstrittenen Atommülllagers Asse Strafanzeige gestellt. Sie sagte am Dienstag in der ARD, Wissenschaftler hätten dort „jahrzehntelang gemeingefährliche Straftaten begangen“. Auch die Helmholtz-Gesellschaft müsse sich als „Kopf des Ganzen“ zurechnen lassen, was ihre Untergliederungen tun.

          „Ich stelle persönlich Strafanzeige, weil ich glaube, dass da jahrzehntelang so ziemlich alles an rechtlichen Regeln verletzt wurde“, sagte Frau Künast. Die Grünen beantragten zugleich eine Sondersitzung des Ausschusses für Umwelt und Forschung. Am Dienstag hatte Gabriel hatte in Berlin einen Statusbericht zu dem umstrittenen Atommülllager vorgestellt und dem Asse-Betreiber schwere Versäumnisse vorgeworfen.

          „Auch auf Gorleben verzichten“

          Atomkraftgegnern forderten am Mittwoch Konsequenzen für den Endlagerstandort Gorleben. Obwohl es zwischen der ehemaligen Kaligrube Asse und dem Erkundungsbergwerk Gorleben Unterschiede gebe, drängten sich Parallelen zwischen beiden Standorten förmlich auf, teilte am Mittwoch die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg mit. „Jahrelang galt die Asse als Pilotprojekt für Gorleben“, sagte ein Sprecher. Geowissenschaftler, die sich für Gorleben einsetzten, hätten auch Asse „wider besseres Wissen einen Persilschein in puncto Standsicherheit und Trockenheit ausgestellt“.

          Umweltschützer bemängeln seit Jahren, dass der Salzstock Gorleben nicht ausreichend gegen Wasserzuflüsse abgeschirmt sei. Das sogenannte Deckgebirge aus Ton sei nicht dick genug. „Der nächste Gau droht in Gorleben“, sagte der Sprecher der Dannenberger Bürgerinitiative. „Aus Asse lernen heißt, auf Gorleben zu verzichten.“ Der Salzstock Gorleben wird seit den siebziger Jahren auf seine Eignung als Endlager für hoch radioaktiven Müll hin untersucht. Seit dem Jahr 2000 gilt ein auf zehn Jahre befristetes Moratorium. Während Gabriel (SPD) auch andere Standorte prüfen will, fordern Union, FDP sowie die Energiewirtschaft, dass Gorleben zügig abschließend erkundet wird.

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